Das Graue Langohr ist kein Waldtier, sondern eine Dorf-Fledermaus. Die Tiere bewohnen vor allem alte Dachstühle der Schwanberg-Anliegergemeinden, so auch in Rödelsee. Um die Lebensräume dieser Fledermäuse miteinander zu vernetzen und zu optimieren, hat die Regierung von Unterfranken die Erstellung eines Konzepts in Auftrag gegeben. Biologin Renate Ullrich vom Büro Fabion aus Würzburg stellte die Details des geplanten Fledermausprojekts am Dienstag im Rödelseer Gemeinderat vor.

Bei der Erstellung des Konzepts arbeitet sie mit Christian Söder vom Büro naturgeflatter aus Kitzingen zusammen. Das Projekt betrifft Iphofen mit Birklingen, Rödelsee mit Fröhstockheim, Großlangheim, Wiesenbronn, Castell mit Greuth und Wüstenfelden. Als sesshafte Art, die nur wenig wandert und auch nur wenige Kilometer zu ihren Jagdgebieten zurücklegt, sei das Graue Langohr auf eine enge Verzahnung geeigneter Quartiere, Leitstrukturen und ergiebiger Nahrungshabitate angewiesen, erläuterte die Referentin.

Von der in Deutschland stark gefährdeten Fledermausart seien im Landkreis Kitzingen noch einige Vorkommen bekannt. Aus diesem Grund stehe das Graue Langohr im Fokus von Schutzbemühungen. Im Landkreis wurden in den vergangenen Jahren diverse unterstützende Projekte, Öffentlichkeitsarbeit sowie Forschungsvorhaben zu dieser Fledermausart organisiert.

Nur ein Junges pro Jahr

Unter anderem wurden Tiere einer Kolonie mit Sendern versehen, um mehr über die nächtlichen Flugwege, ihre Jagdhabitate und Ausweichquartiere zu erfahren. Zur Fortpflanzung der Tiere sagte die Biologin: "Nur ein Junges pro Jahr." Das Graue Langohr lebt laut Ullrich in kleinen Gruppen. Unter den Dächern wohnen sie häufig in Zapflöchern alter Balken.

Bereits im April und Mai waren die Kartierer zu Geländebegehungen in der Flur rund um Rödelsee unterwegs. Ziel des Konzepts sei es vor allem, vorhandene Quartiere zu verbessern. Das Projekt sei typisch für die fränkische Landschaft. Ullrich hofft auf die Unterstützung durch die Bevölkerung, die Mitarbeit der Grundstückseigentümer und auf Ideen. Deshalb will sie die Öffentlichkeit mit ins Boot nehmen. Die Ratsmitglieder sieht sie als Multiplikatoren.

Öffentliche Präsentation

Ullrich plant die öffentliche Vorstellung ihrer Arbeit in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Flächeneigentümern im September. Weitere Beteiligte sind die Untere Naturschutzbehörde und der Landschaftspflegeverband Kitzingen. Das Vernetzungskonzept soll bis Ende Oktober fertig gestellt sein. 2023 könnten schon die ersten Maßnahmen in den betroffenen Gemeinden in die Tat umgesetzt werden

Bürgermeister Burkhard Klein freute sich über die Recherchen zur "Dorf-Fledermaus". Nach seiner Erkenntnis kommen im Dorf viele Fledermäuse vor. Die Frage sei, um welche Fledermäuse es sich dabei handelt. Das Gemeindeoberhaupt erinnerte, dass "wir die letzten Jahre schon viel getan haben, unter anderem wurden viele neue Bäume gepflanzt". Der Anteil an Insekten in der Natur sei im Gemeindebereich gewachsen.

Weitere Themen der Sitzung

Den Auftrag zur Sanierung der Rathaustreppe Rödelsee erhielt die Firma Naturwerksteinbetrieb Müller aus Kleinlangheim zum Preis von 6100 Euro. Das jüngste Hochwasser-Audit hat das Wasserwirtschaftsamt mit 11.200 Euro gefördert. Die Kosten lagen bei 14.500 Euro plus 3600 Euro für Beratung, Hochwasserpass und -broschüre. Ein Anlieger in der Mainbernheimer Straße erhält aufgrund fehlender Parkplätze von der Gemeinde eine Stellplatzprämie von 2000 Euro, weil er durch die Schaffung von Parkraum die aktuelle Verkehrssituation verbessert.