Seit fast vier Jahren wird an der Dachmarke Kitzingen und damit an der Frage gearbeitet, wie die Stadt unverwechselbar und für Gäste und Einheimische attraktiver werden kann. Nach Workshops, runden Tischen, Sondersitzungen des Stadtrats, Bürgerversammlungen und wissenschaftlicher Begleitung liegt ein Ideenhandbuch auf dem Tisch. Die Umsetzung kann beginnen.

Einstimmig hat der Kitzinger Stadtrat in einer Sondersitzung am Dienstag die Weichen für den auf Jahre angelegten Prozess gestellt. Die wichtigsten Ergebnisse:

Claudia Biebl ist neben ihrem Job als Vorsitzende des Stadtmarketingvereins künftig die sogenannte Brand-Managerin. Bei der Marketing-Kauffrau werden im Büro des Vereins die Fäden zusammenlaufen. Die genauen Bedingungen soll eine Kooperationsvereinbarung regeln. Der Brand-Managerin und ihren Mitarbeitern stehen 10 000 Euro jährlich zur Verfügung. „Das reicht als Starthilfe“, sagte Biebl.

Damit ist die Umsetzung eines Prozesses eingeleitet, der mit einem SPD-Antrag auf „Entwicklung einer Dachmarke Kitzingen“ 2012 begonnen hat. Das war eine Reaktion auf das vergilbte Image der Garnisonsstadt und der fastnachtfrohen Weinstadt am Main. Hauptamtsleiter Ralph Hartner zeigte die Schritte auf, die bisher gegangen wurden. Nach Fragebogenaktionen, Experteninterviews, Workshops und Lenkungsgruppen, in die viele Kitzinger eingebunden waren, hat das Institut für Stadt- und Regionalplanung Ende 2014 ein Ergebnis vorgelegt. Auf der Basis der Erfolge bei der kleinen Gartenschau und dem Wettbewerb Entente Florale haben sich mit „Die grüne Stadt am Main“ und „Das gute Leben“ zwei Begriffe herauskristallisiert, in denen sich Kitzingen und die Kitzinger wiederfinden sollen.

„Klar, Klasse, das ist Kitzingen.“
Joachim Kramers Vision vom Mond-Festival

Ein entscheidender Schritt nach vorne war dann die von viel Lokalpatriotismus geprägte Zusammenarbeit der drei Kitzinger Werbeagenturen Claudia Biebl (bieblwek), Joachim Kramer (ORKA) und Dirk Nitschke (Zudem). Heraus kam für einen Schnäppchenpreis das im November 2015 präsentierte „Treibhaus der Ideen“. 50 kunterbunte Vorschläge sind es geworden. Die können kurzfristig umgesetzt werden, sind aber auch mittel- oder langfristig angelegt.

Jetzt geht es an die Umsetzung. Wie Claudia Biebl sagte, stehen einige Ideen, wie der Kitzinger Picknickkorb, kurz vor dem Start. Die Idee, dass Kitzinger Gastronomen den von der Kitzinger Firma Reka produzierten Karton mit Produkten aus der Region füllen und so eine problemloses Picknick am Main ermöglichen, wird zum Kitzinger Frühling starten.

Kurz vor dem Start steht auch die Idee Fitness am Stadtbalkon. Dabei werden Kitzinger Fitnessstudios auf dem Gartenschaugelände kostenlose öffentliche Trainingsstunden anbieten. Die Idee vom magischen Kitzinger Mond-Festival wird dagegen noch ein bisschen reifen müssen. Wobei Joachim Kramer gerade in der Mondseeinsel ein besonders großes Potenzial sieht. „Das ist unsere lila Kuh“, sagte er mit Blick auf ein oft bemühtes Markenzeichen. Seine Vision: In ein paar Jahren wird ein Würzburger auf das Mondfestival angesprochen und sagt: „Klar, Klasse, das ist Kitzingen.“ Wenn das so kommt, ist ein Stück des Weges zur Marke erfolgreich gegangen worden.

Weil es bis dahin aber noch ein bisschen dauern wird, haben die Stadträte eine Hausaufgabe bekommen: Aus den 50 Ideen des Handbuchs sollen sie je fünf aussuchen, die gleich, mittel- und langfristig umgesetzt werden können. Die Ergebnisse werden mit den Vorschlägen anderer Beteiligter gebündelt. Sie bilden die Grundlage des Prozesses in den nächsten Monaten und Jahren.

Im Stadtrat jedenfalls gab es Rückenwind: Beifall, Geld, das Ja zum Einsatz der Profis und die Bitte an die Kitzinger, weiter mit dabei zu sein.