Stille – atemlose Stille und das über mehrere Sekunden, ehe der Beifall aufbrandete: Ein klares Zeichen dafür, dass es dem Atos-Trio am Samstagabend gelungen war, das Publikum beim diesjährigen Rathauskonzert mitzunehmen, in die nicht gerade einfache Musik Dimitri Schostakowitschs einzuführen und am Ende dann erstaunt zurück zu lassen.

Das war den drei Musikern, Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier), in der Marktbreiter Rathausdiele auch bereits bei den beiden Stücken vor der Pause gelungen. Kein einfaches Programm, das, so die Kulturreferentin Marktbreits, Christiane Berneth, von Bürgermeister Harald Kopp da ausgesucht worden war: Drei Mal ging es um den Verlust eines geliebten, eines wichtigen Menschen. Bei Sergej Rachmaninow war es der Klavierlehrer, bei Bedrich Smetana die vierjährige Tochter und bei Schostakowitsch eine guter Freund. Alle drei Trios also in Moll.

Trotzdem passend in die Zeit: "Es ist alles andere als selbstverständlich, vor Publikum spielen zu können", sagte Thomas Hoppe zur Einleitung, denn Corona hatte zur langen Aufführungspause geführt und auch zur Absage der USA-Tournee der Musiker im November. Die Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Marktbreiter Konzert, das fast hätte ausfallen müssen, da ein Musiker aus Berlin angereist war – der negative Test lag erst am Vorabend vor. Und auch das Publikum war zahlenmäßig begrenzt und mit Abstand gesetzt.

Intime Stimmung mit kleinem Publikum

Was natürlich auch Vorteile hatte: Mit den rund 50 Zuhörern entstand eine ganz neue, intime Stimmung, die Zahl der Huster sank beträchtlich, die Musik selbst konnte neue Wirkung entfalten.

Und das Atos-Trio selber? Was will man noch viel sagen, über eines der renommiertesten Klaviertrios überhaupt. Ein kompakter Block, der die Rathausdiele so manches mal an die Grenzen der Akustik führte, Musiker, die das Zusammenspiel grandios perfektioniert haben, die große Spielfreude mit gelungener Interpretation der Werke kombinieren, das Publikum erstaunt und eben atemlos zurück lassen. Die am Ende auch auf eine Zugabe verzichten, denn: "Was passt nach so einer Reise wie in diesem Stück (Schostakowitsch) – wir wissen es nicht und würden es lieber so stehen lassen", sagte Hoppe und das begeisterte Publikum akzeptierte es.

Ein gelungenes Konzert also zum 30. Jubiläum der Rathauskonzerte in Marktbreit, die vom damaligen Kulturreferenten der Stadt, Hartwig Zobel, initiiert wurden. Mit der Rathausdiele als perfektem Veranstaltungsort waren es in den Anfangsjahren Wochenenden mit mehreren Konzerten. Ein Irrweg, wie sich schnell herausstellte – zu teuer, zu aufwendig und auch zu wenig Publikum. 2008 übernahm Jürgen Huthöfer den Posten des Kulturreferenten und damit auch die Organisation der Rathauskonzerte. Immer mit renommierten Ensembles, etwa dem Leipziger Streichquartett, dem Carmina oder dem Diogenes Quartett, aber auch schon vor einigen Jahren dem Atos-Trio. Und das seit vielen Jahren mit vollem Hause. Jetzt hat Christiane Berneth das Ruder übernommen – die Premiere hat überzeugt.