Man trägt wieder . . . nichts. Keine Kleidung. Beim Marktbreiter Kunstfest „Artbreit“. Nicht die vielen Besucher, aber auffallend viele der Skulpturen. Vor allem die Männer. Nicht klassizistisch idealisiert, sondern real. Ernüchternd.

Mehr als einen Vorgeschmack auf das große Musikprogramm bietet am Samstagabend das Auftaktkonzert in der Kirche St. Nikolai. Dort wartet das Publikum geduldig vor der Kirche, bis drei der sieben „Soundtravelers“ spielend durch die Wartenden schreiten und sie mit sich ziehen. Es ist kein statisches Konzert: Die jungen Musiker nehmen immer neue Aufstellungen im Raum ein. Mal verteilt, mal vereint oder unterschiedlich gruppiert. Hier füllt zarter Gesang das Kirchenschiff – dort explodiert ein klangliches Chaos. Das Spektrum ist breit, reicht von mittelalterlichen Klängen über Jazz-Improvisationen bis in den Orient, vieles musikalisch minimalistisch.

Die ganze Stadt als Kulisse

Ebenfalls am Samstag, in den offenen Galerien, zeigt Artbreit die große Vielfalt an bildender Kunst und zieht damit eine große Zahl von Besuchern an. Das Wetter passt, die Sonne scheint. Schatten gibt es in den Galerien, im Lagerhaus, im Rathaus, in Kellern und an etlichen anderen Orten in den verwinkelten Gassen. Überall macht sich Kunst breit. Aber auch auf der Straße, mitten im Bach, auf Plätzen, in Baulücken stehen ganz große und winzig kleine Figuren, viele davon realistisch nachempfunden.

Die beiden nackten Männer in der Baulücke am Breitbach von Jan Gottschalk werden eher distanziert von der anderen Straßenseite aus betrachtet, bei den mehrere Meter hohen Holzfiguren von Clemens Heinl in der Bahnhofstraße greift ein Junge schon mal in die Kniekehle. Das Foyer des Lagerhauses reicht für Dutzende Bronzen von Susanne Kaiser, die immer wieder zum Handyfoto reizen. Und direkt am Malerwinkel auf hohen Stelen steht ein Volksmusiker-Ensemble von Richard Osiander, grob geschnitzt mit viel Charme. Heimat hat einen faden Beigeschmack, aber dort kann man sich daheim fühlen.

Kunstfest wird zum Straßenfest

Das ist aber nur ein kleiner Teil von Artbreit. Denn die Galerien sind voll von Gemälden, klassisch, gegenständlich, abstrakt und wild – da geht wohl kein Besucher, ohne sein Lieblingswerk gefunden zu haben.

Das und mehr ist am Sonntag zu finden. Denn dann wird das Kunstfest zum Straßenfest. Zur bildenden Kunst kommt noch die Musik. Genauso vielfältig, abwechslungsreich, unterschiedlich. Knapp 20 Ensembles lassen die Stadt klingen, grooven, mal mit Verstärker, mal ohne, instrumental, mit Gesang oder nur mit Stimmen, mal acht Akkordeons oder drei Tuben. Und auch der Nachwuchs kommt mit der Musikschule Marktbreit und der Schulband des Gymnasiums.

Ein Fest für alle Sinne

Im Hintergrund arbeiten die vielen Freiwilligen: etwa die Parkeinweiser, die nicht den einfachsten Job an diesem Tag haben. Artbreit ist nicht nur zu sehen und zu hören – es ist auch zu schmecken. Die Gastronomie präsentiert sich vielfältig – ohne Bratwurst. Und so ist Artbreit wieder ein Spektakel für alle Sinne oder wie Organisator Claus-Peter Berneth sagte: „Fühlen Sie, hören Sie, schauen Sie und schmecken Sie.“

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