Manchmal erklärt sich ein Ereignis erst im Nachhinein: Mit einem Prozess vor dem Arbeitsgericht Würzburg erhellen sich die Hintergründe um die viel diskutierte Schließung des Städtischen Museums in Kitzingen. Vor Gericht hat Museumsleiterin Stephanie Falkenstein in erster Instanz erfolgreich ihre Weiterbeschäftigung in der Kitzinger Stadtverwaltung durchgefochten. Gegen dieses Urteil kann die Stadt in Berufung gehen. Außerdem steht noch ein zweiter Prozess in gleicher Sache aus, denn die Stadt hat Falkenstein sicherheitshalber gleich zwei Mal gekündigt.

Ende Juni ging ein Aufschrei durch die Reihen der Kulturfreunde in der Stadt Kitzingen und darüber hinaus: Der Kitzinger Stadtrat hatte auf Vorschlag von Oberbürgermeister Stefan Güntner mehrheitlich beschlossen, das vorübergehend geschlossene Städtische Museum auf Dauer zuzusperren und "abzuwickeln". Die Freunde des Museums fürchteten, dass damit die Geschichte der Stadt verloren gehe und witterten einen Niedergang der Stadt-Kultur insgesamt, könnte die Museumsschließung doch nur eine erste von mehreren coronabedingten Sparmaßnahmen im freiwilligen Sektor Kultur sein.

Klarstellung beendet Hängepartie

Doch der "Klarstellungsbeschluss" verfolgte aus Sicht der Stadtverwaltung einen anderen Zweck: Im Herbst 2018 hatte der Stadtrat entschieden, das Städtische Museum "bis auf Weiteres" zu schließen. Der Beschluss war aus Sicht der Stadtoberen eine Atempause im Streit um die Zukunft des Museums. Seine Leiterin, Stephanie Falkenstein, erhielt den Auftrag, ein neues Konzept für das Museum zu entwerfen. Der Hintergrund: In den Jahren zuvor war das Defizit der städtischen Einrichtung gewachsen, während zugleich die Besucherzahlen schwanden.

Das enttäuschte die Stadtverantwortlichen umso mehr, als man das Gebäude, den 500 Jahre alten, historischen Kastenhof bis 2007 für drei Millionen Euro hatte sanieren lassen. Die rund 1300-jährige Stadtgeschichte sollte dort ansprechend präsentiert werden. Die modernisierten Räume sollten gar "Jubelstürme" auslösen, so lautete die Hoffnung nach der Wiedereröffnung. Doch trotz des geringen Eintrittspreises von zwei Euro kamen im Jahr 2015 gerade noch 1100 Besucher. – Für alle Beteiligten eine große Enttäuschung. 

Die folgenden Versuche, die Vorstellungen der Museumsleiterin mit denen der Stadtverwaltung und des Stadtrats unter einen Hut zu bekommen, scheiterten. Die Stadt Kitzingen zog die Reißleine: Im ersten Schritt schloss sie das Museum im Herbst 2018 vorläufig. Ziel der Atempause: Die Leiterin sollte ein neues Konzept erstellen. Doch tatsächlich ist das Gebäude seither ununterbrochen dicht; das Konzept stieß nicht auf Zustimmung. Der nächste Schritt war aus Sicht der Stadt folgerichtig: Sie kündigte Falkenstein schließlich außerordentlich und betriebsbedingt. Die sinngemäße Begründung: Mit dem Wegfall des Museums gibt es auch keinen Bedarf mehr für eine Museumsleiterin.

Museumsleiterin wehrt sich gegen Kündigung

Dagegen wehrte sich die Betroffene mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht Würzburg. Da einer Verhandlung dort zwingend ein Gütetermin vorausgeht, versuchte das Gericht zwischen den Streitparteien zu vermitteln. Doch ein Kompromiss scheint nicht möglich. Denn es stehen sich zwei unversöhnliche Ansätze gegenüber. Die Stadt beharrt auf einer Kündigung und möchte die Museumsleiterin finanziell abfinden, und die Betroffene hofft auf ihre Weiterbeschäftigung.

In erster Instanz hat sich Falkenstein nun durchgesetzt. Die Erläuterung des Vorsitzenden Richters in Kurzform: Die Stadt habe für ihre Kündigung "keine ausreichende Begründung" vorgelegt. Da das Museum zum Zeitpunkt dieser Kündigung nur "bis auf Weiteres" geschlossen war, seien die damit verbundenen Stellen nicht weggefallen. Der Anwalt der Museumsleiterin, Markus Weishaupt, zeigte sich nach der Verhandlung in dieser Woche "mit dem Ergebnis zufrieden". Ziel sei der Erhalt des Arbeitsplatzes. Die Stadt Kitzingen möchte sich erst äußern, wenn ihr das Urteil schriftlich vorliegt. Dann wird sich zeigen, ob sie in Berufung geht.

Allerdings hat sich Oberbürgermeister Stefan Güntner längst einen zweiten Weg eröffnet. Mit dem "Klarstellungsbeschluss" des Stadtrats vom Juni wurde das Städtische Museum inzwischen dauerhaft geschlossen. Außerdem hat die Stadtverwaltung eine zweite Kündigung ausgesprochen. Das löste ein zweites Verfahren vor dem Arbeitsgericht aus. Sollten sich die Streitparteien nicht vorher gütlich einigen, wird darüber am 1. Dezember verhandelt. Bis dahin freilich muss die Stadtverwaltung die Museumsleiterin weiterbeschäftigen. Die erste Kündigung ist laut Gericht unwirksam.