Im Kitzinger Stadtteil Hoheim ist die Welt noch in Ordnung – eigentlich. Das einzige Problem, mit dem die Hoheimer zu kämpfen haben: Sie bekommen keine Bauplätze in ihrem Heimatort. Wenn sie ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen, müssen sie in Nachbargemeinden ausweichen.

Weil das in Kitzingen und im Stadtteil keiner will, hat Oberbürgermeister Siegfried Müller die „Möglichkeiten der Wohnbebauung in Hoheim“ auf die Tagesordnung der Bürgerversammlung am Montag gesetzt. Es zeigte sich, dass das Thema Bauplätze in Hoheim ein spezielles ist. Das machte die erste Folie deutlich, die Bauamtsleiter Oliver Graumann vor 70 Hoheimern im voll besetzten Sportheim auflegte. 30 gelbe Punkte leuchteten innerhalb der Ortsgrenzen auf. Sie markieren 30 Bauplätze, die sofort verfügbar und bebaubar sind. Das Problem: Angebot und Nachfrage kommen nicht zusammen oder, wie es Graumann formulierte: „Hier ist viel möglich, wenn es möglich wäre.“

Ist es aber nicht. Die Eigentümer sitzen auf ihren Flächen, halten sie zurück und verkaufen nicht. Dennoch nutzte OB Müller die Gelegenheit zu einer kurzen aber deutlichen Ruck-Rede: Gleich zweimal appellierte er an die Grundstücksbesitzer: „Geben Sie sich einen Ruck“, sagte er und forderte dazu auf, zu verkaufen und es jungen Leuten zu ermöglichen, ihren Traum vom Eigenheim daheim zu verwirklichen.

Weil der Appell angesichts der Erfahrungen in der Vergangenheit leicht ungehört verklingen könnte, kamen weitere Möglichkeiten auf den Tisch. Graumann stellte rund um Hoheim vier Flächen vor, auf denen eine Entwicklung von Bauland möglich ist.

„Hier ist viel möglich, wenn es möglich wäre.“
Oliver Graumann, Bauamtsleiter

Der Haken: Einmal muss der Weg über ein zeitraubendes Bebauungsplanverfahren (rund ein Jahr) gegangen werden. Zum anderen gibt es einen Grundsatzbeschluss des Stadtrats zur Bodenpolitik. Der lässt zwar Ausnahmen zu. Es gilt aber in der Regel: Die Stadt weist Bauland nur auf Flächen aus, die ihr gehören. Das heißt, die Eigentümer müssen ihre Grundstücke an die Stadt verkaufen. Die sorgt für die Erschließung und verkauft Bauplätze weiter.

Wie sich zeigte, werden sich die Bemühungen um neue Bauplätze wohl auf das Gebiet südlich der Ziegelbergstraße konzentrieren. Zu diesem Bereich hatte es vor kurzem eine Anfrage für ein Mehrfamilienwohnhaus gegeben. Die Antwort war mit dem Hinweis auf den Außenbereich negativ ausgefallen, das Thema war aber auf dem Tisch und jetzt in der Bürgerversammlung. Allerdings ist das Gelände nicht unproblematisch. Vor allem die Nähe zum Sportplatz, den Tennisplätzen und damit mögliche Lärmschutzprobleme machen einigen Hoheimer Sorgen.

Laut Graumann kann man diese Fragen planungsrechtlich lösen. Ob es so weit kommt, werden die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern zeigen. Die müssen verkaufen, sonst geht nichts.

Ansonsten zeigte sich, dass Hoheim mit den selben Problemchen kämpft wie andere Ortsteile. Mit Flaschen vollgestellte Containerstellplätze gehören ebenso dazu wie alte Äste, die sich von den Linden im Friedhof verabschieden. Auch die „Raser“ auf der Straße vor dem Kindergarten, die fast ausschließlich Anlieger nutzen, fehlten nicht. Auch wenn sich in manchen Straßen nur schwer kehren lässt, stellte am Ende eine Hoheimerin fest: „Bei uns ist am Samstag um zwei Uhr die Straße gekehrt.

“ Was den OB zu dem mit Beifall quittierten Schluss kommen ließ: „In Hoheim ist die Welt noch in Ordnung.“ Diesmal ohne eigentlich.

Ein bisschen Statistik

Die Stadtteile: Hoheim ist mit 731 Einwohnern nach Repperndorf (690) der zweitkleinste Stadtteil Kitzingens. Weiter leben in den nach Kitzingen eingemeindeten Stadtteilen Hohenfeld 928 und in Sickershausen 1163 Einwohner. Dazu kommen die 5336 Kitzinger, die in der Siedlung gemeldet sind. 2708 leben in Etwashausen und im Stadtgebiet sind es 10 396.

Die Verteilung: Von den 731 Hoheimern (Stand 13. Januar 2016) sind 365 Männer und 366 Frauen. Weitere Zahlen aus der Hoheimer Statistik: Es gibt 24 Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Genau so viele sind zwischen vier und sechs Jahren alt. Sieben bis 16 Jahre alt sind 59 Hoheimer und 25 zwischen 16 und 18 Jahren, 476 Hoheimer sind zwischen 19 und 65 Jahren alt. 123 sind 66 und älter.