"Es ist wichtig, dass wir unsere Integrations-Einrichtung am Leben halten können", sagt Volker Lang, Geschäftsführer des Kitzinger Vereins Aplawia (Abkürzung für: Andere planen, wir arbeiten). Doch der Corona-Pandemie kämpft die Einrichtung für arbeitsweltbezogene Sozialarbeit und ökologischen Initiativen um ihre Existenz. Deswegen begegnet die Aplawia der Zwangsschließung ihres Sozialkaufhauses mit einem neu eingerichteten Online-Shop und der Idee eines Video-Einkaufs. 

"Wir waren schon im ersten Lockdown massiv betroffen, konnten damals aber relativ gut damit umgehen – durch Abbau von Überstunden und Urlaub sowie der Möglichkeit von Kurzarbeit", erklärt Lang. "Die staatliche Soforthilfe war die Rettung für uns", sagt er jetzt im zweiten Lockdown. Demnächst wird er Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. "Aber jetzt im zweiten Lockdown gestaltet sich die Antragstellung und die Umsetzung der Hilfen sehr zäh", bemerkt Vorstandsmitglied Knut Roßberg.

In der gemeinnützigen Einrichtung haben 35 Mitarbeiter eine Festanstellung, dazu kommen noch 14 so genannte Ein-Euro-Jobber. Dabei verfolgt die Aplawia das Ziel, ihre Klienten fit für den Arbeitsmarkt zu machen. "Dadurch, dass wir uns selbst finanzieren, sparen wir der Region Kitzingen viel Geld", betont Roßberg. Durch die Erlöse des Sozialkaufhauses, der Baufirma SDA, der Wohnungsauflösungen oder des Haushaltsservices finanziert die Aplawia die Sozialarbeit. Gerade nach dem Ende des ersten Lockdowns waren die Dienstleistungen der "Guten Geistern", wie die Aplawia ihre Mannschaft des Haushaltsservice betitelt, stark gefragt. Auch das Sozialkaufhaus mit gebrauchten Möbeln erfuhr ab Mai einen guten Zulauf.

Der Philosophie des Vereins "Den Menschen zuliebe" entsprechend, lassen die Verantwortlichen um den Vereinsvorsitzenden Jürgen Derleth nichts unversucht, um den seit 37 Jahren existierenden Verein erfolgreich durch die Krise bringen. Die Arbeit der Einrichtung, die im Kitzinger Gewerbegebiet Dreistock ihren Standort hat, kommt direkt benachteiligten Menschen zugute. "Wir stehen auf mehreren Standbeinen", erklärt Roßberg den großen Vorteil der Aplawia. Und: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." Volker Lang schiebt hinterher: "Mit Vollgas."

Um der Kaufhaus-Schließung zu begegnen, haben sie einen Online-Shop eingerichtet und darin viele Artikel abgebildet. Die Artikel können dann via Internet geordert und nach einer Terminvergabe abgeholt werden, oder die Aplawia bringt die Sachen mit einem Lieferservice. Wer sich noch besser über das Sozialkaufhaus-Sortiment informieren will, dem bietet die Aplawia die Möglichkeit eines virtuellen Einkaufs. Über die Homepage oder die Facebook-Seite werden die Kunden mit Mitarbeiter verbunden und führen die Kunden mit ihren Smartphones durch die Abteilungen. Die Kunden können virtuell alles in Echtzeit betrachten. Außerdem ist die Aplawia auch bei der Initiative Click & Collect dabei und könnte dort einen aktiven Part einnehmen. Lang könnte sich gut vorstellen, dass eine Mannschaft den Lieferservice übernimmt.

Um die schwierige wirtschaftliche Lage im Corona-Chaos aufzuzeigen, hat sich Geschäftsführer Lang mit einem Schreiben an Landrätin Tamara Bischof, Oberbürgermeister Stefan Güntner sowie die hiesigen Abgeordneten im Landtag und Bundestag gewandt. Die Stadt habe positivere Signale als in der Vergangenheit gesendet und auch die Landrätin habe ihre Unterstützung zugesichert – in Form von Aufträgen bei Umzügen oder Haushaltsauflösungen oder auch durch Rabattgutscheine für bedürftige Menschen zum (Online-)Einkauf im Sozialkaufhaus.