Die Rübenbauern haben es heuer richtig gut erwischt. Rekorderträge gepaart mit einer hohen Nachfrage auf dem Weltmarkt haben die Erlöse steigen lassen – auf durchschnittlich 4000 Euro pro Hektar. Im fruchtbaren Ochsenfurter Gau sogar noch mehr. Kein Wunder, dass die Stimmung bei den Winterversammlungen des Verbands fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) recht gelöst war.

Es ist der Ausgleich für Jahre der Ungewissheit, den die Rübenbauern heuer eingefahren haben. Die Welthandelsorganisation WTO hatte dem geregelten und nach außen abgeschotteten europäischen Zuckermarkt den Kampf angesagt. Die EU darf nur noch 85 Prozent ihres Eigenbedarfs für den Nahrungsmittelsektor selbst produzieren. Der Rest muss aus ärmeren Drittstaaten importiert werden.

Über den Rückkauf von Produktionsquoten und Rübenkontingenten sollte den Bauern der Ausstieg auf dem Rübenanbau schmackhaft gemacht werden. Auch Südzucker und ihre Anbauer trugen zur Quotenreduzierung bei. Die, die Quote zurückgegeben haben, zählen sich jetzt zu den Verlierern.

Bei den Alternativen Raps und Getreide gab es im vergangenen Jahr Missernten, gepaart mit schlechten Preisen. Die Rübenerzeuger hingegen profitierten von einem für die Zuckerrübe nahezu optimalen Witterungsverlauf und einem anhaltenden Preishoch auf dem Weltmarkt.

Süße Schwellenländer

Einen kontinuierlich steigenden Zuckerverbrauch in den Schwellenländern und die Erzeugung von Bio-Treibstoff aus Zucker macht Reinhold Köhler für den Preisauftrieb der vergangenen zwei Jahre verantwortlich. Köhler ist verantwortlich für den Geschäftsbereich Rüben/Zucker bei der Südzucker AG.

Zusätzlich zu dem in der Zuckermarktordnung festgelegten Rübenmindestpreis von 26,29 Euro zahlt Südzucker den Landwirten deshalb für die abgelaufenen Kampagne eine Marktprämie von 10,71 Euro. Mit allen weiteren Zuschlägen und Vergütungen kommt in Franken ein durchschnittlicher Erlös von 50 Euro je Tonne zustande, so Reinhold Köhler – 4000 Euro je Hektar. Auf ein dauerhaftes Hoch traut sich niemand zu wetten. Deshalb sieht VFZ-Vorsitzender Jochen Fenner mit großer Sorge den geplanten Reformen der EU-Agrarpolitik entgegen. Agrarkommissar Dacian Cioloº hatte im Oktober 2011 ein Auslaufen der Zuckermarktordnung vorgeschlagen. Feste Produktionsobergrenzen und garantierte Mindestpreise würden dadurch fallen.

Angesichts der hohen Weltmarktpreise würde die europäische Zuckerwirtschaft gegenwärtig von der Liberalisierung profitieren. Langfristig fürchtet Fenner aber, dass die europäischen Rübenbauern zum Spielball brasilianischer Zuckerbarone werden, die weltweit rund die Hälfte des frei handelbaren Zuckers kontrollieren und so Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen könnten.

Abhängig von Übersee

Die europäische Zuckerproduktion könnte durch eine Tiefpreis-Politik des Weltmarktführers ins Aus gedrängt werden, fürchtet Fenner. Einmal stillgelegte Fabriken ließen sich dann kaum noch reaktivieren. Eine Abhängigkeit der europäischen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie von überseeischen Erzeugern wäre die Folge.

Einen starken Verbündeten gegen die Cioloº-Vorschläge haben die Rübenbauern im Europäischen Parlament, allen voran im oberpfälzischen Abgeordneten und Vorsitzenden des Agrarausschusses Albert Deß. Sein Vorschlag, die Zuckermarktordnung zunächst mindestens bis 2020 zu verlängern, war im EU-Parlament mit großer Mehrheit verabschiedet worden.

Die guten Preise, die Südzucker heuer den Bauern zahlen konnte, sind aber nicht nur der Lage auf dem Weltmarkt, sondern der internationalen Vernetzung des größten europäischen Erzeugers geschuldet. So sei es beispielsweise gelungen, die großen Übermengen konzernweit umzulenken und so marktentlastende Schritte der EU in einzelnen Mitgliedsstaaten optimal zu nutzen, sagt Südzucker-Direktor Reinhold Köhler.

Noch mehr Gestaltungsspielraum verspricht sich der Konzern von der Beteiligung am britischen Handelshaus ED&F Man. Die Übernahme von knapp 25 Prozent der Anteile am weltweit zweitgrößten Zuckerhändler wurde allerdings zunächst von der EU-Kartellbehörde gestoppt.

Für das kommende Anbaujahr empfiehlt der fränkische Anbauerverband seinen Landwirten, die Anbaufläche von insgesamt 26 000 Hektar beizubehalten, so VFZ-Geschäftsführer Klaus Ziegler. Ziegler geht dabei von durchschnittlichen Erträgen aus – und die liegen fast 20 Prozent unter den Werten der Kampagne 2011/12.