Der Tod gehört zum Leben. Das bekommt ein Bürgermeister wie Josef Mend oft dann zu spüren, wenn er die Leute zum Geburtstag besucht. „Für die 40- oder 50-Jährigen ist das noch kein Thema. Aber die 70-Jährigen setzen sich damit auseinander.“

Mend will, wenn er demnächst wieder auf Gratulationstour ist, endlich Antworten geben können. Denn immer wieder fragen ihn die Leute, was aus dem Friedhof wird.

Den Iphöfer Stadtrat hat er am Montagabend zu einer seit Langem erwarteten Grundsatzentscheidung bewegen können: Der Friedhof soll im Osten für runde 500 000 Euro erweitert und als Friedhain gestaltet werden. Zugleich will die Stadt den alten Teil des Friedhofs neu beleben.

„Die Bürger sehen das eher emotional.“
Bürgermeister Josef Mend über das Thema Friedhof

Dieser „Spagat“, von dem der Bürgermeister selbst sprach, dürfte nicht ganz einfach zu bewältigen sein. Dabei ist die nun beschlossene Erweiterung um gut 4000 Quadratmeter gen Osten noch die leichtere Übung. Der Stadt gehört die nötige Fläche schon, und die auf mindestens 450 000 Euro geschätzten Kosten dürfe man weniger unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten, sagte Mend.

„Die Bürger sehen das eher emotional.“ Deutlich schwieriger wird sich der zweite Teil der Aufgabe gestalten, die Jörg Schanow als dritter Bürgermeister so definierte: Wie gelingt es, alt und neu zu verknüpfen? „Ich fände es nicht gut, wenn wir eine tolle Erweiterungsfläche hätten, und unser alter Friedhof verfällt.“

1990 gab es kein freies Grab mehr

Mend kann sich noch gut an seine Anfangsjahre als Bürgermeister erinnern – und an die kritische Situation am Friedhof. „Wir hatten 1990 kein einziges freies Grab mehr.“ Obwohl die Stadt seither deutlich an Einwohnern gewonnen hat, sind viele Grabstätten verlassen. Mend aber konnte die Bedenken Schanows und anderer Räte an diesem Abend nicht ausräumen.

„Offen gestanden, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie wir den alten Friedhof neu gestalten können.“ Dazu brauche es einen Experten, der klären soll, wie die Stadt mit der weiter wachsenden Zahl aufgegebener Gräber umgehen soll. Auf Zeit setzt zweiter Bürgermeister Ludwig Weigand. Er empfiehlt der Stadt, immer dann zu reagieren, wenn eine Grabstelle frei werde. „Wir brauchen eine langfristig angelegte Strategie“, sagte er.

Für Mend geht es bei der Erweiterung nicht nur um mehr Platz für die immer stärker nachgefragten Urnengräber, sondern um ein Gesamtkonzept. Den Einwand von Ratsmitglied Rupert Maier, zunächst nur die Hälfte der Fläche auszuweisen, sieht er deshalb kritisch: „Wenn wir das Grundstück halbieren, ergibt sich eine ganz andere Landschaftsgestaltung.“

Geplant: Parkähnlicher Hain und Ruhezonen

Was die Stadt jetzt umsetzen will, ist eine Variante, die schon seit Herbst 2013 in der Schublade liegt: eine große Lösung mit unterschiedlichen Formen der Urnenbestattung und einem von Fußwegen durchzogenen parkähnlichen Hain. „Es gibt im Iphöfer Friedhof keinerlei geschützten Raum, um sich zurückzuziehen“, gab Stadträtin Ingrid Stahl zu bedenken. Auch dies soll künftig in einzelnen Ruhezonen möglich sein.

Als sich im Februar auf der Bürgerversammlung in Iphofen mal wieder der Wunsch nach Urnengräbern auf dem Friedhof regte, versprach Mend, das Thema im Stadtrat grundsätzlich abstimmen zu lassen. Das ist nun geschehen – ohne eine Gegenstimme. Für den Übergang – bis die große Lösung umgesetzt ist – soll es im Süden des alten Friedhofs ein Urnenfeld geben. Der Bedarf an solchen Gräbern werde künftig noch wachsen, stellte Ingrid Stahl fest, da die Angehörigen Verstorbener oft weit weg wohnten.

Auch der Friedwald am Schwanberg sei für viele Leute keine Option, sagte Mend, da er nur mit dem Auto zu erreichen sei.

„Die Bürger wollen einen schönen Friedhof mit der Option der Urnenbestattung“, erklärte Mend. Bis zum Winter will die Stadt die Pläne fertig haben, um das Projekt spätestens im Januar 2018 auszuschreiben und im Laufe des Jahres umzusetzen. Kosten bis zu 570 000 Euro stehen im Raum. Parallel dazu soll diskutiert werden, wie die Lücken im alten Friedhof zu schließen sind.