Eher milde gestimmt war das Amtsgericht in Kitzingen in der letzten Verhandlung des Jahres kurz vor Weihnachten. Profitiert von der Weihnachtsstimmung hat ein 32-Jähriger. Das Verfahren wegen Betrugs hat Richter Marc Betz eingestellt. Zahlt der Mann 250 Euro, ist die Geschichte für ihn erledigt.

Der Fall war nicht ganz einfach. Klar schien, der Mann hat sich bei einem Internetdienst angemeldet und eine einschlägige Seite besucht. Die 79 Euro, die der Dienst dafür kassieren wollte, bekam der aber nicht. Das Konto, das der Mann für die Abbuchung angab, war nicht gedeckt.

Für die Anklage ein Fall von Betrug, auch wenn die Rechnung plus Nebenkosten in Höhe von letztlich 250 Euro längst bezahlt ist. Erschwerend kam hinzu, dass der Mann kostenpflichtig auf der Datenautobahn unterwegs war, als er unter Bewährung stand. Damit fand er sich vor dem Gericht wieder.

Er kam mit seiner Betreuerin, die gleichzeitig die Rolle der Verteidigerin übernahm. Die erzählte aus dem Leben des Mannes, das eher keine Erfolgsgeschichte ist. Der Mann hat psychische Probleme, sagte sie. Er war in stationärer Behandlung, hat in einer betreuten Wohneinrichtung in Norddeutschland gelebt. Dort hat er eine Frau kennengelernt und ist mit ihr in den Raum Kitzingen gezogen.

Hier hat der vom Geschäftsverkehr völlig überforderte Mann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Er ist prompt mit einem kleinen Transportunternehmen an die Wand gefahren. Um Rechnungen hat er sich nicht gekümmert. „Das Problem ist, dass ich solche Sachen immer mal aus den Augen verliere“, sagte er dem Gericht, das gelte auch für die Rechnung des Internetdienstes.

„Der will nicht daheim rumsitzen, der will arbeiten.“
Verteidigerin vor dem Amtsgericht

Nach der Pleite ist er schnell in Hartz IV abgerutscht. Er entschloss sich, seine wichtigen Angelegenheiten einer Betreuerin zu überlassen. Als die sich durch zwei Taschen voller Papier gearbeitet hatte, stand fest: Der Mann sitzt auf rund 40 000 Euro Schulden. Die versucht er, nach und nach abzustottern.

Dass er das wirklich angeht, attestierte ihm die Betreuerin, die inzwischen auch sein Konto führt: „Der will nicht daheim rumsitzen, der will arbeiten.“ Das macht er inzwischen auch. Er hat mit Unterstützung des Jobcenters den Lkw-Führerschein gemacht, arbeitet bei einem Kurierdienst und hat ein festes Einkommen.

„Ich bin dabei, endlich mein Leben in die Griff zu kriegen“, sagte der Mann dem Gericht. Weder der Staatsanwalt noch der Richter wollten ihm dabei zu große Steine in den Weg legen. Also gab es ein Weihnachtsgeschenk und das hieß: Einstellung des Verfahrens.

Um dem Staatsanwalt Bauchschmerzen zu ersparen und die Zustimmung etwas zu erleichtern, ging das allerdings nicht ohne Auflagen. Aber auch die 250 Euro, die der Mann für die Einstellung zahlen muss, dürften eher unter Weihnachtsbonus abgebucht werden.