Nach einem Streit an der Laderampe soll ein 54-jähriger Lkw-Fahrer einen Kollegen so schwer verletzt haben, dass der wochenlang krank war. Wegen des Schlages in die Rippen saß der Mann jetzt vor Gericht. Er wurde frei gesprochen. Die angeklagte Körperverletzung gab es nach Ansicht des Gerichts gar nicht.

Nach dem Verfahren in Kitzingen stand für (fast) alle Beteiligten fest: Das vermeintliche Opfer hat den schmerzhaften Schlag in die Rippen offenbar erfunden, um krank feiern zu können. Dem angeblichen Täter jedenfalls war nichts nachzuweisen. Er verließ das Gericht mit einem Freispruch.

Nachdem das 62-jährige vermeintliche Opfer den Angriff während eines Ladevorgangs auf dem Gelände eines Logistikunternehmens angezeigt hatte, war gegen den 54-jährigen angeblichen Täter ein Strafbefehl erlassen worden. Der legte Einspruch ein. Die Sache kam vor Gericht. Dort betonte der Mann von Anfang an: "Es war nichts."

Vermeintliches Opfer wirkte wenig glaubwürdig

Damit kam alles auf das vermeintliche Opfer an. Der Mann bestand darauf: Nach einem Streit um Verzögerungen an der Laderampe habe ihn der Kollege von hinten angegriffen und in die Rippen geschlagen. Schmerzen und Arbeitsausfall waren die Folgen.

Richterin Patricia Finkenberger, die den 62-jährigen Mann in einem ähnlichen Verfahren schon einmal als eher schwierigen Zeugen erlebt hatte, wollte es genau wissen. Und nach und nach kamen immer mehr Widersprüche zutage. Die Aussagen des Mannes bei der Polizei und jetzt vor Gericht gingen weit auseinander. So weit, dass die Staatsanwältin sich genötigt sah, den Mann dringend auf seine Wahrheitspflicht hinzuweisen. Der blieb dennoch bei seiner Aussage.

Der Auftritt des Chefs des Lkw-Fahrers als Zeuge verstärkte die Zweifel an der Version des 62-Jährigen. Der beschrieb seinen inzwischen wegen Arbeitsverweigerung entlassenen Mitarbeiter als schwierig. Der Mann habe offenichtlich ein Alkoholproblem. Er habe mehrmals kurzfristige Einsätze am Mittag abgelehnt, weil er etwas getrunken habe. Dem Gericht hatte der Mann allerdings erzählt: "Ich trinke keinen Alkohol, höchstens mal ein Bier." Zu dem Vorfall selbst sagte der Chef: "Aus dem Bauchgefühl glaube ich: Die Sache stimmt nicht." Der Mann habe die Geschichte vermutlich erfunden, um krank machen zu können.

Das war der Eindruck, den am Ende – bis auf das vermeintliche Opfer – alle im Gerichtssaal teilten. "Das passt alles nicht zusammen", resümierte die Staatsanwältin am Ende. Sie beantrage so gut wie nie Freispruch, sagte sie, sehe aber keine andere Möglichkeit. "Ich bin selten einer Meinung mit der Staatsanwaltschaft", sagte der Verteidiger, schloss sich aber diesem Antrag an. Eine Minute später sprach Finkenberger ihr Urteil: Freispruch.