„Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ – diesem Vorwurf sieht sich Matthias Mölter, der Betreiber des Freizeit-Landes Geiselwind (Lkr. Kitzingen), ausgesetzt. Vor dem Kitzinger Strafrichter wurde der Fall am Dienstagnachmittag aufgerollt, allerdings ohne ein Ende zu finden. In einer Fortsetzungsverhandlung am 12. Oktober sollen weitere Zeugen gehört werden.

Die Geschichte hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt, entsprechend groß war das Medieninteresse im Kitzinger Amtsgericht. Wie berichtet, war im Frühjahr 2017 auf dem 400 000 Quadratmeter großen Spaßpark ein Gruselhaus unter dem Namen „Dr. Lehmanns Horror-Lazarett“ als weitere Attraktion von dem neuen Besitzer aufgebaut worden. Ein paar Monate später – im August – war eine 13-Jährige aus dem oberfränkischen Landkreis Lichtenfels auf Ministrantenausflug in dem Park. Als das Mädchen vor dem Horrorhaus den Grabstein ihres 1996 verstorbenen Opas sah, traute sie ihren Augen nicht. „Erschrocken, traurig und wütend“ sei sie deshalb gewesen, erzählt sie bei ihrer Zeugenvernehmung dem Kitzinger Strafrichter Peter Weiß.

Die Witwe des Toten hatte nach der Grabauflösung den Gedenkstein zur Entsorgung an einen Steinmetz, den Onkel des Parkbetreibers, übergeben. Dieser verkaufte den Stein sowie sieben weitere an den Freizeitpark. Dort landeten die echten Grabsteine als gruselige Dekoration vor dem „Horrorhaus“.

Erboste Witwe

Das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen, nachdem die erboste Witwe Anzeige erstattet hatte, mündete hinter den Kulissen in einen Strafbefehl: 4000 Euro sollten an eine gemeinnützige Organisation gehen, 1000 Euro hätte die Familie der 13-Jährigen bekommen sollen, so das Angebot der Staatsanwaltschaft. Was allerdings der Parkbetreiber nicht wollte: Dass die Familie derart in die Öffentlichkeit gegangen war, hatte Matthias Mölter mal so richtig sauer gemacht und er war nicht bereit, dieses Verhalten finanziell – sagen wir mal: zu belohnen.

Während der Verhandlung zeigte sich allerdings: Die Grabstein-Geschichte war eher durch Zufall in die Öffentlichkeit geraten. Und: An den von der Staatsanwaltschaft ins Auge gefassten 1000 Euro hatte die betroffene Familie gar kein Interesse.

Einigung greifbar

Damit war eine Einigung greifbar nahe: Die inzwischen im Raum stehenden 5000 Euro gehen an eine gemeinnützige Organisation und das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Angeklagten kann ohne ein Urteil eingestellt werden. Wenn nicht plötzlich die Moral-Frage aufgetaucht wäre: Wie sich bei der Verhandlung herausstellte, befinden sich immer noch echte Grabsteine vor dem Horrorhaus. Die meisten davon sind inzwischen ohne Schrift. Drei Steine allerdings sind weiterhin mit Namen und Daten versehen – weil das die Angehörigen ausdrücklich so wollten, wie der Verteidiger ausführte.

Das wiederum brachte den Staatsanwalt auf die Palme: Eine mögliche Verfahrenseinstellung machte er davon abhängig, dass vor dem Horrorhaus keine Grabsteine mehr mit Inschrift stehen dürften. Echte Grabsteine mit allen dazugehörigen Daten seien an dieser Stelle „geschmacklos“ und würden „jegliche Grenze des Anstandes überschreiten“.

Steine nur Deko?

Die Verteidigung blieb dabei: Die Steine sind einfach nur Deko. Und es sei der ausdrückliche Wunsch der Angehörigen, dass die Steine genau dort stehen bleiben, wo sie jetzt stehen. Damit hatte es sich denn auch mit der möglichen Einigung – es wird ein Urteil geben. Vorher aber will das Gericht noch weitere Zeugen – zum Beispiel den Steinmetz – hören. Dann soll geklärt werden, ob dem Freizeitland-Betreiber im Frühjahr 2017 klar war, dass das Aufstellen alter Grabsteine, die eigentlich entsorgt gehört hätten, zu Problemen führen kann.