„Wie die Zeit vergeht.“ So reagierte Kitzingens Alt-Oberbürgermeister Rudolf Schardt auf die Frage, ob seine Feier zum 90. Geburtstag in der Zeitung angekündigt werden darf. Natürlich darf sie. Alles andere wäre beim Kitzinger „OB zum Anfassen“ auch ungewöhnlich gewesen.

Jeder darf kommen

Also, das Wichtigste zuerst. Alle, die dem Mann gratulieren wollen, der 24 Jahre an der Spitze der Stadt stand, können das tun. Alle sind eingeladen, an diesem Dienstag, 5. September, ab 11 Uhr ins SV-Heim in Hoheim. Die Besucher werden auf einen 90-Jährigen treffen, der einigermaßen fit ist – bis auf eine leichte schmerzhaften Zerrung, die er sich – man darf es gar nicht sagen – beim Katzenfüttern geholt hat.

Ansonsten wartet ein gut gelaunter Gastgeber, der nach wie vor in seinem Haus in Hoheim lebt und mit sich und seinem Leben zufrieden scheint. Er freut sich darauf, die beiden Urenkel vorzustellen. Die gab es beim Empfang zum 85. Geburtstag vor fünf Jahren noch nicht.

24 Jahre lang Oberbürgermeister

Auch wenn Rudolf Schardt seit Anfang der 90er Jahre aus dem Geschäft ist, den „Sherry“, wie ihn viele nennen und seine Geschichte kennen die Kitzinger. Immerhin hat er 24 Jahre lang, 1967 bis 1991 die Entwicklung der Stadt geprägt. Und auch nach seiner Zeit als OB, hat der altgediente Sozialdemokrat im Kreistag als Schulreferent oder beim Förderverein des Krankenhauses mitgemischt. Erst mit 80 hat er sich endgültig aus der Politik verabschiedet und trat 2007 nicht mehr zur Kreistagswahl an.

Die Karriere Schardts ist oft beschrieben worden. 1991 hat er sich zurückgezogen. Bevor Schardt, dem der Stadtrat den Titel Alt-Oberbürgermeister verliehen hat, mit 64 Jahren aufhörte, war er lange die Nummer eins im Rathaus. 1967 auf Anhieb im ersten Wahlgang gewählt, gaben ihm die Kitzinger noch dreimal das Vertrauen – einmal sogar mit fast 100 Prozent der Stimmen.

Zum Anfassen

Wer Schardt als OB erlebt hat, erinnert sich an einen Oberbürgermeister zum Anfassen. Sein Zugehen auf die Leute kam bei den Kitzingern an und war ein Grund dafür, dass Schardt immer wieder im Amt bestätigt wurde.

In der Stadtpolitik hat Schardt viele Weichen gestellt, auch ohne eigene SPD-Mehrheit, auch wenn er nicht alles umsetzen konnte. Auch darüber wird man sich bei der Feier unterhalten können.

Alt-Oberbürgermeister Rudolf Schardt wurde am 5. September 1927 in Kitzingen geboren. Zwei Jahre später zogen die Schardts nach Würzburg, wo die Familie ausgebombt wurde. 1944 kam Schardt als Flakhelfer zur Wehrmacht. 1945 wurde er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen. 1947 machte er Abitur, studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwalt. 1955 heiratete er seine inzwischen verstorbene Frau Lieselotte. Im gleichen Jahr wurde die Tochter geboren. Schardt hat vier Enkel und zwei Urenkel. 1957 trat er in die SPD ein. 1958 begann Schardt als Rechts-Assessor bei der Stadt. 1967 kandidierte der SPD-Mann für das Amt des Oberbürgermeisters und wurde im ersten Durchgang gewählt. Bis 1991 blieb Schardt OB.