Laden...
GNODSTADT

Als in Gnodstadt der Volkszorn kochte

2018 feierten einige Orte im Landkreis ihre Eingemeindung oder die Gründung von Verwaltungsgemeinschaften. In Gnodstadt war seinerzeit der Unmut allerdings groß.
Artikel drucken Artikel einbetten
„Denen werden wir es zeigen“: So verkündete es die Gestik der Gnodstädter, bevor sie im Jahr 1976 zum Protestmarsch nach Würzburg aufbrachen. Foto: Foto: Sammlung Manfred Krauß
+3 Bilder

2018 feierten einige Orte im Landkreis ihre Eingemeindung oder die Gründung von Verwaltungsgemeinschaften. Anlass war die Gebietsreform vor 40 Jahren. Für die Gnodstädter war die Eingemeindung nach Marktbreit damals kein Grund zum Feiern. Unter ihrem ehemaligen Bürgermeister Josef Holubar empfanden die den Anschluss als Zwangsverheiratung. 40 Jahre später sehen das die Verantwortlichen mit Vizebürgermeister Herbert Biebelriether völlig anders. „Uns hätte kommunalpolitisch nichts Besseres passieren können“, sagt der.

Die Gnodstädter waren schon immer unfreiwillige Grenzgänger, gehörten sie doch bis ins Jahr 1853 nach Mittelfranken in den Herrschaftsbereich der Ansbacher Markgrafen. Kirchlich gehören sie heute noch zum Dekanat Uffenheim und selbst der Gesangverein ist im Sängerbund Uffenheim zuhause.

Viele Veränderungen

Doch im 20. Jahrhundert änderte sich manches. Die Landwirte wechselten zum Maschinenring Ochsenfurt. Die Bank ging erst eine Ehe mit der Raiffeisenbank Ochsenfurt ein, die später in der Volksbank-Raiffeisenbank Würzburg aufging.

Der Ort mit seinen rund 700 Einwohnern verlor im Zuge der Gebietsreform 1972 seine Eigenständigkeit und wurde dem Landkreis Ochsenfurt zugeschlagen. Als die Gnodstädter einige Jahre später spitz kriegten, dass sie vom Altlandkreis Ochsenfurt in den Landkreis Kitzingen verlagert werden sollten, gingen sie auf die Barrikaden.

„Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie“, schimpfte der 2015 verstorbene Josef Holubar darüber, wie die Verantwortlichen von den Landratsämtern bis zum Innenministerium in München mit den Gnodstädtern umgingen. „Das war damals ein abgekartetes Spiel der beteiligten Landräte“, sind sich Gemeindearchivar Manfred Krauß und sein Stellvertreter Karl Schmidt heute noch einig. Die Mittelfranken bekamen mit Wirkung zum Jahresbeginn 1978 Bullenheim nach sechs Jahren wieder aus Unterfranken zurück und Kitzingen bekam im Gegenzug Gnodstadt.

Mehr Hektar als die „Hauptstadt“

Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Gnodstädter mit 1221 Hektar eine weit größere Gemarkung einbrachten als die „Hauptstadt“ Marktbreit mit 799 Hektar. Die Gnodstädter stimmten damals mit 80 Prozent für einen Verbleib in Ochsenfurt und im Landkreis Würzburg, was die politischen Entscheider aber ignorierten. Das wiederum ließ die Gnodstädter Volksseele hoch kochen. Die Gnodstädter setzten sogar den Würzburger CSU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bötsch in einer Versammlung vor die Türe.

Protestzug

Auf dem Höhepunkt des Volkszorns formierten sie sich zu einem Protestzug mit mehreren hundert Bürgern und rund 60 Fahrzeugen, um mit eine anrüchigen Aktion ihrem Unmut Luft zu machen. Sie karrten eine Fuhre Mist vor das neue Regierungsgebäude in Würzburg, kippten sie aber nicht ab, weil der Regierungspräsident nicht im Haus war. Auch eine Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof half nichts, die rebellierenden Gnodstädter mussten sich 1978 den Marktbreiter unterordnen.

„Heute kann man sicher sagen, dass wir in Ochsenfurt nur einer unter vielen Ochsenfurter Stadtteilen geblieben wären, während wir jetzt einziger Stadtteil Marktbreits sind“, stellt Herbert Biebelriether fest. Zur Stadtratswahl 1978 habe Josef Holubar, der seiner vorherigen Partei CSU den Rücken gekehrt hatte, die beste Strategie für Gnodstadt gewählt und eine eigene Stadtteilliste aufgestellt. Auf Anhieb fühlten sich die Gnodstädter mit ihren Stadträten gut im Stadtrat vertreten und Josef Holubar habe zu Marktbreits Bürgermeister Karl Schubert ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. So hätten sich die Gnodstädter in Marktbreit immer besser aufgehoben und im Stadtrat immer mehr akzeptiert gefühlt.

Längst geläutert

Auch in der Amtszeit von Schuberts Nachfolger Walter Härtlein setzte sich das konstruktive Miteinander fort. „Wir arbeiten im Stolz für unseren Stadtteil, bringen uns aber auch für alle andere Themen in Marktbreit ein“, erklärt Manfred Krauß. „Uns verbindet heute eine hervorragende Zusammenarbeit mit Bürgermeister Erich Hegwein“, betont Biebelriether. Dass die Arbeit gewürdigt wird, zeigte sich von 2008 bis 2014, als die Gnodstädter Stadtteilliste mit fünf Ratsmitglieder im 16er-Stadtrat saßen.

Längst sind die Gnodstädter geläutert und haben wie Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzogen. „Heute sind wir froh über die kurzen Wege zum Landratsamt nach Kitzingen“, bemerkt Karl Schmidt. Und Manfred Krauß freut sich darüber, „dass unser Wort in Marktbreit Gehör findet“. In Erich Hegweins Amtszeit gesundete die Stadt finanziell und auch Gnodstadt blühte durch das Dorferneuerungs-Programm auf. Heute ist der Stadtteil ein schmuckes Dorf, das auf sich und die heute finanziell gesunde Stadt Marktbreit stolz sein kann.