In Nenzenheim ist er seit Jahrzehnten eine Allzweckwaffe und in der Musiklandschaft des Weinparadies Franken ein bunter Hund: Am 19. März wird Fritz Klein 80 Jahre alt. Und auch wenn er vor kurzem erst Witwer geworden ist und manche schwierige Stunde hat: Die Musik gibt ihm Kraft, er denkt noch nicht ans Aufhören.

Die Liste der musikalischen Aktivitäten von Fritz Klein liest sich stattlich: Seit 1957 ist er Mitglied im Posaunenchor Nenzenheim, den er seit 1995 auch leitet. Im Männergesangsverein der Weingemeinde trat er 1959 ein und ab 1982 auch ans Pult, wo er 2012 zum Ehrenchorleiter ernannt wurde. Unvergessen sind die Auftritte der Frauengesangsgruppe "Gartenlerchen", die zwischen 1980 bis 2008 zwitscherten. Allen voran ist Fritz Klein aber ein leidenschaftlicher Organist und seit mittlerweile 55 Jahren im regelmäßigen Dienst in Nenzenheim, wo er zwischen 1982 und 2006 auch Mitglied im Kirchenvorstand war, und den umliegenden Gemeinden. Die Markt Einersheimer Dekanatskantorin Marianne Schmidt rechnete im Dezember 2015 bei der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Iphofen vor, dass Klein mittlerweile zirka 4000 Gottesdienste, Trauungen, Beerdigungen oder andere kirchliche Feiern an der Orgel begleitet hatte. Mittlerweile sind noch einmal ein paar mehr dazu gekommen. "Ein Sonntag ohne Orgelspielen im Gottesdienst ist für mich kein richtiger", sagt Klein.

Keine Rente für den Vollblutmusiker

Hinter diesen ganzen Zahlen und Ämtern stehen aber natürlich wenigstens ebenso viele Begegnungen und Geschichten. Acht Pfarrer beziehungsweise deren Amtszeiten hat Fritz Klein seit seinem ersten Organisteneinsatz 1966 bereits "überlebt". Kleins Vater, ehemals Kirchenpfleger, hatte den Sohn ermutigt, seine beim Dorflehrer einst erworbenen Kenntnisse auf den Tasten nun auch auf die Orgel zu übertragen.

Generationen von Musikern bildete Klein mit aus, brachte ihnen Töne bei und ließ die Ensembles zum homogenen Klangkörper werden. An seiner Seite meist dabei auch seine Frau Lotte, die erst vor wenigen Wochen nach langer Krankheit verstarb. Dieser Verlust, und auch die coronabedingt ausgefallenen Proben und musikalischen Einsätze, die für Fritz Klein das Leben über ein halbes Jahrhundert so lebenswert machten, trübt die Freude über das 80. Wiegenfest, bei dem eben kein "großer Bahnhof" mit Freunden und Familie rund um ihn stattfinden kann. Doch Klein verzagt nicht: "Ein bisschen weiter machen will ich schon noch. Was sollte ich denn sonst tun?", meint er. Ein Vollblutmusiker kennt eben keine Rente.