Auf ihren Opa ist Verlass. Das weiß die zwölfjährige Tamara Riegel und hat sich genau deshalb ihn zum Schreiben ihrer Büttenrede ausgesucht. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Oma Franz Siemers hatte ihren Textbeitrag schon im Oktober fertig und so konnte die forsche Handballerin am Samstagabend beim Kappenabend des TSV Mainbernheim in der Mehrzweckhalle auf ganzer Linie überzeugen.

"Berna geht auf Europatour" war die Veranstaltung in diesem Jahr überschrieben. Tamara und ihre Handballkolleginnen starteten die Reise. "Ich bin nicht großartig aufgeregt", erzählte die junge Mainbernheimerin. Immerhin sei es auch schon ihr dritter Auftritt und so könne sie ein wenig auf ihre Erfahrung vertrauen. Nachdem ihr Opa sie zu ihrem Auftritt animiert hatte, hat sie Mitstreiterinnen in ihrer Handballmannschaft gesucht. "Im Team habe ich einfach mal gefragt, wer mitmachen würde", erinnerte sich Tamara. So kam es, dass alle sofort mit Begeisterung dabei waren. Seit Oktober wurde geübt. Und jetzt standen sie auf der Bühne.

Ihr Reiseabschnitt beschäftigte sich mit der aktuellen Lage. Tamara wies darauf hin, dass jeder, der ins Ausland in den Urlaub fahre, dort selbst Ausländer sei. Bei aller Lästerei über Ausländer gab sie zu beachten, dass sie zur Lebensgestaltung in Deutschland beitragen. "Die Anrede ,Ausländer' ist gemein, wir wollen lieber Europäer sein", stellte sie fest.


Vorbereitungen liefen seit Mittwoch



Schon am Mittwoch begann das Faschingsteam des TSV in der Mehrzweckhalle mit den Vorbereitungen. Schließlich sollte auch schon die Generalprobe mit dem von Heidi Strobach betreuten Programm rechtzeitig über die Bühne gehen können. Das Faschingsteam um TSV-Vergnügungswart Harald Mönch hat sich vor rund zehn Jahren zusammengefunden. Seither schmückt es regelmäßig und mit Begeisterung die Mehrzweckhalle. Bereits seit November kamen die Gestalter der Ausstattung regelmäßig an den Wochenenden zusammen und bereiteten die vielen Szenen, Bilder und Fahnen der europäischen Nationen vor.

Über die farbenfrohen Ausstattungsideen durften sich rund 300 Besucher freuen, für die etwa 50 Akteure auf der Bühne standen. Neben der Gastgarde aus Laudenbach tanzte die Garde der KiKaG einen historischen Tanzrückblick auf die Höhepunkte der letzten Jahre.

Mit lokalen Ereignissen beschäftigte sich Graf Dracula (Thomas Pfeiffer), der rechtzeitig zum Kirchplatzfest aus den Karpatentälern nach Norden anreiste und den sanierten Platz mit einem Stück Schrott geschmückt vorfand. Dabei wäre der Platz aufgrund seiner Vorgeschichte als Kirchhof für Vampire doch einfach perfekt gewesen. Der Vampir stellte außerdem fest, dass sich Berna auffallend intensiv um Friedhofsanlagen und weniger um die Jugend kümmere.

Moderator Franz Siemers legte nach und berichtete, er habe in Berna schon Blutsauger gesehen, die Autofahrer abkassieren. Unter Siemers' Reiseleitung reihte sich ein Glanzlicht ans andere. Die drei Tenöre (Norbert Ebner, Rüdiger Höhn und Ralf Mann) sorgten für tosenden Beifall, nicht minder die Handballdamen, die als irische Tänzerinnen über die Bühne steppten. Kaum wiederzuerkennen war ein Gastredner, der als Schulbub für Furore sorgte. Es war Burkhard Klein, der Nachbarbürgermeister aus Rödelsee. Der ersehnte Höhepunkt des Abends kam erst weit nach Mitternacht, als das Männerballett über die Bühne wirbelte. Wer glaubte, die Ballerina sei am Ende doch eine Frau, der irrte. Die Leichtbekleidete war doch tatsächlich Wolfgang Fröhler inmitten der Kollegen vom Männerballett.

Nach all dem Trubel ist Tamara am Abend sicher todmüde ins Bett gefallen. Dennoch ist sie sich sicher: Kommt im nächsten Jahr wieder ein Angebot vom Opa, ist sie auf jeden Fall wieder mit von der Partie.