Dauerregen, alles grau in grau. Es gibt eindeutig schönere Momente für ein Treffen auf dem neuen Rüdenhäuser Ortsmittelpunkt an der Kirche. Selbst das Wasserspiel – sonst ein Hingucker – wirkt da eher verloren. Man braucht also eine gute Portion Fantasie, um sich vorzustellen, wie schön es doch hier seit dem Jahr 2018 rund um die Kirchenscheune bei Sonnenschein ist.

Fantasie aufzubringen war für Gerhard Ackermann eher kein Problem. Er hatte schon immer die Vorstellung von einem runderneuerten Ort, der nicht nur den Paul-Gerhardt-Platz und den Kirchplatz erstrahlen lässt. Die Dorferneuerung bestimmt seit dem ersten Tag das Bürgermeister-Leben des 60-Jährigen. Und wenn es mit der Wiederwahl klappt, wird er in seiner dritten Amtsperiode auch den entsprechenden Schlusspunkt setzen. Klar, dass es da trotz des miesen Wetters für dieses Porträt zur Kommunalwahl am 15. März nur einen Treffpunkt geben kann.

Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, als würde der Gas- und Wasserinstallateurmeister einmal die Geschicke des Ortes lenken und seine Heimatgemeinde zu neuem Glanz verhelfen können. Das Engagement war zwar schon immer da, allein der Einzug ins Rathaus schien geradezu verwehrt: Zweimal wollte er sich in den Gemeinderat wählen lassen, zweimal sollte es nicht sein.

18 Jahre Feuerwehrkommandant

Im Jahr 2002 hatte sich Ackermann mit einem Sanitär- und Heizungsbetrieb selbstständig gemacht, den er als Zweimann-Unternehmen zusammen mit seinem Sohn betreibt. Daneben nahm das Dorfleben bei ihm schon immer breiten Raum ein: Er ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele, 18 Jahre war er Kommandant, danach Ehrenkommandant. Zudem ist er seit Kindesbeinen dort, wo die Musik spielt: bei den Wengertsmusikanten ebenso wie im Posaunenchor als Tuba-Bläser – und im Singverein sowieso.

2008 dann, mit 48 Jahren, wurden die Weichen nochmals neu gestellt. Die beiden vergeblichen Anläufe waren vergessen. Der Handwerksmeister trat ein drittes Mal an, diesmal als Bürgermeisterkandidat. Das erste, was ihm nach seinem Sieg im neuen Amt in die Hände fiel, waren die Dorferneuerungspläne. Planen, planen, planen – das sollte ab jetzt zur Hauptbeschäftigung werden. 2009 folgte der Startschuss für ein Mammut-Projekt, das erst im Jahr 2022 abgeschlossen sein wird.

Die Früchte der Arbeit

Die Früchte dieser Arbeit sind – auch im Regen – deutlich zu sehen. Der neue Dorfplatz samt eines Wasserlaufes erinnert daran, wie es einmal war: Ackermann hatte als Kind noch in dem ursprünglichen Bächlein gespielt. Vieles ist in den vergangenen Jahren passiert, im Altort wurden beispielsweise die Wasserleitungen einmal komplett ausgetauscht. Die eine oder andere Straße wird gerade noch hergerichtet, ehe das Werk dann in drei Jahren vollbracht sein wird.

Hier vom ersten bis zum letzten Moment dabei zu sein – das treibt den 60-Jährigen um. Als es darum ging, eine dritte Periode anzustreben, bekam er von der Familie freie Hand. Dafür nimmt er in Kauf, dass es ohne straffen Zeitplan eigentlich nie geht. Wochenenden gibt es im eigentlichen Sinne nicht, die Zeit für seine musikalischen Ambitionen und der eine oder andere Fahrradausflug müssen erkämpft werden. Zwei Wochen Urlaub im Jahr sind denn auch das höchste der Gefühle.

Keine klassische Parteipolitik

Trotzdem überwiegt die Genugtuung: "Die Arbeit macht mir Spaß", betont Ackermann, auch wenn just in dem Moment erneut das umgeleitete Büro-Telefon das Handy klingeln lässt. Der Spaß könnte auch damit zusammenhängen, dass die klassische Parteipolitik in Rüdenhausen verbannt wurde. Seit 2014 wählen die Rüdenhäuser ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit.

"Die Arbeit macht mir Spaß."
Gerhard Ackerkann strebt eine dritte Amtszeit als Bürgermeister in Rüdenhausen an

In dem gut 820 Einwohner zählenden Ort gibt es nur noch eine politisch unabhängige Gruppierung mit der Rüdenhäuser Liste. Der Vorteil: Der mitunter lästige Fraktionszwang spielt keine Rolle. Ein funktionierender Gemeinderat in dem keine Spielchen gespielt werden und sich alle der Sache verpflichtet fühlen – das erleichtert die Arbeit gerade bei Großprojekten erheblich. Da lässt sich auch eine dritte Amtsperiode trotz eines streng getakteten Zeitplans gut aushalten. 

Gerhard Ackermann
Alter: 60
Partei: Freie Wähler
Wohnort: Rüdenhausen
Beruf: Gas- und Wasserinstallateurmeister
Ehrenämter: Bürgermeister, Kirchenvorstandsmitglied, Vorstandsmitglied der Innung, Ehrenkommandant der Feuerwehr
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Hobbies: Musik spielen bei den Wengertsmusikanten und im Posaunenchor, Singen im Singverein Rüdenhausen, Radfahren

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