Wirtshaussingen ist „in“. Achim Zepter aus Mainbernheim hat diesen Trend erkannt. Der 48-Jährige, der seit Jahrzehnten im evangelischen Posaunenchor in Mainbernheim Trompete spielt, hat sich auf seine „alten Tage“ auf ein neues Hobby – Gitarre spielen und Singen – gestürzt.

Er stellt in Fußgängerzonen oder Wirtschaften seinen Hocker hin, singt und spielt volkstümliche Weisen und Gassenhauer, deutsche Schlager oder auch englischsprachige Lagerfeuer-Klassiker. Mal alleine, am liebsten aber mit vielen Mitsängern. Für die gibt es jetzt das „Bernamer Wirtshausliederbuch“.

Exakt 166 Stücke umfasst die Sammlung, die Achim Zepter in den vergangenen Monaten zusammengestellt hat und die eine Mainbernheimer Gemeinschaftsproduktion ist: 50 Exemplare wurden gedruckt, die Stadt hat das Papier, Angler Computer den Drucker und den Toner gestellt, in der Druckerei Hügelschäffer setzte Zepter die Seiten zusammen. Das Cover stammt von der Mainbernheimer Künstlerin Gabriele Schaller-Grötsch und zeigt einen Gitarre spielenden Bären.

Die Texte von Traditionals wie „Im Märzen der Bauer“ oder Oldies wie „So schön war die Zeit“ wurden über Generationen weiter gegeben. Viele Texte hatte Zepter bereits von befreundeten Wirtshaussängern aus Bergrheinfeld erhalten. Über die Hälfte der Stücke im Wirtshausliederbuch sind solche Melodien, die einfach jeder kennt. Erst im hinteren Teil sind dann auch solche Lieder zu finden, die viele noch vom Jugendzeltlager oder aus dem Radio kennen: Von „Weine nicht, kleine Eva“ bis zu „Country Roads“ ist alles dabei, was möglichst viele Leute mitsingen können.

„Am liebsten spiele ich mit Menschen ab 50 aufwärts. Die kennen die alten Lieder und freuen sich, zusammen zu kommen und gemeinsam zu singen“, erklärt der kaufmännische Angestellte. Vorwiegend an den Wochenenden zieht Zepter spontan los, klopft an einem Gasthaus an und fragt, ob er singen darf. Oder er begleitet offiziell angekündigte Wirtshaussingen. Dann werden Bücher ausgeteilt, gespielt wird auf Zuruf, erlaubt ist, was gefällt.

Wirtshaussingen sei immer mehr im Kommen, beobachtet Reinhard Hüßner schon seit Jahren. Der Leiter des Mönchsondheimer Kirchenburgmuseums freut sich jetzt schon wieder auf den unterfränkischen Volksmusiktag am Sonntag, 12. Juni, wenn im Kräutergarten die Besucher zum gemeinsamen Singen zusammen kommen – begleitet von einem Akkordeonspieler. „Selber machen, nicht einfach berieseln lassen, das ist hier angesagt“, sagt Hüßner. Bereits vor 20 Jahren habe er schon mal eine Veranstaltung in dieser Art organisiert, damals noch mit verhaltenem Zuspruch. Seit wenigen Jahren aber würden sich die Menschen immer mehr auf das gemeinschaftliche Singen alter Lieder besinnen – ungezwungen, ungeübt, spontan und ursprünglich. Wenn es dazu noch etwas zu essen und zu trinken gibt, dann seien diese „Events“ meist gut besucht.

Ankündigungen von Wirtshaussingen liest man immer öfter, teils tun sich ganze Gruppen zusammen und reisen mit Bussen zu den Veranstaltungen. Sicher auch wieder zum „Singen unter der Linde“ am Nenzenheimer Marktplatz, wo am Samstag, 28. Mai, ab 18 Uhr die Menschen zusammen kommen. Die Landfrauen organisieren zum wiederholten Mal eine solche Feier, zu der sich vor allem die älteren Semester auf den Weg machen. Hier sieht Zepter den Schlüssel zum Erfolgskonzept Wirtshaussingen: „Es kommen zumeist Leute, die sonst nicht mehr viel weg gehen und die bei diesem Singen ein Gemeinschaftsgefühl erleben, wie sie dies bei anderen Festen nicht geboten bekommen.“