Politik und Starkbier, geht das? "Ja. Und es funktioniert, da es Tradition hat" meinte der Dettelbacher CSU-Vorsitzende Marcel Hannweber. Im vollen Saal des Historischen Rathaus präsentierte er Alex Dorow als Hauptredner. Der Landtagsabgeordnete war vor seiner politischen Laufbahn lange Journalist und Moderator beim Bayerischen Rundfunk.

Sein provozierendes Thema war die Frage, ob die Medien als 4. Gewalt im Staat angesehen werden können. Eine grundsätzliche Frage war für ihn: "Ist ein Bericht Meinungsmache?" und "Wie weit geht politische Meinungsmache?" Dorow hatte einige Beispiele parat, bei denen Politik seiner Meinung nach nicht neutral betrachtet wurde. Dennoch war er, "der vor Jahren die Fronten gewechselt hatte", bemüht, die Medien keinesfalls zu verteufeln. Ein Kernpunkt aller Probleme zwischen Politik und Presse ist seiner Meinung nach, "dass es Politiker gibt, die gerne entscheiden würden, was die Presse schreiben soll, und dass es Journalisten gibt, die gerne Politiker sein würden."

Hohes Gut der Pressefreiheit

Ein hohes Gut ist für den Politiker die Pressefreiheit, die es nicht überall gibt. Warnend gibt der Abgeordnete Beispiele aus Russland, Afrika und aktuell eine neue Art der Beeinflussungsversuche in den USA. "Gefährlich wird es jetzt im Internet", so Dorow. Heute kann jeder auf vielen Seiten der sozialen Medien ungefiltert seine Meinung kundtun. Schlimm sind die "Fake News", in denen Halb- und Unwahrheiten ungeprüft nachzulesen sind. Am Ende seines Vortrages hatte Alex Dorow einen salomonischen Satz parat:" Die Politik braucht die Presse – und umgekehrt!"

Anschließend entwickelte sich unter den Gästen und den Politikern eine lebhafte Diskussion, die von Barbara Becker und Marcel Hannweber moderiert wurde. Lothar Volz, langjähriger stellvertretender Landrat und Kommunalpolitiker ließ als Landwirt seinen Frust ab: "Immer werden wir Bauern in der Presse beschimpft. Für alles Schädliche sollen wir verantwortlich sein!" Volz erzählte von Berichten, wonach "die Bauern Plastikmüll auf ihre Felder streuen würden" und stellte fest: "Das ist doch Unsinn. Was können wir dafür, wenn Gärtner auch Plastik in ihre Biotonne geben, die dann in einem Kompostierwerk entleert wird!"

Europa unter Beschuss

Danach stand der CSU-Europakandidat Christian Staat "unter Beschuss", der sich zu vielen Vorwürfen an Brüssel rechtfertigen musste. Seine Meinung war, dass sich der "Brexit" nicht mehr aufhalten lasse, aber das restliche Europa Zukunft habe. Altbürgermeister Reinhold Kuhn wurden dann die ablehnenden Diskussionen zu viel: "Wir reden hier darüber, was Europa so alles verbrochen haben soll. Aber wir sprechen nicht davon, dass wir seit Generationen keinen Krieg mehr erlebt haben. Und das ist ein Hauptargument für ein Vereintes Europa!"