"Was, sind denn schon wieder 100 Tage vorbei?", entfuhr es Albertshofens Bürgermeister. Die Antwort lieferte er gleich mit: "Die Zeit verrent wie nichts". Dass Teile seines Ratsgremiums zuletzt auf mehr Ratssitzungen pochten und einige Themen auf der Agenda stehen, hält das seit 2008 amtierende Ortsoberhaupt auf Trab. "Die Nachwehen der Kommunalwahl sind immer noch zu spüren", sagt der CSU-Mann, der weiterhin Spaß an seiner Arbeit hat.

Weniger Spaß ist im Spiel bei seiner Funktion als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG)  Kitzingen. Denn seit dem Wechsel in der Position des Geschäftsführenden Beamten rumort es in der VG. Zudem bereiten Reuther Personalprobleme Sorgen, in der nahen Vergangenheit litt das VG-Personal unter einer relativ hohen Fluktuation.

Um den Stress zu reduzieren hat der Bürgermeister und Gärtnermeister für sich die einschneidende Entscheidung getroffen, ab diesem Monat nicht mehr je einmal pro Woche in Sommerach, Höchberg und Waldbüttelbrunn Gemüse und Salate als Direktvermarkter an seinem Marktstand zu verkaufen und seine Gärtnerei aufzugeben. Die Tätigkeiten als Bürgermeister und VG-Vorsitzenden fordern Horst Reuther - jetzt konzentriert er sich komplett darauf.

Neuer Rathaus-Innenhof

Das größte aktuelle Projekt ist die Umgestaltung des Rathaus-Innenhofs mit dem Abriss des angrenzenden Gemeinde-Mietshauses und dem Anwesen Reuß. Nach dem Rückbau soll als Projekt der punktuellen Dorferneuerung auf rund 800 Quadratmetern ein neuer Dorfplatz entstehen. Der Dorfplatz soll ein Treffpunkt für die Bürger werden, Bäume sollen Schatten spenden und Ruhebänke postiert werden sowie im Randbereich Parkmöglichkeiten errichtet werden.

Noch wichtiger für die Zukunft der Gärtnergemeinde ist das vorgesehene Baugebiet im Areal Steinbühl/Ahornweg mit einer Fläche von zwei Hektar. Damit könnte die Gemeinde zwei Fliegen in einer Klappe schlagen, denn erstens werden dringend Bauplätze gebraucht und zweitens könnte dort ein Projekt Betreutes Wohnen realisiert werden. "Wir sind mit mehreren Anbietern im Gespräch", erklärt Horst Reuther. Die Gemeinde favorisiert eine Kombination als Betreutes Wohnen, Pflegeheim und Tagespflege, wofür 5000 bis 10000 Quadratmeter benötigt werden.

Neben dem Projekt Betreutes Wohnen hofft die Gemeinde in dem Areal noch einige Bauplätze verwirklichen zu können. Die finanziert auch mehr als die Hälfte der Baukosten von 800 000 Euro zum Anbau einer Kinderkrippengruppe im Kindergarten durch die federführende Kirchengemeinde.

Gute Finanzlage der Gemeinde

Die Beschaffung eines neuen Löschfahrzeugs HLF 10  und der Abschluss der Gartenlandhalle-Generalsanierung stehen noch ins Haus. Daneben will die Gemeinde noch 100 000 Euro für die Sanierung der Friedrich-Hiller-Straße und dem Flurweg vom Aussichtspunkt oberhalb der Weinberge bis zur Autobahn aufwenden und auch die Sanierung des gemeindlichen Mietshauses in der Waldstraße 23 wird angepackt.

Auch wenn im  aktuellen Haushalt wegen der Corona-Pandemie mit 175 000 Euro nur die Hälfte an Gewerbesteuereinnahmen eingestellt ist, ändert das nichts an der guten Finanzlage der Gemeinde, die heuer eine Million Euro in den Sparstrumpf stecken kann. Mit nur 335 Euro Pro-Kopf-Verschuldung steht die Gemeinde so gut da wie seit Jahrzehnten nicht mehr und Horst Reuther sieht sich in seiner Arbeit bestätigt.

"Wir arbeiten als Albertshöfer für unsere Albertshöfer, Einwohnerzuwächse sind nicht unser Ziel", sagt Horst Reuther. Er stellt sich beim Blick in die Zukunft vor, dass die Stadt Kitzingen noch den Ausbau der Albertshöfer Umgehungsstraße bis zur Staatsstraße Richtung Hörblach saniert, denn der Straßenzustand ist für ihn kaum zumutbar.