Eine Geldstrafe und der Entzug der Fahrerlaubnis für acht Monate standen in einem Strafbefehl. Eine Frau hatte bei einem Parkrempler einen Schaden von fast 4000 Euro verursacht und war weitergefahren.  Der Einspruch gegen den Strafbefehl hat sich gelohnt. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

Das ist allerdings eher die Ausnahme, wenn es um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort geht.  Normalerweise wird es teuer, wenn ein Autofahrer sich aus dem Staub macht und der andere auf seinem Schaden sitzen bleibt. Ab einer bestimmten Schadenssumme ist dann normalerweise auch der Führerschein weg. Manchmal gibt es aber Umstände, die selbst Staatsanwälte milde stimmen können.

Im konkreten Fall war klar: Eine Fau hat beim Ausparken mit ihrem VW-Bus auf dem Kitzinger Aldi-Parkplatz in der Marktbreiter Straße ein anderes Auto berührt und ist weitergefahren. Der Fahrer im gerammten Auto hat ein Krachen gehört: "Dann hat das Auto gezittert."  Ein Nachbar hat von seinem Büro aus den Parkplatz beobachtet und festgestell: "Die Autos haben sich geschüttelt."

Schlimme Krämpfe

Von dem will die Fahrerin aber nichts bemerkt haben. Sie hatte ganz andere Probleme. Weil die Frau auf der Anklagebank sichtlich mitgenommen war, übernahm ihre Anwältin die Aussagen für ihre "aufgelöste Mandantin". Danach hat die Frau auf dem Aldi-Parkplatz plötzlich massive Krämpfe im Magen-Darm-Bereich bekommen. "Ein ganz schlimmer Durchfall kündigte sich an", so die Anwältin. Es gab nur ein Ziel: Ein Klo.  Also fuhr sie zum E-Center, wo es eine Kundentoilette  gibt und wurde den unerträglichen Druck los. Dann ging es zurück zum Einkaufen und anschließend nach Hause.

Irgendwann auf der Fahrt hin und her muss der Unfall passiert sein. "Sie hat weder etwas gesehen noch gehört oder sonst was bemerkt", sagte die Anwältin. Erst am Tag danach, als im Onlinepotal einer Zeitung etwas von einer Fahrerflucht stand, wurde sei stutzig. Weil der Zeitpunkt passte, kontrollierte sie ihren Bus und fand  Abriebspuren.

Ganz besondere Umstände

Sie informierte die Polizei, ging auf den Geschädigten zu und kümmerte sich um die Schadensregulierung. "Es ist alles erledigt", sagte der Besitzer des beschädigten Autos in der Verhandlung. Das Verfahren lief dennoch an und mündete in dem Strafbefehl, dem Einspruch und der Verhandlung. Dort wurde schnell klar, dass besondere Umstände eine Rolle spielten, beim Unfall und dem Verhalten danach. Da war die Magen-Darm-Attacke, die für das Nichtbemerken des Unfalls stehen könnte. "Der Blick verengt sich auf das nächste Klo", stellte eine verständnisvolle Richterin Patricia Finkenberger fest.

Auch das Verhalten danach, sprach für die Frau. "Es wäre ein leichtes gewesen, die Spuren zu beseitigen und die Tat völlständig zu verschleiern", sagte Finkenberger und schlug die Einstellung des Verfahrens vor. Die Staatsanwältin sah das ähnlich. "Das ist nicht die typische Unfallflucht", sagte sie und stimmte der Einstellung zu.

Danach gab es ein spürbares Aufatmen bei einer Frau, der man trotz Mund-Nasen-Schutz ansah, wie sehr sie die Geschichte belastet hat. Ganz hinter sich hat sie die Sache noch nicht. Wie die Versicherung reagiert, ob die den Schaden übernimmt, ist offen. Immerhin hat das Gericht die "ganz besonderen Umstände" schriftlich festgehalten, zumindest die nach dem Unfall.