Das neue Alarmierungssystem und die zunehmende Bürokratie, die den Ehrenamtlichen aufgebürdet wird, sorgen für Ärger bei den Feuerwehren. Das wurde in der Hauptversammlung in Kitzingen deutlich, wo es massive Kritik gab.

Kommandant Markus Ungerer machte das Problem am Beispiel des Berichtsystems deutlich. Das verpflichtet die Wehren, Einsatzmeldungen online zu stellen. „Bei der Kitzinger Wehr sind das zwischen 50 und 70 zusätzliche Arbeitsstunden, nur um ein Datensystem zu füttern“, sagte Ungerer. Es komme vor, dass ein Einsatz, der in zehn Minuten abgearbeitet sei, 20 Minuten Zeit für die Eingabe erfordert, so der Kommandant. Er nannte das System einen Freizeitfresser, der mit der Arbeit Freiwilliger nichts zu tun habe.

Ungerer ging auch auf die Vor- und Nachteile des neuen Alarmierungssystems ein. Das alarmiere die Wehren „bedarfsorientiert“, sprich je nach Ausrüstung oder der Nähe zum Einsatzort. Wer alarmiert wird, entscheide ein Computer. Das führe immer wieder zu Ärger. So werde, weil eine Wärmebildkamera benötigt werde, Vollalarm ausgelöst und 30 bis 40 Leute nachts aus den Betten geholt, die kurze Zeit danach unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren können.

Ungerer traf mit dem Thema den Nerv der Aktiven. Bei denen hat sich Frust über das neue System breit gemacht. Das führte dazu, dass der langjährige Jugendwart Matthias Scherer am Samstag sein Amt niederlegte und auf breite Zustimmung stieß. Kreisbrandrat Roland Eckert berichtete, dass man daran arbeite, einiges zu verbessern. „Wir müssen damit leben, ob es uns passt oder nicht“, so Eckert, der aber Verständnis für Scherers Frust zeigte.

Viel Zeit sei 2014 wieder in die Brandschutzerziehung an Kindergärten und Schulen investiert worden. Diese Aufgabe hat Diakon Holger Dubowy-Schleyer übernommen. Der berichtete von 116 Stunden Arbeit und erklärte, dass er das nicht mehr allein schaffe. Ehrenkommandant Rudolf Stöckinger bot an, ihm dabei zu helfen.

Dubowy-Schleyer, der auch Notfallseelsorger ist, berichtete von 64 Einsätzen landkreisweit und 22 in Kitzingen. Er berichtete von sozialen Dramen, Suiziden und Toten, die tagelang in Wohnungen liegen. Er stellte fest: „Kitzingen hat ein Alkohol- und Drogenproblem und jede Menge so genannter Multi-Problem-Familien.“ Daneben spielten Depressionen eine immer größere Rolle.

Die Wanderskulptur des Stadtbrandmeisters für die zuverlässigste Übungsteilnahme ging in der Kategorie Jugend an Fabian Rügamer, in der Kategorie Gruppe/Mannschaft an Dominik Stengel und in der Kategorie Ausbilder/Gruppenführer an Thoma Schroll. Die Urkunden überreichte der stellvertretende Kommandant Matthias Gernert.

Feuerwehrvereinsvorstand Car-sten Lieb berichtete von den gesellschaftlichen Veranstaltungen. Höhepunkte waren das 150-jährige Jubiläum und die Verleihung des Rumpel-Preises an die Wehr.

Die Kitzinger Feuerwehr

Die Mannschaft: Derzeit kann die Wehr auf 65 Aktive, darunter sieben Frauen und 13 Jugendliche zählen. 38 Freiwillige sind als Atemschutzgeräteträger ausgebildet.. Passive Mitglieder sind 21, Fördermitglieder 81 und Ehrenmitglieder acht registriert.

Die Einsätze: Im Jahr 2014 wurde die Kitzinger Feuerwehr 222 Mal gerufen. Davon waren 30 Brandeinsätze, 96 technische Hilfeleistungen, 14 Sicherheitswachen, 32 sonstige Einsätze, aber auch 50 Fehlalarme beispielsweise durch nicht funktionierende Brandmeldeanlagen.

Die Übungen: Um diesen Aufgaben gewachsen zu sein, fanden 24 Übungen und elf Gruppenführer und Ausbilderschulungen statt. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl lag bei 33.

Die Weiterbildung: Dazu kamen Lehrgänge und Fortbildungsmaßnahmen, unter anderem an der Feuerwehrschule in Würzburg. So besuchten fünf Mitglieder den Atemschutzlehrgang, 28 Jungeinsatzkräfte begannen eine modulare Truppausbildung, die alle mit Erfolg abschlossen. Zwei Gruppen legten die Leistungsprüfung technische Hilfeleistung (THL) ab.