Ärger im Seinsheimer Marktgemeinderat: Die Anfrage des Seinsheimer Ratsmitglieds und Kreisrats Stefan Schwarz an das Landratsamt Kitzingen zu Baumfällarbeiten in einem Regenrückhaltebecken stieß Bürgermeisterin Ruth Albrecht und weiteren Ratsmitgliedern mächtig auf. Die Bürgermeisterin kritisierte Schwarz, weil er nicht zunächst sie selbst gefragt hatte: "Das ist nicht die feine Seinsheimer Art."

Der Hintergrund: Etliche Regenüberlaufbecken unterhalb der Weinberge nicht nur auf Seinsheimer Gemarkung fallen in die Zuständigkeit der Marktgemeinde. Auf den ordnungsgemäßen Zustand hat auch das Wasserwirtschaftsamt ein Auge. Jetzt hat die Seinsheim ein Becken von Bäumen und Sträuchern befreit. Ein Umstand, der des Öfteren am Ratstisch Thema war und schon längst hätte geschehen sollen. Nun ist es endlich passiert.

Laut Marktgemeinderat Stefan Schwarz hätten ihn ein Bürger aus Hüttenheim und eine Bürgerin aus Seinsheim auf die Arbeiten am Regenrückhaltebecken hingewiesen und gefragt, ob es in Zeiten des Klimawandels nötig ist, Bäume in dieser Größe zu fällen. Das hat Schwarz in einer Mail an Volker Müller geschrieben, der für den Bereich Wasserrecht/Gewässerausbau am Landratsamt Kitzingen zuständig ist. Am Ende seiner Mail erklärt Schwarz, dass, seines Wissens nach, die Gemeinde für den Unterhalt der Becken zuständig ist.

In seiner Antwort schreibt Müller, der sich zuvor mit Bürgermeisterin Ruth Albrecht, dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg und der Unteren Naturschutzbehörde besprochen hatte, dass alles rechtens sei. Das Wasserwirtschaftsamt habe massiv die Unterhaltung des Beckens gefordert, um die Funktionsfähigkeit dieses Sicherheitsbauwerks zu erhalten. Die Fällung der Bäume sei naturschutzrechtlich nicht zu beanstanden.

Bürgermeisterin und Rat fühlen sich hintergangen

Bürgermeisterin Albrecht hatte die Mails in öffentlicher Sitzung verlesen, um dann deutlich zu werden. Es sei immer ihr Wunsch, offen miteinander umzugehen. "Zusammenarbeit stelle ich mir anders vor", sagte sie enttäuscht zu Schwarz. "Warum fragst du nicht mich?" wandte sie sich direkt an ihn.

"Jetzt gibt es eine ganz tolle Antwort", entgegnete Schwarz mit Blick auf die Reaktion des Landratsamts, ohne die ihm gestellte Frage zu beantworten. Deshalb versuchte es die Bürgermeisterin nochmals: "Die tolle Antwort hättest du auch von mir bekommen. Was hat dich daran gehindert, mich zu fragen?" Schwarz entgegnete, dass er eine offizielle Aussage gewollt habe.

"Du schießt da eigentlich gegen uns", brachte es Bürgermeister-Stellvertreter Jürgen Merbecks auf den Punkt. Sein Ratskollege Stephan Jamm wurde noch deutlicher: "Wir hocken hier drin und diskutieren, und dann gibt es hinterrücks ein Schreiben ans Landratsamt," ärgerte er sich. "Damit bist du auch uns in den Rücken gefallen." Albrechts Amtsvorgänger Heinz Dorsch habe immer betont, wenn ein Bürger eine Frage habe, dann müsse es der Bürgermeister wissen, erinnerte Jamm an einen ungeschriebenen Verhaltenskodex. Zudem hätten die Bürger auch direkt die Bürgermeisterin fragen können, meinte Merbecks, worauf Schwarz nachschob, dass die Person vielleicht keinen Kontakt zur Bürgermeisterin gewollt habe. Warum er selbst den Kontakt nicht gesucht habe, blieb unbeantwortet.