Abschied nehmen vom vertrauten Kirchenraum in St. Nikolai hieß es für die Gemeindeglieder der evangelischen Kirchengemeinde. Nach Abschluss der Außensanierung beginnt nun die Innensanierung der evangelischen Kirche St. Nikolai in Marktbreit. Am Dreikönigstag fand der vorerst letzte Gottesdienst in ihr statt.

Bei der Innensanierung werden nicht nur die Stuckdecke restauriert oder die Innenwände neu gestrichen oder Heizung und Elektrik erneuert. Der Kirchenraum wird sein Gesicht verändern, denn dieser wird von jeglichen Einbauten freigeräumt. Auch etliche der 63 Bildtafeln der Armenbibel aus dem 18. Jahrhundert, die derzeit an den Emporen der St. Nikolaikirche hängen, werden nicht mehr dauerhaft zu sehen sein.

Ein mutiger Schritt, denn viele, die in der Kirche getauft und konfirmiert wurden und auch dort geheiratet haben, verbindet gerade das Gewohnte mit ihrer Kirche. Deshalb hatte der Kirchenvorstand auch Fragebögen verteilt. Gemeindeglieder konnten so ihre Erlebnisse mit und in dieser Kirche schildern, schreiben, was sie an Wertvollen erlebt haben, wie ihr Glaube dort gestärkt wurde oder wieso ihnen das Gotteshaus so ans Herz gewachsen ist.

Kirche ist Ort der Begegnung

Vertrauensfrau Brigitte Lemsch und Christiane Berneth verlasen im Wechsel die niedergeschriebenen Gedanken. "St. Nikolai ist für mich Wegbegleiter in unterschiedlichsten Lebenssituationen", lautete einer. Ein anderer: "In meiner Erinnerung sind viele Festgottesdienste mit Gesängen, Posaunenchormusik und geistlichem Orgelklang."

In dankbarer Erinnerung an die Kirche geblieben ist auch eine Fürbitte für ein damals siebenjähriges Kind, das an Weihnachten 1994 in der Uniklinik gelegen hatte. In Erinnerung geblieben sind aber auch die Erlebnisse in der Gemeinschaft, die ruhigen Stunden, die Möglichkeit zum Innehalten, die Begegnungen mit vielen Menschen, Alltagsprobleme für eine gewisse Zeit vor der Kirchentüre lassen zu können.

Die Kirche war und ist aber auch für die Menschen ein Ort der Begegnung. Durch diese Begegnungen mit anderen gläubigen Menschen sei auch der eigene Glaube gestärkt worden.

Kirchenbänke werden ersetzt

Ans Herz gewachsen ist jemanden das Gotteshaus auch, "weil es so schön schrullig (mit Macken) ist." Oder, weil sich jemand hier sehr geborgen fühlt, weil es einfach eine schöne und tolle Kirche ist. Jemanden wird die Kirche auch in Erinnerung bleiben, weil es "ein häufig überwärmtes Hinterteil an Heilig Abend" gab.

Nun, letzteres wird es wohl nicht mehr geben. Die Kirchenbänke werden verschwinden und durch Stühle ersetzt. Übrigens, wer eine Kirchenbank haben möchte, kann sich an des Pfarrbüro wenden.

Beim Abschiedsgottesdienst saß Pfarrer Michael Bausenwein in der St-Nikolai-Kirche zunächst an der Orgel, den Gottesdienst selbst hielt die Lektorin Christiane Berneth, denn für den Gottesdienst am Dreikönigstag hatte sich kein Organist gefunden. "Beim nächsten Gottesdienst in St. Nikolai wird sich einiges verändert haben", sagte Christiane Berneth. "Was bleibt, ist das gemeinsame Beten und Singen."

Gottesdienst im Gemeindehaus fortgesetzt

Viele Jahre sei im Kirchenvorstand diskutiert worden, "was können wir verändern, was müssen wir verändern", erinnerte Vertrauensfrau Brigitte Lemsch. "Der Tag des Abschieds wirft viele Gefühle auf." Neugierde und vielleicht ganz viel Wehmut seien es. Brigitte Lemsch dankte auch vier Kindern, die bei einem Kunstwettbewerb zur Kirche teilgenommen hatten. Da von diesen keiner beim Gottesdienst dabei sein konnte, werden die Preise nachgereicht.

Nach der Lesung nahmen die Gottesdienstbesucher jeweils einen Stapel Gesangbücher mit und zogen aus der Kirche aus in Richtung Gemeindehaus. Dort wurde der Gottesdienst dann fortgesetzt.

Wenn alles gut läuft, könnten im Chorraum, der zur Winterkirche umgestaltet wird, die Weihnachtsgottesdienste stattfinden. Fertig soll alles im April 2023 sein. Längst ist aber noch nicht alles finanziert, weswegen die Kirchengemeinde dankbar für weitere Zuwendungen ist.