Kirchweih, Ostern, Advent, Weihnachten – immer, wenn in der Kirche ein Fest ansteht – gibt es schöne Blasmusik in der Prichsenstädter St. Sixtus Kirche. Aber auch weltliche Anlässe wie Neujahrsempfänge, Vereinsjubiläen, Geburtstage und Festabende werden von den Musikerinnen und Musikern regelmäßig musikalisch gestaltet, und das seit sehr langer Zeit. Seit 70 Jahren ist der Posaunenchor aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken – doch er hat eine große Sorge. Den Nachwuchs.

Ein Original als Chorleiter

Wenn man sich mit Karl-Georg Winzen, dem Prichsenstädter Posaunenchor-Obmann unterhält, merkt man sofort, hier ist Leidenschaft, hier ist großes Engagement für "seinen" örtlichen Posaunenchor. Nicht nur, dass er fast von Anfang aktiv mit seiner Trompete dabei ist, leitet er nun seit rund 30 Jahren die vereinstechnischen Geschicke, als Vorsitzender, oder wie es bei den Chören heißt, als Obmann. Er vergleicht das Spielen in einem Posaunenchor als doppeltes Glück. Man kann die Freude der Musik gleichzeitig verbinden mit dem Dienst zum Lobe Gottes, was will man mehr, so ein stolzer Karl-Georg Winzen im Rückblick auf sieben Jahrzehnte Prichsenstädter Posaunenchor.

Mit dem Posaunenchor verbindet man in der kleinen, romantischen Stadt am Fuße des Steigerwalds zweifelsohne den Namen Hermann Schloßnagel, ein echtes Prichsenstädter Original. Nicht nur ein begnadeter Musiker und Sänger, sondern auch ein hervorragender Chorleiter. Als aktiver Musiker an der Bassposaune ist Schloßnagel bereits seit knapp siebzig Jahren aktiv dabei, den Taktstock hat er seit fast fünf Jahrzehnten in der Hand und selbst nach so langer Zeit schafft der heute 82-jährige Hermann Schloßnagel es immer noch, seine Mannschaft bestens zu motivieren und gut vorzubereiten auf die musikalischen Auftritte.

Der Wunsch nach Verstärkung

In Glanzzeiten war der Chor mit über 15 Bläserinnen und Bläser sehr gut besetzt und traf sich bis zu 80 Mal im Jahr für Proben, Auftritte und Konzerte. Dies hat sich leider in den vergangenen fünfzehn Jahren geändert. Der Chor ist geschrumpft, das Durchschnittsalter gestiegen. Mit aktuell acht Musikerinnen und Musiker ist der Chor gerade noch so spielfähig, fällt mal einer oder zwei aus, wird es schon schwierig, die Stimmen zu kompensieren. Es kommt einfach nichts nach, so ein etwas nachdenklicher Karl-Georg Winzen, der aber dennoch positiv nach vorne schaut und sich vorgenommen hat, jetzt am Jubiläumsgottesdienst Werbung zu machen für Nachwuchsmusikerinnen und Nachwuchsmusiker. Vielleicht geht ja dieser große Wunsch doch irgendwann in Erfüllung.

Jubiläumsgottesdienst mit Ehrungen

Am kommenden Samstag, 4. Juni, findet um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Sixtus ein Jubiläumsgottesdienst statt. In dem Gottesdienst, der von Pfarrer Martin Voß zelebriert wird, werden unter anderem langjährige, verdiente Posaunenchormitglieder geehrt und ausgezeichnet. Selbstverständlich wird diese Feierstunde vom Posaunenchor selbst musikalisch gestaltet.

Chronik

Anfang der 1950er Jahre gab es noch keine extra Posaunenchornoten, sodass Seynstahl die Noten selbst geschrieben hat. Er bildete auch selbst den Nachwuchs aus. 1954 waren bereits zwölf Musikerinnen und Musiker im Posaunenchor aktiv. Die ersten Jahre wurden die Proben in der Büttner-Werkstatt von Philipp Wagner abgehalten.
Ab 1960 übernahm der Stabstrompeter der Bundeswehr, Bernhard Jäger, die Chorleitung, musste aber nach zwölf Jahren aus gesundheitlichen Gründen das Amt abgeben. Seit 1974 bis zum heutigen Tage leitet Hermann Schloßnagel den Posaunenchor Prichsenstadt.
Besondere, fast zwei Jahrzehnte (2000 bis 2019) waren für den Chor die gemeinsamen Jahre mit Pfarrer Erich Eyßelein. Er war nicht nur sehr beliebter Ortpfarrer, Fan des Chores, sondern auch gleichzeitig leidenschaftlicher Trompeter im Prichsenstädter Posaunenchor.
Quelle: (db)