Die traditionelle Feierstunde zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen fand mit rund 20 Teilnehmern im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes statt.  Der Vorsitzende der Vereinigten Landsmannschaften, Claus Lux, hatte als Festrednerin Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm mit dem Thema 70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen gewinnen können.

Stamm lobte die Weitsicht der Vertriebenen vor 70 Jahren, die mit der Charta ihre Friedensgedanken deutlich machten. Dieser Friedenswille sei in den Jahren viel zu wenig beachtet worden. Obwohl Vertriebene nicht überall willkommen waren, sei die alte Heimat nie vergessen worden. Die Menschen hätten trotz des Verlustes der Heimat und liebster Menschen angepackt und Kultur und Tradition weitergegeben. Das sei als menschlich großartige Leistung zu würdigen.

Integration tatsächlich geschafft

Für die heutige Zeit lasse sich daraus ableiten, wie wichtig Zusammenhalt sei. Mit Blick auf Unterfranken betonte Stamm, dass die Integration tatsächlich geschafft worden sei, das dürfe nicht verschwiegen werden. Die Flüchtlingswelle von 2015 dürfe aber nicht mit den Vertriebenen verglichen werden, denn diese hatten vor 75 Jahren ihre Tradition, die gleiche Sprache und Religion mitgebracht.

Heute stelle sich die Frage, ob Europa gewillt und in der Lage sei, Integration zu schaffen. Deutschland könne das alleine jedenfalls nicht. Sichtlich enttäuscht räumte Stamm ein, dass es zur Aufnahme von Flüchtlingen einer Gemeinsamkeit bedürfe, die in Europa in Frage gestellt sei. Erfreulich hingegen sei, dass sich die junge Generation wieder für die Geschichte und Erfahrungen ihrer Vorfahren interessierten.

"Freiheit endet da, wo anderen geschadet werden kann."
Barbara Stamm, Landtagspräsidentin a. D.

Sie wünschte sich eine Gesellschaft, die den Wert von Gemeinsamkeit wieder erkennt: "Freiheit endet da, wo anderen geschadet werden kann."

Einleitend hatte Claus Lux darauf hingewiesen, dass die 1950 beschlossene Charta zu den Gründungsdokumenten der Bundesrepublik mit historischer Bedeutung  auch für ein vereinigtes Europa gehöre. Der Begriff Heimat sei in der Öffentlichkeit lange Zeit eher belächelt worden, obwohl die Sehnsucht danach ein Zeichen dafür sei, Wurzeln zu erhalten.

Generation des OB hat nie Krieg erlebt

Die stellvertretende Landrätin Susanne Knof bescheinigte den Vertriebenen, die Charta einst mit großem Weitblick für Frieden und Versöhnung beschlossen zu haben, obwohl der Weltkrieg erst kurz vorbei war und die Vertriebenen selbst damals wohnungslos, arbeitslos, krank, versehrt und heimatlos waren.

Kitzingens Oberbürgermeister Stefan Güntner betonte, er komme aus einer Generation, die Krieg und Vertreibung nicht aus eigenem Erleben kenne, die aber dafür sorgen könne, solches in Europa nie wieder erleben zu müssen. Er spannte einen Bogen zu den Flüchtlingsbewegungen 2015, wo sich die Geschichte ein Stück weit wiederholt habe. Wie vor 75 Jahren sei Integration eine große Aufgabe.

Dörfer und Gräber der Vorfahren

Lux sprach abschließend von einer zu Herzen gehenden Rede. Als Nachgeborener unterstrich Bernhard Günzel, er habe in der alten Heimat die Dörfer und Gräber der Vorfahren gesehen. Davon könne die Erlebnisgeneration nicht mehr lange erzählen.

Die Feierstunde begleiteten Helene und Michael Bausenwein musikalisch.