Bis zu 90 Neonazis sollten kommen. Am Ende waren es knapp 70, die in Kitzingen Halt machten, um dort denselben Weg entlangzugehen, den Kitzingens Juden im Dritten Reich auf den Weg zu ihrer Deportation zurücklegen mussten. Doch diesem Vorhaben standen 600 bis 700 Gegendemonstranten im Weg.

Wie die Polizei berichtet, ist am Karsamstag kurz nach 14.00 Uhr der aus Nürnberg erwartete Zug mit Personen des rechten Spektrums am Bahnhof Kitzingen eingetroffen. Dieser Zug wurde von Kräften der Bundespolizei begleitet.

Insgesamt befanden sich jetzt etwa 70 Personen der rechten Szene am Bahnhofsvorplatz. Dort hatten sich laut Polizeiangaben etwa 10 Teilnehmer der Gegenveranstaltung auf die Straße gesetzt. Die Gegendemonstranten machten nach Lautsprecherdurchsagen seitens der Polizei den Weg frei. Allerdings kamen im Anschluss etwa 20 Personen der rechten Szene, die mit einem Bus angereist waren, aus einer Seitenstraße und wollten zur Auftaktkundgebung der Versammlung am Bahnhofsplatz, wo die Auftaktkundgebung der Versammlung "Nationales und Soziales Bündnis 1. Mai" stattfinden sollte. Die Männer mussten dann unter Polizeibegleitung zum Bahnhofsplatz durch die Versammlung des bürgerlichen Lagers hindurch begleitet werden, was mit lautstarkem Protest des bürgerlichen Lagers einherging.

Der Aufzug des rechten Spektrums musste gegen 14.50 Uhr laut Polizeiangaben etwa 100 Meter vor dem Falterturm auf Höhe des dortigen Friedhofs anhalten, weil eine große Zahl von Protestierenden den Weitermarsch verhinderte. Die Neonazis mussten auf eine zweite Route ausweichen. Aber auch da kamen sie nicht viel weiter. An der B8 war Schluss, denn da hatten die Kitzinger ihnen schon wieder den Weg abgeschnitten. So blieb den Nazis nichts anderes übrig, als unter Spott, Häme und Buhrufen der Kitzinger zurück zum Bahnhof zu laufen.

Auf dem Weg dorthin wurde der Aufzug der rechten Versammlung von der Polizei durch eine Grünanlage an der Demonstration des bürgerlichen Lagers vorbeigeführt.

Die Abschlusskundgebung der Versammlung "Nationales und Soziales Bündnis 1. Mai" wurde gegen 15.40 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Kitzingen beendet. Die etwa 85 Versammlungsteilnehmer des rechten Spektrums sind gegen 16.00 Uhr in den Zug nach Würzburg eingestiegen.


Bis zu 700 Gegendemonstranten


An der Versammlung des bürgerlichen Lagers haben nach Schätzungen der Polizei etwa 600 bis 700 Personen teilgenommen, darunter etwa 100 bis 120 Demonstranten, die dem linken Spektrum zuzuordnen waren. Die Polizei hat zwei Personen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung vorläufig festgenommen. Eine weitere Person wurde in Gewahrsam genommen.

Im Verlauf der Versammlungen in Kitzingen gab es mehrere Blockadeaktionen, die durch die Polizei aufgelöst wurden - teils mit kommunikativen Ansprachen, aber zum Teil auch unter Zuhilfenahme von Unmittelbarem Zwang. Zudem gab es auch Obst- und Tomatenwürfe gegen die rechte Versammlung. Polizeibeamte wurden nach bisherigem Kenntnisstand nicht verletzt.