Die Große Kreisstadt Kitzingen bildet einen Fleckenteppich, wie man an den Gemarkungsgrenzen ablesen kann. Das liegt nicht zuletzt an den Stadtteilen und einst selbstständigen Dörfer, die im Zuge der Gebietsreform eingemeindet wurden. Einen kuriosen Grenzverlauf gibt es zwischen dem Kitzinger Stadtteil Etwashausen und dem Nachbarn Albertshofen.

Beides sind vom Gartenbau geprägte Orte, deren Grenzen sich stark verzahnten, was dazu führte, dass nach Albertshofen in Richtung Mainsondheim plötzlich wieder ein Stück Kitzinger Gemarkung kommt. So stehen zum Beispiel Elmar Gimperleins Kresse-Großbetrieb und auch die Biogasanlage auf Kitzinger Boden. Das hat mit der Ausbreitung des Kitzinger Klosterforstes zu tun, der sich bis zur Autobahn bei Mainsondheim erstreckt. Heute zieht sich die Kitzinger Gemarkungsgrenze östlich um Albertshofen herum und die Gärtnerbetriebe Heilmann und Will stehen gerade noch auf Albertshöfer Grund, ehe ein halber Kilometer weiter das Kitzinger Stadtgebiet westlich über die Straße nach Mainsondheim schwenkt.

Aus Wald wird Garten- und Ackerland

Während der Zeit der Nazi-Herrschaft, 1935, waren den Grundstückseigentümern großflächige Waldrodungen genehmigt worden, und Rückkehrer des Ersten Weltkriegs erhielten Flächen zugeteilt, wie es Albertshofens Gemeindearchivar Lorenz Hofmann schildert. Damals wurde eigens ein Neulandverein gegründet, um die Flächenverteilung zu regeln, und die neuen Besitzer zahlten laut Aufzeichnungen insgesamt 112 937 Reichsmark für 137 Hektar.

Fortan pflanzten die Albertshöfer Gärtner fleißig, um auf den gewonnenen Flächen Gemüse und Salate für die Versorgung der Bevölkerung in den Kriegsjahren anzubauen. Die Kitzinger Gemarkung reicht von Etwashausen im Mainuferbereich bis an Albertshofen heran. Am Radweg nahe des Domizils des Motorradclubs "Golden Hawks" ist der älteste Grenzstein zu entdecken. Darüber weiß Lorenz Hofmann zu erzählen, dass es vor über 500 Jahren eine langwierige Grenzstreitigkeit zwischen Kitzingern und den benachbarten Albertshöfern gegeben hatte.

Damals sei es zu einem Grenz-Meineid gekommen, bei dem ein Kitzinger "unter dem Schöpfer und auf Kitzinger Boden stehend" geschworen hatte, auf Kitzinger Gemarkung zu stehen. Dabei habe der Meineid-Schwörer einen Schöpfer auf seinem Kopf gehabt und sich Kitzinger Boden in seine Schuhe gestreut. So weit die Überlieferung. Erst ein brandenburgisch-ansbacherisches Gericht gab den Albertshöfern in einem Urteil aus dem Jahr 1491 Recht und gestand ihnen die rechtsmäßig zu ihrer Gemarkung gehörenden 500 Morgen Land zu.

Etwashausen so alt wie Kitzingen

Das linksmainische Etwashausen gehörte schon immer zur Stadt Kitzingen und wurde im Jahr 749 – und damit nur vier Jahre nach Kitzingen – erstmals urkundlich erwähnt. Etwashausen grenzte an Albertshofen, Großlangheim, Hoheim und Hohenfeld an. Die Fläche, auf der sich die heutige Siedlung erstreckt, war bis vor 100 Jahren weitgehend Wald. Erst in den 1920er Jahren wurden im Bereich der Geflügelzucht erste Häuser errichtet und später erbauten die so genannten Schweißheimer – weil sie ihre Häuser im Schweiße ihres Angesichts mit den eigenen Händen errichteten – ihre Wohnhäuser im Bereich Galgenwasen.

Die Siedlung wurde 1921 offiziell Stadtteil, kann also im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern.  Auch das gesamte Flugplatz-Areal war einst Waldfläche, bevor ab 1917 ein militärisch genutzter Flugplatz entstand. Die Grenze der Siedlung verlief bis zum östlichen Ende des Goldberg-Gewerbegebiets und in der Ära von Oberbürgermeister Rudolf Schardt verschob sich die Ausdehnung Kitzingens weiter, weil Hoheim im Zuge der Gebietsreform 1973 nach Kitzingen eingemeindet wurde. Ein Teil des Flugplatz-Areals erfasste auch die Hoheimer Flur und in Sichtweite des Hoheimer Kreisbauhofs bildet dort der Rödelbach den Grenzverlauf zwischen Hoheim und Fröhstockheim.

In den folgenden Jahren kamen auch Sickershausen (1975) Repperndorf (Januar 1978) und Hohenfeld (Mai 1978) zu Kitzingen. Die rechtsmainische Kernstadt ist heute das größte Areal im Stadtgebiet mit rund 11 000 Einwohnern. Unter den Stadtteilen mutierte die Siedlung mit über 5000 Einwohnern zum größten. Derweil ist Hoheim der kleinste Stadtteil mit nur 178 Hektar Fläche, und Repperndorf hat mit etwa 670 Einwohnern die geringste Bevölkerungszahl.

Fließender Übergang zwischen Stadtteilen

Sonderbar ist der Grenzverlauf im Dreieck  Etwashausen-Hohenfeld-Sickershausen. Viele wissen nicht, dass der Aldi in der Marktbreiter Straße das letzte Gebäude auf Etwashäuser Grund ist; der benachbarte Betrieb des Karosserie- und Lackierzentrums von Klaus Hoffmann steht schon auf Hohenfelder Grund.

Nahe der Südbrücke hatte sich in den 1990er Jahren der ehemalige Gärtner und langjährige Stadtrat Adam Straßberger auf Hohenfelder Gemarkung mit Tennisplätzen, Wohnhaus und dem Gasthaus "Zum Körbla" niedergelassen. Wenn er seinen Blick südlich richtet, schaut er auf den Bahndamm und davor auf das Haus seines Sohnes Burkhard Straßberger, das auf dem spitzen Zipfel am Ende der Sickershäuser Gemarkung steht. Die Ausdehnung von Hohenfelder Grund und Boden reicht in südlicher Richtung bis zur Großkläranlage vor der Grenze zu Marktsteft.

Die Grenze von Sickershausen verläuft entlang des "Schleichwegs" zum Nachbarn Mainbernheim und in westlicher Richtung an der Südbrücke fast bis zum Mainufer. "Richtung Mainbernheim wurde die Grenze im Flurbereinigungsverfahren weitgehend begradigt", sagt dazu der Sickershäuser Siebener-Obmann Karl Köhler. Wenn er den Blick auf den nördlichen Ortsrand von Hohenfeld richtet, sieht er weitgehend Sickershäuser Flur, "denn unsere Gemarkung reicht bis auf zwei Ackerlängen an Hohenfeld heran", erklärt Köhler.

Flaggschiff GWF im Stadtgebiet

Das 1978 eingemeindete Repperndorf ist die westliche Flanke des heutigen Kitzinger Hoheitsgebiets und erlangte einen großen Bekanntheitsgrad, nachdem sich das Flaggschiff des Weinbaus in Franken, die Winzergemeinschaft Franken (GWF), ab 1963 an der B 8 bei Repperndorf niederließ. Die Gemarkungsgrenze zu Kitzingen verläuft an der Unteren Einfahrt von Kitzingen aus gesehen, und links der B 8 reicht die Flur bis an die Weinberge nördlich der Eherieder Mühle heran.

"Die GWF-Zentrale steht zwar auf unserer Gemarkung, aber der Kelterhallen-Neubau erstand schon auf Buchbrunner Boden", schildert der langjährige Stadtrat und Winzer Friedrich Haag die Konstellation auf dem Repperndorfer Berg. Links der B 8 geht das Repperndorfer Hoheitsgebiet über die A 7 in Richtung Biebelried hinaus. Die den Ausblick aus Westheim und Kaltensondheim prägenden Windräder stehen noch auf Repperndorfer Gemarkung.