Der Auftritt des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke in Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) verlief ohne Zwischenfälle. Rund 250 Gegendemonstranten hatten sich nach Angaben der Polizei am Donnerstagabend unweit der Sporthalle des TSV Prichsenstadt versammelt, wo die AfD eine Wahlkampfveranstaltung abhielt. Zu der Kundgebung unter dem Motto „Prichsenstadt sagt Nein zur AfD“ hatten die Jusos aufgerufen. Neben der SPD-Jugend waren auch Demonstranten des „Bündnisses für Zivilcourage“, des „Arbeitskreises Gehwissen“, des Vereins „Schweinfurt ist bunt“ und der IG Metall vertreten. Auch Aktivisten der Antifa nahmen an der Kundgebung teil.

IG-Metall-Vertreter: AfD ist Fall für den Verfassungsschutz

„Die schlechte Nachricht ist, dass Höcke tatsächlich kommt“, sagte der katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose. Die gute Nachricht sei jedoch, dass der AfD-Rechtsaußen zum letzten Mal in Prichsenstadt sein werde. Nachdem die AfD mehrfach in der TSV-Halle zu Gast war, hatte der Vorstand des Sportvereins kürzlich einstimmig entschieden, die Halle künftig nicht mehr an Parteien zu vermieten .

Der unterfränkische Juso-Vorsitzende Michael Reitmair bedauerte in seinem Redebeitrag in Prichsenstadt, dass Veranstaltungen der AfD in ländlichen Gebieten oft unkommentiert blieben. „Doch auch auf dem Land gilt: Kein Fußbreit dem Faschismus“, sagte er. Norbert Zirnsak von der IG Metall Unterfranken forderte die bayerische Staatsregierung auf, dafür zu sorgen, dass die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet werde.

1500 Euro für Aktion Stolpersteine

Die Organisatoren sammelten während der Kundgebung Spenden für den Verein Alt-Prichsenstadt e.V. Dabei seien rund 1500 Euro zusammengekommen, teilten die Jusos mit. Das Geld soll der Aktion Stolpersteine zugutekommen, mit der an die Opfer der NS-Zeit erinnert wird.

Mit „Höcke-Höcke“-Rufen empfingen unterdessen in der voll besetzten TSV-Halle über 200 AfD-Sympathisanten den Gastredner aus Thüringen. Der behauptete in seiner knapp einstündigen Rede, dass Deutschland „keine echte Demokratie, sondern eine gelenkte Demokratie“ sei. Dem Grundgesetz gab Höcke eine Mitschuld daran, dass der freie Wille der Bürger unterdrückt werde. Sein Argument: Es seien darin keine Volksabstimmungen auf Bundesebene vorgesehen.

Höcke bestreitet Fachkräftemangel

Außerdem bestritt Höcke den von Menschen beeinflussten Klimawandel: „Das Klima ändert sich, aber das hat nichts mit den Menschen zu tun“, meinte er. Auch einen „nennenswerten Fachkräftemangel“ habe es in Deutschland niemals gegeben. Es ginge nur darum, „durch Einwanderung das Lohngefüge zu drücken“. Im Ton vergriff er sich, als er die Gegendemonstranten als „Bewusstseinsschwuchteln“ bezeichnete. Für die bayerische Landtagswahl gab Höcke das Ziel „15 bis 20 Prozent“ aus.