Einfach das Wein-Jahr 2011 abhaken und vergessen! Schön wär´s, wenn das so einfach ginge. Natürlich blicken die fränkischen Winzer jetzt wieder nach vorn. Doch die wirtschaftlichen Folgen des Mai-Frostes 2011 lassen sich nicht unter den Teppich kehren. Die GWF zog gestern Bilanz und präsentierte die Lehren aus zwei hintereinander folgenden Ausnahme-Jahren. War das Erntevolumen schon 2010 aufgrund der Regenfälle um rund 25 Prozent geringer als im letzten "guten" Erntejahr 2009 ausgefallen, so sorgte der Mai-Frost 2011 bei der GWF für Ernte-Ausfälle in Höhe von 31 Prozent. Vier Millionen Liter weniger als im Jahr 2009 flossen in die Fässer der größten fränkischen Genossenschaft. Dies bescherte der GWF einen Umsatzrückgang von 4,8 Prozent auf 35,2 Millionen Euro.
Im Vergleich der Gesamtvermarktung der deutschen Weine habe man sich damit weitestgehend "marktkonform" entwickelt, betonte Michael Schweinberger, geschäftsführender Vorstand der GWF.
"Bis zum Frost im Mai war die GWF auf der linken Spur unterwegs", erklärte Schweinberger. "Seitdem zuckeln wir langsam auf dem Standstreifen dahin". Man könnte auch sagen: Der Sprit geht aus. "Wir sind auf sehr niedrigem Bestandsniveau. Wenn man in den Kellern klopft, hört man nicht selten ein helles Echo in den Fässern", bedauert der Vorstand.
Schweinberger spricht von einem "temporären Engpass, nichts aber, was die GWF zum Wackeln brächte" und ist stolz darauf, dass der Frankenwein mit einem Durchschnittserlös von 3,30 Euro pro Liter an der Spitze der deutschen Anbaugebiete liege. Das Preis-Leistungsverhältnis sei nach wie vor exzellent.
Um den Umsatzrückgang abzufedern, wurde zunächst an der Kostenschraube gedreht, Material- und Sachausgaben zurückgefahren und Mitarbeiter, die in den Ruhestand gegangen waren, nicht in gleichem Maße ersetzt. Doch diese Maßnahmen reichten nicht aus, um den Wagen wieder flott zu machen. Stärker vermarktet wurde das Geschäftsfeld im Bereich der Markenweine im Lebensmittel-Einzelhandel. Hier konnte ein Umsatzplus von sechs Prozent generiert werden. Im gleichen Maße legte das Privatkundengeschäft der regionalen Winzerkeller zu. Ausgebaut wurde auch der Vertrieb in Fachhandel und Gastronomie.
Auf Grund der knappen Bestände rechnet die GWF auch im laufenden Geschäftsjahr 2012 noch mit einem Umsatzrückgang, aber mit einer klaren Aufwärtstendenz. Nach dem Motto "gemeinsam sind wir stark" forciert sie nun zwei Kooperationsprojekte. Ausgebaut wird zum einen der Wirkungskreis des Fränkischen Weinkontors. Die GWF, Divino Nordheim und der Winzerkeller Sommerach vermarkten ab Juli 2012 auch ihre Markenweine im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel gemeinsam. "Drei Sortimente werden durch einen gemeinsamen Außendienst und einen Vertriebskanal vermarktet", erklärt Schweinberger die Vorteile.
Ferner soll eine weitere Vertriebs-Kooperation der GWF mit dem Winzerkeller Sommerach für Synergien und Wachstum in den Vertriebskanälen Fachhandel und Gastronomie sorgen. Bleibt zu hoffen, dass sich 2012 weiterhin positiv entwickelt. "Die Weinblüte war gut, die Vegetation entwickelt sich günstig", resümiert der GWF-Vorstand. "Momentan gehen wir von optimalen Verhältnissen aus."