Rund 200 Asylbewerber in der Sporthalle am Mühlberg in Kitzingen: Dieses Szenario könnte Wirklichkeit werden, wenn der Zustrom von Flüchtlingen ungebrochen hoch bleibt. Schließlich hat die Staatsregierung die Landkreise beauftragt, sich in einem Drei-Stufen-Plan auf die kurzfristige Aufnahme von 200 bis 300 Flüchtlingen vorzubereiten. Diese „Hausaufgaben“ habe das Landratsamt gemacht, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde.

Weil der Flüchtlingsstrom steigt, macht die Staatsregierung Druck: Die Planungen für die erste Stufe müssen bis 3. November abgeschlossen sein und der Regierung von Unterfranken gemeldet werden, so das Landratsamt. Da der Kreis 200 bis 300 Personen nicht kurzfristig in Privathäusern oder Wohnungen unterbringen könnte, wäre das Landratsamt gezwungen, für diesen Fall die Zweifachsporthalle am Mühlberg in Kitzingen zu nutzen.

„In der Sporthalle wäre Platz für rund 200 Asylbewerber“, erklärt Landrätin Tamara Bischof in einer Stellungnahme. Nach ihrer Ansicht bietet die Sporthalle „all das, was für eine kurzfristige Notfallunterbringung nötig ist.“ Oberstes Ziel sei es aber, den Aufenthalt jedes einzelnen Flüchtlings in der Halle möglichst kurz zu halten. Die Staatsregierung nenne einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen.

Mit Blick auf die mögliche Hallenbelegung mit Flüchtlingen, appelliert Bischof „an das Verständnis der Bevölkerung, vor allem der Anwohner am Mühlberg, der Schüler und Lehrer sowie der Vereine, die die Halle nutzen.“ Schulen und Vereine, die die Hallen in den Abendstunden belegen, seien bereits informiert. Angesichts des nahenden Winters wäre die Halle jedoch aktuell die einzige Möglichkeit, allen Schutzsuchenden ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Als Vorbereitung hat das Landratsamt bereits 200 Feldbetten und Decken bestellt. In die Planungen einbezogen sind laut Pressemitteilung auch die Mediziner des Kitzinger Gesundheitsamts, die für die notwendige Gesundheitsuntersuchung der Asylbewerber zuständig sind. Das Bayerische Rote Kreuz würde für maximal 14 Tage die Erstversorgung mit Essen übernehmen. Wer diese Aufgabe danach übernimmt, werde noch geprüft. Auf der Suche nach Alternativen steht das Landratsamt auch mit den Eigentümern einzelner leer stehender Gebäude in den ehemaligen US-Kasernen (Innopark und „conneKT“) im Gespräch. Die Gebäude sind seit sieben Jahren vom öffentlichen Wasser- und Abwassernetz abgetrennt. Nach einer ersten Prüfung würde es jedoch einen enormen finanziellen Kraftakt bedeuten, sie kurzfristig wieder in Stand zu setzen, schreibt das Landratsamt.

Dort ist der 3-Stufen-Plan in Arbeit. Die Pläne für Stufe eins werden der Regierung zum Stichtag 3. November gemeldet, an den Stufen zwei und drei, die eine längerfristige Unterbringung der Asylbewerber erforderlich machen, werde derzeit gearbeitet.

Die geplante Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Unterfranken im Corlette Circle für 150 Personen kann laut Regierung erst Anfang 2015 Asylbewerber aufnehmen. Hier werde an der Erschließung gearbeitet. Aktuell leben im Landkreis Kitzingen 227 Asylbewerber und die Zahl steigt stetig. Wöchentlich kommen 16 neue Flüchtlinge an.

Der Landkreis muss 6,5 Prozent der Asylbewerber in Unterfranken unterbringen. Das Landratsamt ist auf der Suche nach geeigneten Häusern und Wohnungen. Ein erster Appell brachte zehn Angebote von Hauseigentümern, die derzeit geprüft würden. Für die Unterbringung werde entweder eine ortsübliche Miete oder eine angemessene Pauschale pro Person und Tag gezahlt.

Angebote: Wer ein Haus oder eine Wohnung vermieten möchte, kann sich beim Sachgebiet Soziales und Senioren des Landratsamts, Tel. (09321) 92 85 200 oder 5211 melden.