Ein erster Schritt zur Erweiterung des Kitzinger Rathauses ist getan: Mit 21:6 Stimmen beschloss der Stadtrat am Donnerstagabend, mit der Nutzung des Nachbarhauses in der Kaiserstraße 17 die Raumnöte der Verwaltung zu lindern. Die Kosten einer Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes führten allerdings zu einer kontroversen Diskussion. Schließlich kostet die Rathaus-Erweiterung 2,7 Millionen Euro.

Kaiserstraße 17: Chance und Problem

Die Kaiserstraße 17 ist – wie die Diskussion zeigte – Chance und Problem. Problem, weil Kitzingen einen Investitionsstau mit Millionen Euro vor sich herschiebt und im Schatten eines mittleren Schuldenbergs steht. Kehrseite ist der Wunsch der Verwaltung, von den beengten Verhältnissen befreit zu werden.

Passend dazu formulierte Oberbürgermeister Siegfried Müller seinen Appell an den Stadtrat: Die Einbeziehung des Nachbarhauses in den Verwaltungskomplex sei „die einzige und letzte Chance“, zusätzliche Räume für die Mitarbeiter zu schaffen. Wie eng es zugeht, beschrieb Hauptamtschef Ralph Hartner: bis zu vier Mitarbeiter in einem Raum, Klopapier in der Registratur, Reinigungsmittel in jeder verfügbaren Nische, kein Sozialraum.

Der Empfang ist keine Visitenkarte

Fazit Hartners zur Situation im Rathaus: „Es sind mehr Menschen geworden, Raum kam nicht dazu.“ Es fehlten noch bis zu zwei Besprechungsräume, der Eingang ins Rathaus – von der Kaiserstraße aus – sei keine Visitenkarte, das lange erhoffte Bürgerbüro bis heute nur Wunschvorstellung. Von nicht akzeptablen Zuständen beispielsweise im Recht- und Ordnungsamt sprach Rechtsrätin Susanne Schmöger. Mitarbeiter und Besucher träfen sich hier zwischen Waschbecken, Mülleimer und Wasserkocher.

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Die finanzielle Seite ist aber auch nicht ohne: 1,9 Millionen Euro (inklusive neuem Aufzug) soll die Sanierung der Kaiserstraße 17 kosten, 435 000 Euro das angedockte Bürgerbüro (Kaiserstraße 15) und die Anpassung der höhenversetzten Häuser noch mal 350 000 Euro. Das Ganze könnte deutlich billiger sein, wenn das Haus durch einen Neubau ersetzt werden könnte. Die Pläne aber durchkreuzte das Landesamt für Denkmalpflege.

Vom Barock zum „Charme“ der 80er

Dass die Behörde ihr Veto gegen die Abrissbirne einlegte, hat Gründe. Laut Architekt Thomas Geiger, der ein erstes Konzept vorlegte, stammt das Gebäude vom Ende des 15. Jahrhunderts, wurde 1730 in Teilen „barockisiert“ – unter anderem durch Stuckdecken und eine Treppe. Als Ergänzung zu den Bauteilen vor allem aus dem Spätmittelalter (auch der Dachstuhl) kam später noch der „Charme“ der 1980er Jahre, vor allem an Teilen der Fassade.

Weil an dem Haus aus grauer baulicher Vorzeit manches bröckelt, der Dachstuhl erhebliche Nässeschäden zeigt, wird die Sanierung so teuer. Grund genug für Stefan Güntner (CSU), angesichts anderer Millionen-Investition die 2,7-Millionen-Ausgabe in Frage zu stellen: „Ich weiß nicht, wie wir das alles finanzieren sollen.“ Güntner regte an, einen privaten Investor mit ins Boot zu holen.

Woher soll das Geld kommen?

Ein Rätsel war für Parteikollege Andreas Moser die Finanzplanung: „Ich will wissen, wie sie das im Haushalt unterbringen wollen.“ Das ist Aufgabe von Kämmerin Monika Erdel, die nach dem Beschluss des Rats Sanierungs- und Umbaukosten in den kommenden drei Jahren in die Finanzpläne einrechnen muss. Schließlich peilt die Stadt laut OB einen Baubeginn Anfang 2018 an. Ob das klappt, werden die Haushaltsberatungen zeigen. Da könnte der Stadtrat noch die Bremse ziehen.