"Wir haben wirklich einen Anlass zum Feiern", sagte der Leiter des Blindeninstituts Würzburg, Thomas Heckner, an Donnerstagvormittag in der Kitzinger Siedlung. Dort nämlich wurde die "Bauschildskulptur" für den Neubau einer Förderstätte mit Wohnangebot für Menschen mit Blindheit, Sehbehinderung und weiteren Beeinträchtigungen in der Armin-Knab-Straße enthüllt.

Vier Jahre hatte es gedauert, von der Bedarfsfeststellung durch den Bezirk Unterfranken im September 2017, bis dieser quasi "Spatenstich" am Donnerstag erfolgen konnte. Die Bagger sollen, so die Hoffnung Heckners, ab dem Spätjahr rollen, ein Einzug ist für den September 2023 geplant. Dann soll die Förderstätte des Blindeninstituts 32 Plätze bieten, davon 24 Plätze als Wohnangebot für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung und weiteren Beeinträchtigungen.

Dass es hierfür einen großen Bedarf gibt, das zeigen die Zahlen des Blindeninstituts Würzburg, wo derzeit 330 erwachsene sehbehinderte oder blinde Menschen mit Mehrfachbehiderung wohnen. Alljährlich kommen zwischen fünf und acht Erwachsene als Schulabgänger hinzu. In den kommenden zehn bis 15 Jahren wird die Nachfrage also für rund 100 Menschen steigen – Bedarf für etwa vier Wohnheime in der gerade geplanten Größe.

Der Gebäudekomplex in der Kitzinger Siedlung wird rund 3000 Quadratmeter umfassen und soll 11,5 Millionen Euro kosten. Die staatliche Förderung wird sich auf rund acht Millionen Euro belaufen, 3,5 Millionen Euro trägt das Blindeninstitut selbst. Ein besonderer Dank Heckners galt dabei Irene und Bettina Wagner, die als Unterstützer des Instituts für erhebliche Spendengelder sorgen.

Die 24 Wohnplätze in Kitzingen sind auf vier kleine Gruppen mit jeweils sechs Personen verteilt, auf jedem Stockwerk befinden sich zwei Wohngruppen. Die Förderstätte gliedert sich in vier Gruppenbereiche für je acht Klientinnen und Klienten. Für Heckner war es wichtig, dass sich die Architektur der neuen Anlage in das bestehende Umfeld einpasst. Das soll auch ein Signal an die Stadt Kitzingen sein, "dass wir Bürger Kitzingens und auch Teil der Siedlung werden wollen". Zu den Wohn- und Förderstättenplätzen werden 60 Arbeitsplätze entstehen, die weitere Versorgung der Anlage soll aus dem Umfeld kommen.

"Wir freuen uns auf Kitzingen", sagte Heckner, der viel Lob für das städtische Bauamt hatte. Und damit auch den Nerv von Oberbürgermeister Stefan Güntner traf, der auch gleich die Bereitschaft der Stadt in Form des Bauhofs anbot, bei Problemen im Umfeld, etwa der Barrierefreiheit, hilfreich zur Seite zu stehen. Lob für Kitzingen gab es auch vom Vorstand der Blindeninstitutsstiftung, Marco Bambach, der sagte: "Kitzingen hat uns die Türe geöffnet, eine neue Heimat zu bekommen."

Die Förderstätte in der Siedlung wird auf Dauer nicht die einzige des Blindeninstituts in Kitzingen bleiben. Denn das Institut hat auch das ehemalige Frieda-von-Soden-Haus in der Kanzler-Stürtzel-Straße erworben. Bis allerdings dort die Bautätigkeit starten dürfte, so Heckner, werde noch einiges an Zeit vergehen. Denn bei den Bewilligungen der Zuschüsse durch den Freistaat – und die sind für einen Neubau erforderlich – gibt es wegen des großen Bedarfs einen Investitionsstau. Ginge es nach dem Blindeninstitut, so Heckner, dann "würden wir gerne sofort dort weitermachen". Auch eine Zwischennutzung könnte sich Heckner vorstellen, die wäre allerdings immer nur kurzzeitig möglich, denn sobald eine Zuschusszusage käme, würde mit Planung und Bau begonnen werden.