Am 12. Mai vergangenen Jahres, dem Muttertag, floh eine 35-Jährige aus dem Maintal ins Frauenhaus nach Bamberg und erstattete Anzeige gegen ihren Mann. Es war das vorläufige Ende eines 15 Jahre andauernden Ehe-Martyriums, in der die fünffache Mutter von ihrem 44-jährigen Ehemann nach eigener Aussage geschlagen, gewürgt, bedroht und beleidigt wurde.

Seit 25. September muss sich der 44-Jährige am Amtsgericht in Haßfurt wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung verantworten. Am Freitag, dem dritten Verhandlungstag, wurden die Plädoyers gehalten. Der Staatsanwalt sah alle Anklagevorwürfe bestätigt. Demnach hat der Angeklagte seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend die am Boden liegende Frau getreten. Zu einem anderen Zeitpunkt flüchtete die Geschädigte ins Badezimmer, verschloss die Tür und setzte sich auf den Boden mit dem Rücken an die Tür gelehnt. Daraufhin trat ihr Ehemann die Tür ein und verletzte dabei seine Frau. Im Jahr 2015 schlug er ihr im Streit einen Wasserkocher auf den Kopf, wodurch sie eine Platzwunde erlitt. Bereits nach zwei Wochen habe sie ihn verlassen wollen, sagte die Ehefrau im Zeugenstand. Der Angeklagte habe ihr eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: "Du gehst nirgendwo hin."

Der Anklagevertreter bezeichnete die Aussage der Ehefrau als glaubwürdig. Sie habe keinen Belastungseifer und kein klassisches Rosenkrieg-Verhalten gezeigt. Auch die ermittelnden Polizeibeamten hätten ihre Glaubwürdigkeit bestätigt. Umstände, die für den Angeklagten sprechen, sah der Staatsanwalt keine. Dafür erkannte er viele Tatsachen, die gegen ihn sprechen, wie seine 14 Einträge im Bundeszentralregister. Die meisten davon sind Verkehrsdelikte. Aber auch zwei Körperverletzungen stehen auf seinem Sündenkonto.

Im Jahr 2002 hat er in der damaligen Haßfurter Bahnhofsgaststätte einen anderen Gast mit den Fäusten traktiert und auf den auf dem Boden Liegenden eingetreten. Auch mehrere Haftstrafen haben den Angeklagten anscheinend nicht beeindruckt. Die Ehefrau habe ein "mehrjähriges Martyrium" hinter sich, sagte der Staatsanwalt. Zum Teil hätten auch die Kinder die Exzesse ihres Vaters mitansehen müssen. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Besondere Umstände, die für eine Bewährungsstrafe sprechen, sah er nicht.

"Ganz anders" beurteilte Verteidiger Andreas Dräger das Verfahren. "Wie kann es sein, dass das vermeintliche Opfer es so lange mitmacht, ohne etwas davon zu erzählen?", gab er zu bedenken. Die Ehefrau habe ausgesagt, eine halbe Stunde lang gewürgt worden zu sein. Würgemale habe sie jedoch keine gehabt. "Das ist nicht darstellbar", meinte der Anwalt. Zudem seien Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe bis zum letzten Jahr ahnungslos gewesen, obwohl sie sich bereits seit dem Jahr 2007 mit der Familie beschäftigten. Darüber hinaus sollen laut Anklage drei der fünf angeklagten Taten in einem Zeitraum geschehen sein, in dem der Angeklagte in Haft war, wie der Verteidiger beschrieb. Die Anschuldigungen seien "alle sehr vage", weshalb der Verteidiger Freispruch für seinen Mandanten forderte.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 21. Oktober, um 12.15 Uhr fortgesetzt. Dann wird ein Urteil erwartet. Übrigens: Der Angeklagte hatte in der ersten Verhandlung in einem "Beweisantrag" gefordert, dass seine Kinder vor Gericht aussagen sollten. Dies blieb den Kindern erspart.