Nach einem Bericht über die Geschichte der Eberner Stadtmauer wendet sich Kreisheimatpfleger Günter Lipp einem weiteren Befestigungsring um die Stadt, dem so genannten "Bering" zu.

Wenn man den Aussiedlerhof Lützelebern einmal nicht mitrechnet, dann bestand die Stadt Ebern über Jahrhunderte aus der Kernstadt und drei Vierteln. Im Norden lag das Spitalviertel. Sein Mittelpunkt waren das 1352 gegründete Spital und der inzwischen verschwundene Glaubensteinbrunnen. Es war von der feuchten Sutte durchzogen und hatte mit dem Angerbach eine natürliche Grenze. Im Westen lag das Mühlviertel mit dem Mühlbach. Seinen Namen hat es natürlich von der Stadtmühle. Hier lagen die beiden Badstuben; hier standen das Hirtenhaus, die Malzdarre und das Armenhaus der Stadt.

Und im Süden dann Klein-Nürnberg.
Nach Karl Hoch soll es seinen Namen von den Kauf-mannszügen haben, die vor der Zollstelle am Grauturm übernachteten. Eigenartig ist nur, dass dort bisher nur ein einziges Wirtshaus bekannt ist. Es war in dem Anwesen, in dem heute die Raiffeisenbank arbeitet.

"Verplankte" Grenze

Die Bürger in der Kernstadt waren durch eine Mauer geschützt und auch die Viertel umgab eine Befestigung. Diese zweite Wehr bestand nach den bisherigen Erkenntnissen aus Gräben und Erdhügeln, die wiederum mit Pfählen und Planken bespickt, "verplankt" waren. Alles was innerhalb der Verplankung, des äußeren Berings, lag, war "zentfrei", das heißt leichte Vergehen, wie Schlägereien, kamen nur vor das Stadtgericht, nicht vor das des Fürstbischofs. "Ortssprecher" der Stadtviertel waren die so genannten "Viertelmeister".

Heute kann man den Verlauf des äußeren Berings im Groben nur noch dem ersten Katasterplan von 1852 entnehmen. Stadtchronist Johann Georg Greb beschrieb ihn damals so: "Die Mauer führte vom Pfarrgartenturm zum Angersee, dann fort jenseits des Angersees gegen Mitternacht (Anm.: Norden), etwa noch 50 Schritte bis zu einer Wendung gegen Abend." Die Verteidigungslinie lief dann am Südufer des Angerbachs entlang bis zum Kapellen- oder Angertor, das an der Innenseite der Brücke über dem Angerbach lag.

Die Eberner "Bastey"

Von dort zog sich die Wehr weiter dem Angerbach entlang bis zu seiner Mündung in den Mühlbach beim Rückertdenkmal. "Hier stoßen wir auf den Flurnamen "Bastey", ohne ihn bis jetzt genauer erklären zu können", berichtet der Kreisheimatpfleger. Der Bering läuft dann durch die Rückert-Anlage bis zum Schützentor, das schon früh die Bezeichnung "das neue Tor" (Greb) oder später "Sandhöfer Tor" erhielt. Von hier ging es durch die heutige Karl-Hoch-Anlage nach Süden bzw. Südosten. "Wir kehren zum Mühlbach zurück und überspringen diesen", fährt Lipp in seiner Schilderung fort. Nun teilte sich der Bering. Die Mauerreste und die Steine des einzigen Rundturms der Stadt bei Dr. Gemeinhardt sind ein Endpunkt und reichten vermutlich bis zum nahen Hirtentor. Die andere Abzweigung sicherte Klein-Nürnberg nach Südwesten. Sie lief am nördlichen Ufer des Hirtensees entlang, kletterte den Herrengraben (heute "Karl-Hoch-Anlage) hoch bis zur Hauptstraße, stieg nochmals kurz zum Zenthügel und lief dann im Osten hinunter zum oberen Angersee.

Hier ist sie aber noch zu wenig erkundet. Lipp mutmaßt: "Die Mauerreste, die im September 1992 beim ehemaligen Sportheim kurz freigelegt waren, könnten Reste dieses zweiten Ringes sein."

Die Eberner gaben sich viel Mühe, ihre drei Viertel, ihr Vorfeld zu sichern. 1477 wurde beispielsweise die Spitalvorstadt neu umplankt und das Kapellentor und die Brücke "wehrhaft ausgebaut". Trotzdem: Am 12. Dezember 1633 stiegen "zwo Kompagnien Reiter" aus Forchheim über die Mauern in die Vorstadt, schlugen das Spitaltor auf und raubten dem (schwedischen!) Amtskeller Johann Krüger seine "besten Mobilien (ausser die Kuh, die die Magd ander Orten versteckt)".

In diesen Jahren des 30-jährigen Krieges folgte eine Plünderung der nächsten. 1634 berichtet Krüger beispielsweise von einem Trupp Reiter: "Sind aber nicht in die Stadt kommen, sondern mit der Stadtmauern mit Steinen und Prügeln letztlich abgetrieben worden, wie es aber morgen gehen wird, kann ich nicht wissen."

Drei Tore in die Stadt

Durch den äußeren Bering führten drei Tore in die Stadt. An den Eingängen saßen jeweils eigene Torwächter. Bereits 1485 hatte Bischof Rudolph die Eberner zur Tor- und Tag- und Nachwache gemahnt. 1729 wurden die "Thorprovisaner" "zur besseren Wachbestellung unter den drey Stadttoren dahier" ermahnt. Stadtschreiber Greb nennt auch die "Instruktion", die jedem von ihnen erteilt wurde: "Die Thorschlüssel so ihm anvertraut, hat derselbe pflichtlich zu besorgen, damit früh und Abends die Thor zu sperren, nach einmal gesperrten Thor Niemand, der ihm nicht wohl bekannt und eine erhebliche Ursache zum Einlassen hat, allein und ohne Beysein der Schaarwacht aufzumachen."

Vom Flurnamen her weiß Günter Lipp, dass die Wiesen, die der Neubrückentorwart nutzen durfte, gleich nebenan in der Au lagen. Die Torwächter sollen allgemein unbeliebt gewesen sein. Ab 1820 hat man nach Greb die drei verbliebenen Tore nicht mehr versperrt, ab 1862 wurde auch das Amt nicht mehr vergeben. In den Torhäusern warteten ferner die Zolleinnehmer auf Reiter und Fuhrwerke.

Pflasterzollrecht verliehen

Das Pflasterzollrecht, das "Wegerecht", war Ebern 1481 "in Ewigkeit" verliehen worden und zum Unterhalt der Straßen im Stadtgebiet gedacht.

Die Brücke vor dem Kapellen- oder Angertor wurde nach Johann Georg Greb 1571 "nach Rathsabschied" (Anm. Ratsbeschluss) aus Steinen über den Angerbach gewölbt.

1822/23 heißt es: "Das Wachthäuslein außer dem Kapellentor bewohnt z. Zt. der ganz arme Adam Deichgräber unentgeldlich." 1818/19 hatte man bereits das Kapellentorturmhaus verkauft und 1825 wurde es abgebrochen, als Straße und Brücke verbreitert wurden. An der Ostseite der Kapellenstraße entstand 1828 ein neues Haus, in dem der jeweilige Torwart und der Kirchner für die Marienkapelle wohnten. Der Pflasterzoll wurde hier noch bis 1927/28 erhoben. Die Pfeiler am Kapellentor mit der charakteristischen Kugel an der Spitze standen bis 1950/51. Dann wurde auch das Tor(warts)haus abgebrochen.

Der Name "Schützentor" verweist darauf, dass die Stadtschützen in der Au zwischen alter und neuer Baunach (dem Mühlbach) ihre vorgeschriebenen Übungen abhielten. 1456 schon wird von einem großen Schützenfest berichtet, bei dem der erste Preis ein lebendiger Ochse war. "Später - das genaue Jahr kennen wir leider nicht - wurde es in "Neubrückentor" umbenannt, "sagt Günter Lipp: "Das könnte aber nach dem Jahr 1463 gewesen sein, in dem die Schützenbrücke über den Stadtgraben ertüchtigt wurde".

Wappen des Fürstbischofs

Die archäologischen Untersuchungen Ende November 2012 haben jedenfalls ergeben, dass das Straßenpflaster einmal mit dem der Brücke überdeckt wurde. 1477 folgte an dieser Stelle der Neubau von Tor und Mauer. Über dem Tor wurde das Wappen des damaligen Fürstbischofs und Stadtherren, Rudolph von Scherenberg, angebracht.

Das Torhaus stand an der südlichen Straßenseite und ist auf dem ersten Katasterplan von 1852 noch als Haus Nr. 123 zu erkennen. In diesem Plan wurde die Straße vom Mühlbach zum Neubrückentor übrigens vom Geometer mit "Sandhöfer Tor" eingetragen. 1831 wurde das Neubrückentor bis auf zwei Pfeiler abgebrochen, aber auch die verschwanden kurz vor der Jahrhundertwende. Aus dem Schwanhäuser Graben wurden die Friedrich-Rückert-Anlage und der Mühlgrabenweg.

Von Süden, von Lind und Heubach her, führte ursprünglich die Hauptstraße, die via regia, in die Stadt. Seltsamerweise ist von der Stelle, an der sie auf den äußeren Bering traf, nichts mehr bekannt. Sie muss aber zwischen dem Streitsgarten und der Hirschenscheune gelegen haben, denn hier ist die natürliche Scheitelhöhe. Günter Lipp dazu: "Karl Hoch gibt ihr den nicht belegten, aber sinnvollen Namen "Nürnberger Tor". Unklar ist bisher, wie der Einlass nach Klein-Nürnberg tatsächlich aussah." Es gibt, bedauert Lipp, keinerlei Bilder oder auch nur Beschreibungen davon: "Wir müssen warten, bis auch hier einmal Ausgrabungen stattfinden."

Steinerne Brücke ins Tor

An diesem "Nürnberger Tor" scheint nur gewacht und kontrolliert worden zu sein. Der städtische Pflasterzoll wurde unten vor dem Grauturm erhoben, wo die Stadt nach Greb stärker als am Kapellentor befestigt war. Das Haus mit der alten Nummer 24, das unmittelbar östlich am Grauturm ansetzte, muss seit langer Zeit Sitz der Ratsdiener gewesen sein. Zuletzt bewohnte es die Familie von Stadtinspektor August Hermsdörfer. Über den Stadtgraben führte hier früher eine steinerne Brücke ins Tor.
Das zweite, das nach Süden vorgelagerte äußere Tor wurde 1837/38 abgebrochen, da es für Frachtwagen zu eng geworden war. Neben ihm stand ein eigenes Wachhäuschen und wie am Kapelltor bewohnte es vor 200 Jahren eine "ganz arme" Bürgerin "ganz unentgeldlich".

Tor mit Sonderrolle

Eine Sonderrolle nahm das Hirtentor ein. Es lag am Hirtenberg, etwa beim Haus der Familie Gemeinhardt, und schützte das Mühlviertel nach Südosten. Heute ist das Tor völlig verschwunden.

Die Kernstadt und die drei Stadtviertel prägten das Bild Ebern über Jahrhunderte bis weit nach dem Ersten Weltkrieg. Dann entstanden die Losbergsiedlung und nach dem 2. Weltkrieg durch den starken Bevölkerungszuzug all die vielen anderen Siedlungen, die uns jetzt selbstverständlich sind. Heute hat Ebern mindestens acht "Viertel". Mauern und Tore, Wachhäuschen und Türme, Palisaden und Gräben sind als Schutz für die Bürger Gottseidank überflüssig geworden. Was heute von ihnen noch vorhanden ist soll Fremde nicht mehr abschrecken, sondern im Gegenteil anlocken. So war das vor 700 Jahren aber noch nicht vorgesehen.