Möglichst unbelastet soll es bleiben, das freundschaftliche Verhältnis zwischen Horst Hofmann und Wilhelm Schneider. Die beiden CSU-Männer wünschen sich das und bewerben sich innerhalb ihrer Partei um den Posten des Landrats-Kandidaten für die Kommunalwahlen im Jahr 2014. Das aber heißt: Sie werden zu Gegnern. Beziehungsweise sind es schon. Am Freitagabend bei der Regionalversammlung der CSU in der Stadthalle Haßfurt kämpften beide noch mit stumpfen Waffen, wenn denn von Kampf überhaupt die Rede sein kann.

Dass sich das aber bald ändern könnte, steht außer Frage. "Bisher kommen wir gut zurecht", findet Hofmann, der bereits im Landratsamt sitzt, allerdings nicht als Politiker, sondern als Geschäftsführer. Und Wilhelm Schneider, seines Zeichens Bürgermeister von Maroldsweisach, sagt, dass er seinen Kontrahenten für einen fähigen Mann halte, den er sehr schätze. "Deswegen möchte ich den Landkreis als Landrat gemeinsam mit Horst Hofmann als Geschäftsführer in die Zukunft führen." Der erste kleine Hieb sitzt, das Publikum spendet lachend Beifall.


Handwerker hört auf

Dass ab der nächsten Wahlperiode der Landrat nicht mehr Rudolf Handwerker (CSU) heißen wird, steht fest, denn der 68-Jährige will sich aus der kommunalen Spitzenpolitik zurückziehen. Wilhelm Schneider war der Erste, der als sein Nachfolger im Gespräch war. Im weitestgehend konservativ geprägten Landkreis Haßberge dürfte es für einen CSU-Mann doch eine recht einfache Sache sein, sich den Landratsposten zu sichern, wäre da nicht die innerparteiliche Konkurrenz. Ist es nicht ärgerlich, Herr Schneider, dass sich nun ein Parteifreund zu Ihrem Gegner erklärt? "Zunächst mal ist das ein ganz normaler demokratischer Prozess. Wenn er meint, er kandidiert, dann kandidiert er", sagt er. Ärgerlich findet er eher, dass der Kandidat - sei es nun er selbst oder Hofmann - bereits als neuer Landrat feststehen soll. "Es ist ein großer Fehler, wenn man meint, man hätte die Wahl bereits gewonnen." Die politischen Gegner solle man "auf keinen Fall unterschätzen", auch nicht, wenn man in seinem Gebiet mit einer breiten Basis an Wählern rechnen darf.


Schlagabtausch

Horst Hofmann, der sich später als Schneider zur Kandidatur entschieden hat, spürt jedenfalls große Lust, im Jahr 2014 das Oberhaupt im Landkreis zu werden. Dass er mit seiner Entscheidung Wilhelm Schneider verärgert haben könnte, glaubt er nicht. Das freundschaftliche Verhältnis bestehe weiterhin. "Ich hoffe, dass es unbelastet bleibt," sagt er. Auch, wenn es bis Januar zum ein oder anderen Schlagabtausch kommen wird, weil sich die Partei dann für einen der beiden Anwärter entscheiden muss (CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel spricht in diesem Zusammenhang von einem "Luxusproblem").


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Inhaltlich unterscheiden sich die zwei potenziellen Landräte bislang kaum: Hauptaugenmerk wollen beide auf den demografischen Wandel legen. "Unkonventionelle Wege" will dabei Horst Hofmann gehen. "Von der bislang geltenden Norm abweichen." Was meint er damit? Sich trauen, etwas auszuprobieren, was bislang noch nicht gemacht wurde und wo keiner weiß, wie es ausgehen könnte. Junge Menschen sollen im Landkreis bleiben und für Familien bessere Bedingungen geschaffen werden. "Es ist zum Beispiel sehr schwierig für Frauen, einen Teilzeitjob zu finden", sagt Hofmann und erklärt, dass derzeit auf eine ausgeschriebene Teilzeitstelle im Landratsamt rund 200 Bewerbungen kommen. Weil etwa jungen Müttern mit einer solchen Stelle sehr geholfen wäre, schwebt Hofmann vor, eine Agentur zu gründen, die sich speziell ums Vermitteln von Teilzeitstellen kümmert. Und um junge Menschen im Landkreis zu halten, will er "ganz bald in den Schulen anfangen" und 13- bis 14-jährige in Kontakt mit Firmen bringen, um ihnen Karrierechancen vor Ort und Wege aufzuzeigen.

Wilhelm Schneider hat ähnliches im Sinn, sagt: "Einen Königsweg habe ich natürlich nicht." Ein Ansatzpunkt ist für ihn, verstärkt "qualitative Arbeitsplätze" hier anzusiedeln, um den Nachwuchs für den Landkreis zu begeistern. "Die jungen Leute gehen zum Studieren weg. Und bleiben weg." Das soll sich ändern, auch er hält es für notwendig, Schule und Wirtschaft enger in Kontakt zu bringen.

Wer sich programmatisch so wenig unterscheidet, wird demzufolge in der Partei auch weniger mit Inhalt punkten (es sei denn, es findet doch noch einer den Königsweg), denn mit Sympathiewerten. Hofmann, der die CSU Haßfurt hinter sich hat, wird darauf bauen, dass er von "seinem" Lager nicht im Stich gelassen wird. Schneider dagegen, der aus dem ländlichen Maroldsweisach kommt, gilt als Rudolf Handwerkers Favorit. Der amtierende Landrat hatte Schneider selbst als seinen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Einen der beiden zum Favoriten zu erklären, ist angesichts der auf beiden Seiten vorhandenen Rückendeckung nicht einfach. Und freilich: Wenn im Januar die Entscheidung fällt, wird einer der beiden traurig sein. Freunde hin oder her.