Die Langenzenner Biberschwänze waren über die Jahre an der Nordseite bereits arg vermoost und mürbe geworden, an einigen Stellen an den Kirchenwänden zeigte sich grüner algiger Belag, weil massive Feuchtigkeit in den Wänden steckte. Und nicht zuletzt war nach 40 Jahren das Weiß der Wände grau. Grund genug für den Kirchenvorstand über eine Verjüngungskur für die Hellinger Kirche nachzudenken.

In den letzten beiden Jahren ist in dem Königsberger Stadtteil und seiner Kirche Einiges geschehen, wie Pfarrerin Claudia Winterstein erzählt. Etliche Helfer haben ehrenamtlich viel Zeit und Energie eingesetzt, um die Kosten der Sanierung im Rahmen zu halten. Einige Hürden galt es zu überwinden und geduldig zu bleiben. Deshalb zogen sich die Bauarbeiten auch bis heuer hin.

"In diesem Frühjahr können wir nun endlich die Sanierung abschließen", sagt Winterstein zufrieden.
Vom Dach bis zur Drainage wurde das Kirchengebäude einer gründlichen Renovierung unterzogen. Im Außenbereich wurde das Dach komplett neu gedeckt und die Regenrinnen ebenfalls erneuert, sowie das bröckelige Sandsteingesims von einer Fachfirma instandgesetzt und imprägniert.

Die Kirche glänzt jetzt schon von weitem mit ihrem Anstrich. Die Drainage haben Hellinger Männer in Eigenleistung freigelegt, gereinigt, neu verputzt und versiegelt. Im Innenraum musste der Putz an vielen Stellen abgeschlagen, sowie eine Wandheizung angebracht werden, die dafür sorgen soll, dass das Wasser nicht wieder die Wände hochsteigt. Ein neuer Anstrich und neue Lampen geben der Kirche ein einladendes Aussehen. Nach 40 Jahren - so lange ist die letzte Sanierung her - war das auch fällig, bilanziert die Pfarrerin.

Letzte Bauphase vor 300 Jahren

Warum nimmt eine Kirchengemeinde eine solch große Investition in die Hand? Nicht nur, weil es nötig war und das kleine Kirchlein besonders schlicht und hübsch ist. Der Altarbereich und die Sakristei sind wohl die ältesten Bestandteile des Gebäudes und romanischen Ursprungs. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche gotisiert, also statt runder Bögen an den Fenstern und Türen wurden Fenster und Türen nun spitzbogig gestaltet. Im Innenraum wurde eine Sakramentsnische in die Ostwand des Chorraums eingearbeitet, die deutlich gotische Züge trägt. Zwei der drei Glocken stammen aus dem 16 Jahrhundert und wurden in Nürnberg gefertigt. Die älteste dritte Glocke ist auf Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhundert zu datieren. Die letzte umfangreiche Bauphase ist um 1714 zu datieren. Seitdem steht die Kirche so da, wie sie heute aussieht. Im 18. Jahrhundert wurden Kanzel, Taufbecken und Lesepult eingebaut. Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite können die evangelischen Christen in Hellingen ein großes Jubiläum feiern: Seit dem Jahr 1714 - seit 300 Jahren also - steht die Kirche in ihren heutigen Erscheinungsbild da, doch eigentlich ist das Gebäude deutlich älter. Ursprünglich wurde die Georgskirche vom Augustinerkloster Königsberg aus besorgt und 1449 Tochterkirche der Pfarrkirche Königsberg. 1472 galt die Hellinger Kirche als selbstständige Vikarei, in der Zeit der Reformation 1525 wurde sie dann Pfarrkirche mit eigenen Pfarrern.

Ende des 30-jährigen Krieges bis 1690 litt Hellingen unter einem Pfarrermangel. Deshalb wurde die Kirche wieder von Königsberg aus versorgt. Jetzt aber in protestantischer Weise. Über die Zeit gab es 33 Pfarrer. Bislang einzigartig ist eine Pfarrerin an der Spitze der Hellinger Gemeinde: Claudia Winterstein ist seit 2004 im Amt.
Die Kirche ist dem Heiligen Georg geweiht. Dieser hatte für seinen Glauben Folter ertragen und wurde mit Hilfe seines Gottvertrauens gerettet. Sein mutiger Einsatz rettete anderen das Leben. Durch sein Vorbild kamen viele zum Glauben.

Erste Kirchweih

In Hellingen feiert man an Georgi (23. April) oder am Sonntag nach Georgi jährlich das Kirchweihfest. Diese Kirmes eröffnet damit den Reigen der Kirchweihen im Haßgau. Heuer dürfen die Hellinger ihre Kirche im Ort besonders feiern, denn sie erlebt ihr 300-jährigs Bestehen und der Kirchenchor Hellingen sein zehnjähriges Bestehen.

Winterstein bilanziert: "Wir sind dankbar für ein schönes und einladendes Kirchengebäude, das wir nun wieder haben und das kirchliche Leben - wenn auch in kleinem und bescheidenem Umfang vor Ort. Grund zum Danken haben wir auch für unseren Kirchenchor, der eine echte Bereicherung der Gottesdienste ist."


Das Festwochenende