Alles begann mit Bier, dann kam Schnaps dazu. Das Resultat am Ende einer feuchtfröhlichen Sause mit Kumpels in Bamberg: 2,33 Promille Alkohol im Blut eines 32-jährigen Mann, der sich jetzt vor dem Amtsgericht in Haßfurt wegen Beleidigung verantworten musste.

Gemeinsam mit einem ebenfalls alkoholisierten Freund war er in den falschen Zug gestiegen: Statt nach Forchheim fuhren die zwei Männer im Januar dieses Jahres von Bamberg gen Haßfurt. Zwischen Ebelsbach und Zeil kam es dann zu einer Auseinandersetzung mit dem Zugbegleiter.

In einem vorangegangenen Prozess vor knapp einem Monat war der Freund des Angeklagten bereits zu sieben Monaten Haft (ausgesetzt zur Bewährung) sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, weil er den Schaffner übel beleidigt und ihm noch dazu eine wuchtige Kopfnuss verpasst hatte.


Nun ging es um das Strafmaß für den 32-Jährigen, der zwar nicht geschlagen, dafür aber den Zugbegleiter laut Staatsanwaltschaft als "Arschloch" bezeichnet hat. Zudem soll er "Verpiss dich" gerufen haben. Weil ihn der als Zeuge geladene 42-jährige Zugbegleiter vor Gericht aber als eher zurückhaltend und nicht so aggressiv beschrieb, wurde das Verfahren gegen den 32-Jährigen gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

Keine Erinnerung

An das, was in der Nacht am 26. Januar dieses Jahres passiert ist, konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Zu betrunken sei er gewesen, meinte er. Weder könne er bestätigen, dass er die Worte gesagt habe, noch könne er es ausschließen.

Weil der Alkoholtest erst vier Stunden nach dem Vorfall gemacht worden war, ging Richter Roland Wiltschka bei dem Mann sogar von einem Promillewert in Höhe von etwa 2,8 zur Tatzeit aus: "Ein Wunder, dass Sie überhaupt noch einen Zug gefunden haben", sagte der Vorsitzende Richter zu dem Beschuldigten.

Im Nachhinein ganz schön peinlich

Jedenfalls war dem 32-Jährigen der Vorfall offensichtlich peinlich. Er hatte sich bereits kurz nach der Tat bei dem Zugbegleiter entschuldigt und tat dies im Gerichtssaal erneut.

Der 42-jährige Schaffner zeigte sich auch kein bisschen nachtragend und nahm die Entschuldigung "mehrfach" an. Er erklärte, dass der 32-Jährige weitaus zurückhaltender agiert habe als sein Kumpan, an die Schimpfwörter konnte er sich im Wortlaut nicht mehr erinnern beziehungsweise sie einem der beiden zuordnen: "Es ging ja alles so schnell."

Beleidigungen sind üblich

Der Schaffner - ein großer, kräftiger, fülliger Mann - berichtete ziemlich entspannt über den Vorfall im Januar: Dass er von betrunkenen Fahrgäste angepöbelt oder beleidigt wird, "das ist Tagesgeschäft". Normalerweise zeige er die unflätigen Bahnkunden auch nicht an, da diese Verfahren sowieso meist "wegen Geringfügigkeit" eingestellt würden. Aber nachdem er erstmals auch körperlich attackiert worden war, rief er die Polizei: "Ich muss mir ja nicht alles gefallen lassen."

Da gab ihm Richter Roland Wiltschka Recht: "Das ist nicht gerade der leichteste Job, sich jeden Tag mit Betrunkenen rumzuschlagen." Da müsse man sich von Leuten beleidigen lassen, die meinen, nach einer Flasche Schnaps können sie sich alles erlauben.

"Sie waren halt hackedicht", sagte Wiltschka zu dem 32-Jährigen. "Das Verfahren können wir einstellen. Aber bezahlen müssen S' schon was." Damit war der Angeklagte einverstanden: Sobald er bis zum 20. September dieses Jahres 500 Euro an das Kinderheim St. Josef in Eltmann bezahlt hat, ist die Sache für ihn endgültig erledigt.