"Der Geist Gottes lässt sich nicht in kirchliche Strukturen einsperren. Wo sich das Leben des Geistes bemerkbar macht, kann es auch für Erstaunen oder gar Unruhe sorgen." Das hat Bischof Friedhelm Hofmann bei der Diakonenweihe am vergangenen Samstag im Würzburger Kiliansdom betont. Hier wurden der Ziegelangerer Franz Schick und drei weitere Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Sie könnten "weit mehr in die Gesellschaft hinein wirken als wir Priester es können", sagte der Bischof. Unter Handauflegung und Gebet weihte er die vier Gläubigen.

Rund 600 Gläubige feierten

Der Festgottesdienst stand unter dem Satz aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus: "Ein Geist - viele Gaben.
Ein Leib - viele Glieder." An der Feier nahmen Generalvikar Karl Hillenbrand, Personalreferent Domkapitular Monsignore Dietrich Seidel, Pfarrer Albin Krämer, Geistlicher Begleiter der Diakone, zahlreiche Priester und Diakone sowie Verwandte, Freunde und Bekannte der neuen Diakone teil. Insgesamt feierten mehr als 600 Gläubige den Weihegottesdienst mit.
Der 49-jährige Franz Schick arbeitet als Gärtnermeister bei der Stadt Bamberg. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Sein Praktikum absolvierte er in der Pfarreiengemeinschaft Sankt Kilian Haßfurt. Die Ausbildung zum Ständigen Diakon ist nebenberuflich und dauert mindestens vier Jahre. Sie ruht auf den Säulen Theologie, Pastoral und geistliche Begleitung. Nach der Weihe schließen sich weitere zwei Ausbildungsjahre an, die Berufseinführungsphase.
In seiner Predigt zur Weihe griff Bischof Hofmann die Botschaft von Papst Franziskus auf, der deutlich mache, dass Kirche sich nicht an Privilegien und eingefahrene Strukturen klammern dürfe, sondern ganz offen sein müsse für den Anruf Gottes. Am Beispiel Jesu könne man lernen, arm zu werden und sich den Armen und Bedürftigen zuzuwenden. Die von Paulus vertretene Sicht der verschiedenen Gnadengaben, die alle aus dem einen Heiligen Geist stammten, stehe nicht im Gegensatz zum kirchlichen Recht, sondern fülle den ganzen Lebensraum der Kirche aus. "Die Gläubigen sind nicht einfach Befehlsempfänger von oben, die nur zu handeln haben, wenn sie ‚von oben‘ dazu aufgefordert werden. Diejenigen, die das Amt in der Kirche innehaben, dürfen nicht das Bewusstsein haben, dass sie gnädig herablassend Anregungen ‚von unten‘ entgegenzunehmen hätten."
Paulus habe bereits betont, dass in jedem Christen Gottes Geist da sei und jeder diesen auf seine Weise zum Leuchten bringe. "Es gibt keine Ausnahme, in jedem Geistgetauften sind Potenzen, die geweckt, entfaltet, von der Kirche angenommen werden müssen", betonte der Bischof. Es sei fatal, auf diese Geistesgaben zu verzichten. "Eine bittere Verarmung der Gemeinden wäre die Folge.
Der Bischof ermunterte die Gläubigen, dem Heiligen Geist Raum in der Kirche zu lassen und Mitdenken, Mitverantwortung und Mithandeln zuzulassen. Der Ständige Diakonat sei eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, die im Bistum Würzburg aufgeblüht sei. "Die Kirche hat als Grundauftrag Jesu seine uns verkündete vorgelebte Liebe durch die Zeiten - in unserem eigenen kleinen Leben - weiterzugeben, jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, eben nach den uns verliehenen Gnadengaben.

Gehorsam gelobt

Zu Beginn der Weihe wurden die vier Kandidaten einzeln aufgerufen. Sie versprachen, ihr Leben an Jesus Christus auszurichten und ihm besonders in Armen, Kranken, Heimatlosen, Notleidenden und allen Ausgegrenzten zu dienen. Dem Bischof gelobten sie Gehorsam. Während der Anrufung der Heiligen lagen die Männer als Zeichen der Hingabe an Christus ausgestreckt auf dem Boden. Danach legte ihnen Bischof Hofmann schweigend die Hände auf und sprach das Weihegebet. Mit den vier neu Geweihten gibt es 205 Ständige Diakone im Bistum Würzburg. 71 von ihnen wirken hauptberuflich, 134 nebenberuflich oder im Ruhestand.