Wegen des Lockdowns hat das Capitol Theater in Zeil seine Pforten wochenlang schließen müssen – erstmals seit der Eröffnung im Dezember 1953. Ab Montag, 15 Juni, hat die Durststrecke für Bruno Schneyer ein Ende: Er darf das einzige Kino im Landkreis wieder öffnen.

Grünes Licht hierfür gab Bernd Sibler, der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, bei einer Pressekonferenz am 26. Mai: "Ruhig besonnen und Schritt für Schritt" hätten die Verantwortlichen ein Konzept entwickelt, um den Kultur-, Theater- und Kinobetrieb wieder hochzufahren. "Das ist die gute Nachricht des heutigen Tages", verkündete Sibler damals.

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Kinos in Bayern dürfen wieder öffnen: Das müssen Kinogänger beachten

Unter den entsprechenden Hygienevorschriften seien in geschlossenen Räumen wieder Vorführungen vor maximal 50 Zuschauern möglich – der Minister machte jedoch auch Hoffnung auf mehr: Sofern sich die pandemische Lage weiter entspanne, sei es auch denkbar, wieder 350 Gäste in geschlossenen Sälen zuzulassen. "Das müssen wir aber eben dann entscheiden, wenn's die Situation tatsächlich zulässt. Für den 15. gilt jetzt das Loslegen mit den 50 Personen."

Diese müssen sich jedoch vorerst auf besondere Auflagen einstellen: "Eigener Mund-Nasen-Schutz, Abstandsregeln, prinzipiell alles, was für die Gastronomie gilt", fasst Schneyer zusammen. Speziell auf den Kinobetrieb zugeschnittene Anforderungen seien bisher nicht bekannt. In dem Zusammenhang sprach Sibler auf der Pressekonferenz von Überlegungen mit "Shields", also Visieren aus Plastik. Die würden den Besuchern beispielsweise das Essen von Popcorn erleichtern.

Die Vorschriften bedeuten, dass der Kinosaal in der Unteren Scheuerngasse etwas ausgedünnt sein wird – zumindest was die menschlichen Besucher des Capitols angeht.

Um Abstandsregeln einzuhalten: Kino-Gäste sollen Puppen mitbringen

Denn für die restlichen Plätze hat Schneyer eine lustige Idee: Er bittet seine Kinogäste "alle Formen von möglichst großen Puppen auf den dann gesperrten Sitzen links und rechts neben sich zu platzieren." So würde der Kinosaal trotz Corona voll und der einzelne Besucher fühle sich nicht so allein, wenn er das Auftaktprogramm besucht.

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Das wartet an den ersten drei Tagen nach der Wiedereröffnung mit einigen Klassikern auf. So präsentiert Schneyer seinem Publikum Sergio Leones Westernklassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" oder etwa Josef Vilsmaiers Kinoerfolg "Comedian Harmonists". Letzterer handelt von einem Berliner Gesangsensemble, das sich während der Zeit des Nationalsozialismus verschiedenen Zerreißproben ausgesetzt sieht.

Bevor es mit der Verfilmung von Hermann Hesses Klassiker "Narziss und Goldmund" sowie "Die Känguru-Chroniken" weitergeht, steht am 17. Juni noch ein französischer Streifen auf dem Programm: "Die Dinge des Lebens" von Claude Sautet mit der im Jahr 1982 verstorbenen deutsch-französischen Filmikone Romy Schneider in einer der Hauptrollen. Aber auch dem jüngeren Publikum soll mit "Lassie" etwas geboten werden.

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Auf den Kontakt zu seinem Publikum – wenn auch coronabedingt reduziert – freut sich Schneyer am meisten. Dass dieses nach Wochen des Fernsehschauens in den eigenen vier Wänden in Zukunft wieder Lust auf Kinobesuche haben werde, steht für ihn außer Frage: "Menschen gehen nun mal gerne zusammen aus und freuen sich am gemeinsamen Erleben von allem, worüber man sich gerne austauschen möchte."

Entschleunigung in der Krise

Das gemeinsame Erleben kam in den vergangenen Wochen zu kurz. Dennoch lässt sich aus jeder Krise auch ein Nutzen ziehen. Auch für Schneyer war dieser spürbar. So habe die coronabedingte Entschleunigung den Menschen und der Natur sicher gutgetan. "Zeit kann man privat nur nutzen, wenn man sie hat. Plötzlich war sie im Überfluss vorhanden – da hat man endlich Zeit für Hobbys oder auch nur zum Ausschlafen", sagt Schneyer.

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Nichtsdestotrotz galt es, die finanziellen Ausfälle zu kompensieren. "Wir erhielten Soforthilfen und finanzielle Unterstützung von unseren Kinoverbänden", sagt der Kinobetreiber. Aber auch nach der Wiedereröffnung werden die Umsätze erst einmal geringer bleiben. Auch hier will die Landesregierung einspringen und verspricht zwölf Millionen Euro Anlaufhilfe für existenzbedrohte Kinos bis zum Jahresende, wie der Internetseite von Staatsministerin Judith Gerlach zu entnehmen ist.

Wegen strenger Auflagen: Nicht alle Kinos öffnen sofort

Die strengen Auflagen, die für die Wiedereröffnung der Lichtspielhäuser gelten, sorgen indes dafür, dass nicht alle Kinos, die jetzt öffnen dürften, auch tatsächlich öffnen. Das zeigen einige Beispiele aus der Region: So öffnet das Cineplex Kulmbach etwa  erst ab 1. Juli. Auch die Neue Filmbühne in Lichtenfels wartet noch ab - mit Absicht. Aktuell wird am Hygienekonzept gefeilt - einen genauen Termin für die Wiedereröffnung gibt es noch nicht.