Von der Friedhofstraße kommend, steuert Florian Pfaff den roten 15-Tonner auf die Lange Gasse. Am rechten Straßenrand ist ein Wohnmobil geparkt, kurz dahinter ein weißer Opel auf der linken Straßenseite. Pfaff hat keine drei Meter Platz, aber ein zweieinhalb Meter breites Fahrzeug unter dem Allerwertesten. Er geht vom Gas, zirkelt das große Lenkrad langsam nach links, nach rechts und gibt dem Diesel einen sachten Pedaltritt. Geschafft.
"Aber im Ernstfall, wenn es um jede Sekunde geht, wäre das eine doofe Situation gewesen", sagt Tobias Hetterich. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Zeil leitet vom Beifahrersitz aus die Schulungsfahrt des Kollegen Pfaff. Hetterich lässt ihn bewusst einige Engstellen im Zeiler Straßennetz abfahren. Auch eine Berganfahrt in Schmachtenberg gehört zur Fahrstunde.

Pfaff muss das nagelneue HLF-20 (Hilfeleistungslöschfahrzeug) am steilsten Punkt der Straße anhalten.
Dann drückt er mit rechts die Taste für die Kletterbremse und nimmt den Fuß vom Bremspedal. "So verhindern wir, dass das Fahrzeug zurückrollt, wenn der Fuß vom Brems- zum Gaspedal zurückwechselt", sagt Hetterich. Pfaff lässt den Diesel aufröhren, und als er den Zug nach vorne spürt, nimmt er den Finger von der Kletterbremse.

Eine Stunde lang lässt Hetterich Pfaff die Zeiler Straßen abfahren, dann ist die Schulungsfahrt beendet. Pfaff hat sich keine Fehler erlaubt, weder gezittert, noch sein blaues Shirt durchgeschwitzt. "Das Fahrzeug ist sehr leichtgängig, präzise zu bedienen und dank sechs Spiegeln und einer Rückfahrkamera gut überschaubar", sagt Pfaff. Er wird bei Einsätzen in Zukunft als Gruppenführer und Hauptfahrer die Regie über das HLF-20 führen. Gute fünf Fahrstunden hat er unter Hetterichs Obhut gemacht, zusätzlich einige Stunden lang mit der technischen Ausrüstung des Fahrzeugs geübt.

Auf dem Hof vor dem Fuhrpark der Zeiler Feuerwache öffnet Tobias Hetterich die groben, grauen Jalousien an den Seiten des HLF-20 und macht so die Breite der Einsatzmöglichkeiten deutlich. "Brände machen nur noch maximal 40 Prozent unserer Einsätze aus. Meistens ist es technische Hilfeleistung", sagt der 33-Jährige.
Ein Bereich am Wagen deckt die Brandsituation ab: mit schweren Schläuchen und den Schaumwerfern. Tanks mit 1600 Litern Wasser und 200 Litern Schaum erkaufen den neun Mann Besatzung im Brandfall Zeit, bis der Rest des Trupps nachrückt. An der linken Seite des HLF-20 sind hydraulische Scheren angebracht, ein silberner Koffer mit einem Unfall-Kit und Äxte, mit denen verschlossene Türen geöffnet werden. Auf dem Dach liegen mehrere Leitern in Schienen und ein Lichtmast, der elektrisch ausgefahren wird und für Übersicht am Einsatzort sorgt.

Der rote Riese ersetzt zwei ältere Fahrzeuge, die nach guten 30 Jahren Einsatzzeit ausgedient haben. "Die waren nicht mehr auf dem neuesten Stand. Da fiel es schwer, für einen reibungslosen Einsatz zu garantieren", sagt Hetterich. Oft werde den Feuerwehrleuten vorgeworfen, sie schafften sich "neue Spielzeuge" an. Doch das sei falsch: "Uns ist egal, was wir fahren. Aber im Ernstfall, wenn es um jede Minute geht, kann gute Technik über den Ausgang entscheiden."

Die Zeiler Wehr hat fast zwei Jahre an der Konfiguration und den Details des Fahrzeugs geplant. Sie haben 2100 Stunden ihrer Freizeit investiert, bis das HLF-20 am 28. März auf den Hof rollte. Außerdem lange Abstimmungsprozesse mit den Verantwortlichen der Stadt geleistet, bis die Finanzierung des 380.000-Euro-Projekts stand. Eine Spaßveranstaltung sei das Ganze nicht gewesen, sagt Hetterich. Aber dass der Aufwand sich gelohnt hat, zeigte der erste erfolgreiche Einsatz des neuen Fahrzeugs beim Brand der ehemaligen Tennishalle in Haßfurt.