Es ist ein bisschen die Suche nach dem Stein der Weisen. Wie und wo kann Zeil seine Attraktivität so steigern, dass die Stadt fit ist für die Zukunft und modernen Ansprüchen gerecht wird? Klingt etwas theoretisch, könnte in der Praxis aber zum Beispiel heißen: Wie schafft es die Stadt, dass Menschen in der schönen Altstadt wohnen und leben möchten? Und das hat, jetzt wieder ganz konkret, viel mit Steinen zu tun. Mit Steinen der alten Häuser, die nicht leer stehen sollen, mit Pflastersteinen, die die Straßen und Plätze in der Innenstadt dominieren.

Umfassende Herangehensweise

Um für die Zukunft gewappnet zu sein und um sich, neudeutsch ausgedrückt, gut aufzustellen oder richtig zu positionieren, hat Zeil einen Prozess angestoßen, der die Zukunftsfragen beantworten soll.
Die Stadt will unter Mithilfe der Bürger und eines Planungsbüros ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeiten. Integriert bedeutet, dass nicht nur einzelne Bereiche angeschaut werden sollen, wie etwa die Gestaltung eines Platzes, sondern ein umfassendes Zukunftsbild entworfen wird. Soziale Aspekte sollen dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Fragen des Verkehrs, des Tourismus', der Energie, der Kultur, der Freizeit und des gemeinschaftlichen Lebens.

Zeil hat das Konzept jetzt ins Rollen gebracht. Dazu fand am Dienstagabend im Rudolf-Winkler-Haus die Auftaktveranstaltung statt. Rund 40 Bürger waren gekommen, unter ihnen viele Stadträte. "Wir begeben uns auf einen Prozess", beschrieb der Architekt Joachim Schmitz-Klopf, der mit seinem Planungsbüro in Bayreuth bereits seit 25 Jahren für Zeil tätig ist, das Vorhaben, das für konkrete Projekte mit Mitteln aus der Städtebauförderung bezuschusst wird. Er bat die Bürger, sich auf diesen Prozess einzulassen und eigene Ideen und Vorschläge einzubringen. Das Ziel sei es, ein Handlungskonzept zu bekommen, in dem einzelne Maßnahmen realisiert werden. Einfließen werden auch die Ergebnisse bereits vorliegender Untersuchungen und Befragungen.

Zum Beispiel die Masterarbeit von Nathalie Kaup. Sie hatte als Studentin vor einem Jahr die Zeiler nach ihren Lebensumständen befragt. Das Ergebnis, das die Stadt als sehr repräsentativ einstuft, lässt auf eine hohe Zufriedenheit der Einwohner schließen.

Appell an die Bürger

Schmitz-Klopf wie auch Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) appellierten an die Bürger, bei der Erarbeitung des Konzepts mitzuwirken. Es solle "nichts übergestülpt" werden, versprach Stadelmann, sondern die Bürger sollen einbezogen werden. "Es ist unsere Stadt", betonte er.

Joachim Schmitz-Klopf kennt Zeil, und er hat den Blick des Außenstehenden und Planers auf die Stadt. Zunächst einmal fällt seine grundsätzliche Einschätzung der Situation positiv aus. "Zeil ist durchaus ein Ort, wo man hinziehen möchte", sagte er am Dienstagabend im Rudolf-Winkler-Haus. Die vielen herrlichen Ensembles in der Altstadt stünden für sich, lobte er. "Da kann man als Planer nicht viel machen." Und: Zeil sei "strategisch sehr interessant". Damit meinte er, dass die Stadt verkehrstechnisch gut angebunden sei mit Straßen, Bahn und Main (Wasserstraße).

Joachim Schmitz-Klopf wäre jedoch kein Architekt, wenn er nicht ein Aber finden würde. Es waren mehrere Punkte, die er in die Diskussion warf. Er schilderte Ansätze für Verbesserungen.
Ein Schlaglicht warf er auf die Leerstände in der Altstadt. Zwar tut sich immer wieder etwas und ungenutzte Gebäude werden saniert, aber auf dem Feld könnte die Stadt sicher mehr tun. Der Architekt schlug vor, Investoren über das Internet zu suchen.

Uneinheitlich

Die Bamberger Straße könnte nach seiner Ansicht ein neues Gesicht vertragen. Sie kommt mit ihrer breiten Trasse, vielen geparkten Autos, Gewerbe und offenen Flächen sehr uneinheitlich daher.
Der Stadtsee könnte und sollte, wie der Planer vorschlug, aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. "Vielleicht kann man den auch wachküssen."
In der Diskussion kamen die 40 Teilnehmer rasch auf die Themen zu sprechen, die die Stadt und ihre Bürger seit längerer Zeit bewegen. Das Pflaster auf Straßen und Plätzen in der Altstadt, das nicht allen gefällt und das vor allem die Begehbarkeit für ältere Menschen einschränkt, wurde angesprochen. Gehweg-Streifen aus Stein, die eine glatte Oberfläche haben, könnten eine Lösung sein.
Das Parken in der beengten Altstadt und vor allem in der Hauptstraße wurde diskutiert. Ein Thema, das in der Vergangenheit schon für erhebliche Kontroversen gesorgt hat und für das es offenbar keinen Königsweg gibt. Zuletzt hatte die Stadt Parkflächen auf den Gehsteigen in der Hauptstraße markieren lassen. Die Autos stehen trotzdem kreuz und quer auf der Straße, auf den Gehwegen oder gleichzeitig auf beiden. "Dafür gibt's keine Lösung", ist Bürgermeister Thomas Stadelmann der Resignation nahe. Egal was die Stadt mache, Kritik werde immer laut, sagte er. Dennoch hat der Bürgermeister die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eine akzeptable Lösung noch gefunden werden kann.
Eine Ursache des Problems ist, dass die Stadt bei der Hauptstraße nicht der Herr im eigenen Haus ist. Die Trasse ist nach wie vor Bundesstraße und steht damit unter der Trägerschaft des Staatlichen Bauamtes. Zeil kann nicht tun, was es tun will. Der Bund redet mit. Zwar müsste die Hauptstraße längst abgestuft sein, denn parallel zu Autobahnen verlaufende Bundesstraßen soll es nicht geben. Aber passiert ist bisher nichts. "Wir warten seit 15 Jahren auf die Abstufung", beschrieb der frühere Bürgermeister Christoph Winkler das Dilemma. Das sei ein "komplizierter Prozess".
Der hat auch wesentlichen Einfluss darauf, wie der Verkehr in Zukunft geregelt werden kann. Fakt ist, dass sich trotz Umgehungsstraße viel zu viele Fahrzeuge durch Zeil bewegen. Mit dem Bau des Kreisverkehrs auf der Bundesstraße zwischen Zeil und Haßfurt ist die Akzeptanz der Umgehung zwar besser geworden, und sie dürfte noch einmal höher werden, wenn, wie offenbar geplant, ein weiterer Kreisverkehr auf der "Zucker"-Kreuzung (Zubringer, Umgehungsstraße) errichtet wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Zeil weiterhin starken Verkehr innerorts verkraften muss. Die Frage ist: Wie kann der gesteuert (reduziert) werden?
Diese und andere Fragen zur Zukunft der Stadt sollen in den nächsten Wochen und Monaten intensiv diskutiert werden. Dazu möchten der Planer Joachim Schmitz-Klopf und Bürgermeister Thomas Stadelmann Arbeitskreise bilden, an denen sich die Bürger beteiligen sollen.
Der Architekt schlug dazu fünf Themenfelder vor. Der erste Themenkreis könnte folgende Inhalte haben: Städtebau, Wohnen, vor allem Wohnen in der Altstadt. Das zweite Themenfeld: Verkehr, Parkplätze, Arbeiten und Gewerbe. Der dritte Themenkreis: Demografie, Senioren und Dienstleistungen. Viertes Themenfeld: Freizeit, Naherholung, Tourismus. Und der fünfte Themenkomplex: Junge Familien, Kinderbetreuung, Bildung und Kultur.

Wohnen in der Altstadt

Der Planer Joachim Schmitz-Klopf könnte sich vorstellen, dass die Themen zusammengefasst und statt fünf nur drei Arbeitskreise gebildet werden. Wichtig ist, dass die Bürger mitmachen. Sie sollen Ideen und Vorschläge vorbringen, damit Ziele beschrieben und Projekte angegangen werden können.
Zum Beispiel: Wie sieht modernes Wohnen in der Altstadt aus? Wie kann dort attraktiver Wohnraum auch für junge Leute geschaffen werden, ohne alte, gewachsene Strukturen und historische Belange zu zerstören?

Standpunkt: Der richtige Weg - mitmachen statt meckern

Da war doch mal was? Ja, stimmt. Vor Jahren hatte Zeil ein Gutachten anfertigen lassen zur Verkehrslage in der Stadt. Parken in der Altstadt, die Regulierung der Verkehrsströme, Einschränkungen für die Autos auf dem Marktplatz und eine mögliche Einbahnregelung wurden monatelang diskutiert. Meistens sehr
kontrovers.
Jede Lösung, die vorgeschlagen wurde, stieß auf Kritiker. Rufe nach Änderungen und Neuerungen verhallten spätestens dann, wenn Anlieger beispielsweise für Ausbauten oder die Ausweisung von Anwohner-Parkplätzen mitzahlen sollten.
Am Ende der Diskussionen blieben Ratlosigkeit und lange Gesichter zurück. Nichts änderte sich. Keine andere Lösung als die bestehende hätte sich durchsetzen lassen. Alles blieb beim alten.
Wird das diesmal in Zeil auch wieder so sein, wenn bei der Erstellung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes über das Thema Verkehr diskutiert wird? Es ist zu befürchten, denn die Ideallösung, mit der alle zufrieden sein können, gibt es wohl nicht.
Gleichwohl lohnt es sich, über das Thema nachzudenken. Immer wieder. Die Zeit steht nicht still, und was gestern noch unmöglich erschien, ist heute vielleicht ein Weg.
Toll wäre, wenn viele Bürger bei der Konzept-Erarbeitung mitwirken würden. Hier besteht die Möglichkeit mitzureden. Meckern und sagen, was schlecht ist, kann jeder. Konstruktive Vorschläge unterbreiten und Ideen entwickeln, ist der bessere Weg. Auch wenn's nicht klappt.