Sieht so aus, als wäre Magie vonnöten, will man nachmachen, was Richard Volpatti da zeigt. Der Zauberkünstler lässt den Zuschauer eine Spielkarte ziehen und signieren. Die Karte kommt zurück in den Stapel, der Stapel zurück in die Verpackung und dann wird alles in eine Papiertüte gesteckt. Der Zuschauer hält ein Messer mit der Spitze nach oben, Volpatti nimmt die Tüte mit dem Kartenspiel und haut sie auf das Messer. Das Material fliegt umher, doch eine Karte sitzt aufgespießt auf dem Messer. Freilich ist es die signierte. Gibt's nicht!

Geheimnis waren

"Der Trick kommt sehr gut an beim Publikum", sagt der Königsberger Volpatti, der sich auf der Bühne "Magic Richie" nennt. Das Publikum kann sich schlicht nicht erklären, wie das funktionieren soll. Volpatti könnte es erklären, tut es aber nicht. "Das kann ich nicht verraten", bedauert er.
Zauberergeheimnis. Berufskollegen würden ihn ächten, gäbe er den Trick preis. Denn hinter all den Illusionen steckt eine Menge Arbeit. Außerdem kosten derlei große Tricks Geld. Oftmals ist es so, dass Zauberer, die die Illusion erfunden haben, sie an andere Zauberer in Seminaren weitergeben. An vielen Seminaren kann nur teilnehmen, wer schon eine gewisse Stufe erreicht hat, was die Zauberfähigkeiten angeht. Volpatti hat so viel Zeit in sein einstiges Lieblingshobby gesteckt, dass er heute davon leben kann.

Nichts vormachen

Zumindest aber ist der Königsberger seinem Publikum fair gegenüber: Er würde nie jemandem weiß machen wollen, da wäre echte Magie im Spiel, sagt er. Es gebe da einige Berufskollegen, die das anders handhaben. Man denke nur an Uri Geller, der behauptet, er könne tatsächlich per Gedankenkraft Löffel verbiegen. Volpatti versichert: Es ist ein Trick. Manipulierte Löffel und Materialeigenschaften spielten dabei ein Rolle. Und Geschicklichkeit. Wirklich zaubern dank übernatürlicher Fähigkeiten, dass könne keiner seiner Kollegen. Volpatti, der sowohl auf kleinen Veranstaltungen vor Kindern als auch mit Großillusionen vor großem Publikum bei Gala-Shows auftritt, achtet darauf, besonders die Leichtgläubigkeit der jungen Zuschauer nicht auszunutzen. "Wenn mich ein Kind nach der Vorstellung fragt, ob ich wirklich Gedanken lesen kann, dann sage ich: Nein, das ist ein Trick." Verraten würde er ihn dennoch nicht. Nur unter gewissen Umständen ist er dazu bereit, das Geheimnis zu lüften. Dazu später mehr.

Der 58-Jährige erklärt den Lesern unserer Zeitung aber das Grundprinzip der Magie. "Es gibt in der Zauberei die Möglichkeit, etwas verschwinden zu lassen, etwas erscheinen zu lassen oder etwas auszutauschen." Um dies zu erreichen, gibt es verschiedene Methoden, teilweise uralte, aber auch immer wieder neue Varianten davon.
Oft sei es so, dass Zauberer auf Basis der bekannten Technik eine neue Methode entwickeln, die dann großes Aufsehen beim Publikum erregt, sagt er. Dahinter stecke meist ein bekanntes Grundprinzip. Und es komme darauf an, in welchem Bereich der Zauberei man zu Gange ist: In der Mentalmagie, bei der es darum geht, beim Publikum den Anschein zu erwecken, man könne zum Beispiel Gedanken lesen oder Ereignisse voraussagen, ist Manipulationskunst und Gehirnakrobatik gefragt. "Man kann jemandem zum Beispiel etwas suggerieren, aber der Zuschauer denkt, er hat frei entschieden", erklärt Volpatti.

Und was auch jeder Zauberer braucht, ist die Fingerfertigkeit. Nur so gelingt es etwa, Münzen oder andere Gegenstände verschwinden zu lassen, ohne dass es das Publikum merkt.

Späteinsteiger

Volpatti ist ein Späteinsteiger, was das Zaubern lernen betrifft. 1995 hat er damit begonnen, kleinere Tricks einzustudieren. Damals war er 40 Jahre alt. Bühnenerfahrung hatte er bereits vorher als Musiker gesammelt. Einer seiner Bekannten war in der Zauberbranche tätig und zeigte ihm ein paar elementare Techniken. Vier Jahre später sprang er bei dem Bekannten ein, der für eine große Bühnenshow in Österreich einen Ersatzpartner gesucht hatte. Im Hau-Ruck-Verfahren habe er damals die Nummern einstudiert. Die insgesamt vierwöchige Österreich-Aufenthalt wurde zum Erfolg, und Volpatti entschloss sich, es im Profibereich zu versuchen. Er spezialisierte sich auf Zauberei mit Tieren.

Raubkatzen auf der Bühne

Der 58-Jährige besitzt zwei Pumas. Die Nummer: Vor den Augen der Zuschauer verwandelt er seine Assistentin in eine lebende Raubkatze. Das kam gut an. Als er den Trick ersann, hatte er großen Erfolg und trat damit auf internationalen Bühnen auf. Auch im Fernsehen war er zu sehen (unter anderem in der "Gala Menschen für Menschen" mit Karl-Heinz Böhm). Auch mit anderen Tieren arbeitet er, Taubenmagie gehört ebenso zu seinem Repertoire. Heute lässt er es etwas ruhiger angehen. Aufträge, die nicht im Umkreis von 200 Kilometern liegen, nehme er in der Regel nicht mehr an. "Das ist nichts mehr für mich", sagt er und lacht.
Doch wann würde Richard Volpatti denn nun seine Magie-Geheimnisse lüften? "Wenn jemand ernsthaftes Interesse daran zeigt, die Zauberei lernen zu wollen, dann bin ich auch bereit, größere Tricks zu verraten", sagt er. Alte Zaubererregel.


Volpatti in Aktion

Auf der Homepage von "Magic Richie" gibt es einige Ausschnitte aus seiner Bühnenshow, unter anderem von einem Auftritt, der in der ARD-Fernsehserie "Um Himmels Willen" integriert wurde. Dort finden sich auch weitere Videos. Leider ist die Bildqualität nicht besonders gut.