Gleich nachdem der Satz "Wir suchen noch einen Übersetzer für Georgisch" gefallen ist, meldet sich einer und sagt: "Ich weiß jemanden." Diese Szene spielte sich am Ehrenamtstag im "Haus des Gastes" in Hofheim ab und beschreibt, um was es ging. Menschen, die im Landkreis Haßberge als Flüchtlingshelfer aktiv sind, trafen sich, lernten sich kennen und hatten in Workshops Gelegenheit, Ideen und Erfahrungen auszutauschen.

"Wir wollen uns vernetzen und noch mehr Kompetenz aufbauen", sagte Organisatorin Katharina Schmidt. Einiges sei im Landkreis Haßberge bereits vorbildlich. Es gibt beispielsweise keinen anderen Landkreis in Bayern, der bei der Flüchtlingsaufnahme ohne Sicherheitskräfte auskommt.


Hochpolitisch, aber unparteiisch

Dafür, dass es hier und gerade in Hofheim so reibungslos funktionierte, dankte der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst besonders Eike Uhlich.
Er habe vorausgedacht und rechtzeitig erkannt, welche Herausforderungen durch den Krieg in Syrien auf deutsche Kommunen zukommen. "Jetzt müssen wir das weiterführen und die Menschen in Arbeit und Brot bringen", sagte Borst.

Uhlich selbst sagte: "Die Arbeit der Helfer vor Ort ist unparteiisch, aber hochpolitisch." Seiner Ansicht nach prägen die Asylhelfer die Gesellschaft nachhaltig und positiv. Diese Menschen seien "trotz großer Individualität leicht zu führen". Denen, die sich gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen stellen, widersprach er: "Unsere Hilfsmöglichkeiten und das Geld sind noch nicht ausgeschöpft."


Hoher Aufwand bei Arztüberweisungen

Katharina Schmidt berichtete über Probleme: "Wir mussten uns einarbeiten in nicht nachvollziehbare behördliche Vorgänge." Beispielsweise sprach sie über den hohen bürokratischen Aufwand bei Arztüberweisungen. Auch hätten viele Helfer bereits Alpträume durch die vielen schlimmen Geschichten, die sie gehört hatten.

"Ich bin nicht im Dienst, ich bin heute als Privatperson da", sagte Sozialamtsleiter Dieter Sauer. "Da kann man freier reden." Er betonte, dass es wichtig sei, eine Schnittmenge zu haben zwischen Behörde und Ehrenamt. Wenn diese zu klein sei, werde es schwierig, eine Krise zu bewältigen. Zu den Helfern sagte er: "Dank Ihrer Hilfe läuft es einigermaßen rund." Zum Versuch, die Menschen in Arbeit zu bringen, betonte er, es sei wünschenswert, die Leute so weit wie möglich in ihrem gelernten Beruf unterzubringen. "Ein Arzt soll nicht als Taxifahrer enden", meinte Sauer. Vehement widersprach er der Behauptung, Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, litten unter einem "Helfersyndrom".

"Ich finde es gut, dass jemand die Initiative ergreift. Dass man sich mal einen Tag Zeit nimmt", lobte Landrat Wilhelm Schneider. Er selbst wolle gerne Anregungen vom Ehrenamtstag aufnehmen. So sprach er beispielsweise die Änderung der Öffnungszeiten des Landratsamtes an, durch die Ehrenamtliche die Möglichkeit haben, am Nachmittag Flüchtlinge zu Behördengängen zu bringen und zu begleiten.


Behördengänge kosten viel Zeit

Am Vormittag wurden für die Flüchtlingshelfer Workshops angeboten: Bei Psychotherapeutin Anne Herzog ging es um das Verarbeiten von Krieg, Verfolgung und Traumatisierung. Der Ehrenamtskoordinator der Stadt Würzburg Burkard Fuchs, beschäftigte sich mit dem Spannungsfeld Behörde und Lebenswirklichkeit der Flüchtlinge, Klaus Derleder mit "Interkultureller Kompetenz". Über Asylverfahren sprach Yener Yildirim, stellvertretender Leiter der Aufnahmeeinrichtung der Regierung von Unterfranken in Schweinfurt. Die Selbstfürsorge in der Flüchtlingsarbeit war das Thema von Psychotherapeutin Sigrund Wunderlich.

Nach einem Mittagessen, das Flüchtlinge zubereitet hatten, ging es weiter mit Gesprächen in kleineren Gruppen. Wie sehen etwa Helfer ihre eigene Rolle: "Bin ich die gute Freundin? Bin ich ein Kumpel? Bin ich eine Mama-Figur?", fragte Katharina Schmidt und jeder fand seine eigene Antwort. Was kostet Ehrenamtliche am meisten Kraft? Schmidt: "Die meiste Energie kostet die Ehrenamtlichen die Behördengänge, die sehr viel Zeit kosten. Die schlechte Infrastruktur im Landkreis und das Gerede aller politischen Parteien, die das, was die Ehrenamtlichen leisten, kaputtreden."


Eine Ausstellung

In der Hofheimer Veranstaltungshalle präsentierten sich Amnesty International, aber auch Mohamad Haddina mit Bildern zum Thema "Das bin ich". Die Idee dazu geht auf Katrin Müller aus Rügheim zurück. Walter Richter hatte dafür Interviews geführt und Flüchtlinge, die im Landkreis Haßberge untergekommen sind, ihre Geschichte erzählen lassen. Vladimir Baumann fotografierte die Menschen.