Auf dem Bretzenstein, einer Anhöhe zwischen Ebern und Fierst, wo seit 1999 bzw. 2001 die ersten beiden Windräder des Landkreises im Dienste der Umwelt rotieren, kam es in der Nacht zum Montag zu dem Vorfall, der auch die Experten rätseln lässt. Ein Rotorblatt des über 80 Meter hohen Windrads II brach ab, besser gesagt, es zerfledderte, als wäre es in einen Mixer geraten. Verletzt wurde zum Glück niemand. Teile des zerborstenen Rotorblatts fanden sich 200 Meter weit verstreut. Sie flogen bis zum anderen Windrad, das im Jahr 1999 den "Windpark Bretzenstein" eröffnet hatte.
Das Polizeipräsidium Unterfranken, das die Ermittlungen übernommen hat, rätselte am Montag über die Ursachen, und der Betreiber, die "Windenergie Bretzenstein GmbH" hat einen Gutachter bestellt, der den kostenträchtigen Vorfall untersuchen soll. Die genaue Schadenssumme vermochte gestern niemand zu benennen, doch Johann Prell, Geschäftsführer der insgesamt 116 Kapitalgeber starken Gesellschaft, schätzt, dass allein der Ertragsausfall mindestens zehntausend Euro im Monat ausmachen wird.

Starkes Windaufkommen

"Das sind jetzt gerade die windstarken Monate", sagt er dem FT: "Der Dezember war super." Jetzt muss geklärt werden, ob die Versicherung zahlt, und woher möglichst rasch ein Ersatzrotor (womöglich müssen alle drei Blätter ausgetauscht werden) und ein Kran besorgt werden kann. "Und dann", gibt Prell zu bedenken, "muss auch noch die Witterung mitspielen."
Ein vergleichbarer Vorfall sei ihm noch nicht untergekommen, sagt Prell, der nicht an einen Produktionsfehler glaubt. "Der wäre schon früher zu Tage getreten." Materialermüdung sei nach zehn Jahren schon mal denkbar.
Die Anlage werde aber regelmäßig gewartet, auch auf Risse in den Rotorblättern hin. Sensoren und die digitale Überwachung wiesen jede kleine Unwucht aus. "Die Anlage ist reibungslos gelaufen", berichtet Prell, "keine Anzeichen für einen Störfall."

Ein Bö genügt

Er kann sich das Unglück nur durch einen plötzlichen heftigen Bö erklären, auf den Anlagen nicht mehr reagieren konnte. Bei Sturmböen um 25 Meter pro Sekunde fährt das Windrad sonst automatisch auf Fahnenstellung zurück. Prell: "Aber das muss wohl so rasch passiert sein, dass die Technik nicht mehr reagieren konnte."
Peter Angermüller aus Untermerzbach ist einer von vielen Zaungästen, die an diesem Tag auf den Bretzenstein strömen, staunend vor dem Windrad stehen und sich über die Gewalt der Natur wundern. "Ich stamme aus Bremen und habe schon viele dieser Offshore-Parks mit weit größeren Windrädern gesehen, sagt er. "Aber sowas ist mir noch nie untergekommen. "
Sind Windräder gefährlich? Wird es nicht noch viel brisanter, wenn solche Anlagen 200 Meter Höhe erreichen? "Im Gegenteil", beruhigt Johann Prell: In größerer Höhe seien die Rotorblätter massiverem Wind ausgeliefert, aber eben in Dauerbelastung. Konventionelle Anlagen auf Hügeln, wie dem Bretzenstein, fahren herunter oder schalten ab, wenn nur noch ein laues Lüftchen weht.
Wenn dann aber aus solch einer "toten" plötzlich eine Wind-Hose wird, ...