Ungeachtet der Proteste, Einwendungen, Wünsche und offenen Fragen schreitet die Energiewende im Landkreis Haßberge voran.

Im nächsten Schritt soll bis Ende des Jahres eine Investitions- und Betreibergesellschaft auf Landkreisebene gegründet werden. Diese hat die Aufgabe, die von der Energiegesellschaft GUT Haßberge erarbeiteten und von den Gremien der Gesellschaft freigegebenen Projekte zu finanzieren, zu errichten und zu betreiben.

Damit geht es an die technische Umsetzung. Den Zeitplan und das Vorhaben bestätigte dieser Tage die GUT.

Das Ziel: autark werden


Damit der nächste Schritt gelingt, hatte der Landkreis Haßberge zusammen mit seinen 26 Städten, Märkten und Gemeinden sowie den städtischen Betrieben Haßfurt und der BBV-Landsiedlung (BBV steht für Bayerischer Bauernverband) vor knapp einem Jahr die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte (kurz GUT) aus der Taufe gehoben.

"Wir wollen die Energiewende nutzen, den Ausbau erneuerbarer Energien steuern, um die Wertschöpfung im Landkreis und bei seinen Bürgern zu halten", erklärt Wilfried Neubauer, der Sprecher der dreiköpfigen GUT-Geschäftsführung. Neben Neubauer (Landratsamt) sind Günter Mendel (ebenfalls Landratsamt) und Norbert Zösch (Leiter des Stadtwerks Haßfurt ) als Geschäftsführer tätig.
Die GUT ist eine Art Vorgängergesellschaft für die Gesellschaft, die demnächst ins Leben gerufen werden soll.

Ziel ist, den Einsatz von regenerativen Energien im Landkreis Haßberge weiter zu steigern, um im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf dem Energiesektor möglichst autark zu werden und sich vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Die GUT hat die Aufgabe, verschiedene Möglichkeiten zur Nutzung der erneuerbaren Energien zu erarbeiten und auf technische und wirtschaftliche Machbarkeit und Tragfähigkeit hin zu prüfen. Mit im Boot sind das Umweltbildungszentrum in Oberschleichach und die dort angesiedelte Energieberatung des Landkreises Haßberge.

Gutachten


Für die regionale Windkraft-Planung hat die Energiegesellschaft GUT ein Gutachten beim TÜV Süd in Auftrag gegeben. Es gibt einen Überblick über alle geeigneten Standorte. "Es nutzt wenig, ein Windrad dort aufzustellen, wo kein Wind weht oder wenn Leitungen fehlen, um den Strom ins Netz zu bringen", meint Norbert Zösch.
Deswegen ist für die Energiewende ein Gesamtkonzept erforderlich, in dem die Windkraft nur eine von mehreren Baustellen sein wird.

"Wir brauchen einen Mix regenerativer Energien", verdeutlicht Günter Mendel. Wegen der zügigen Fortschreibung des Regionalplanes Main-Rhön hat laut GUT "momentan aber die Windkraft Vorfahrt".

Das ist aber nicht so einfach. Gegen die Windkraft gibt es Vorbehalte - jüngst hat Riedbach das große Gebiet WK 88 abgelehnt. Und es gibt Wünsche nach Windrädern aus Gemeinden, in denen die Regionalplanung keine Windkraftanlagen vorsieht.

Die Planung der Windrad-Standorte läuft über den Regionalen Planungsverband für die Region Main-Rhön, um ein Konzept für das ganze Gebiet zu bekommen (das sind die Landkreise Haßberge, Schweinfurt, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen sowie Stadt Schweinfurt). Eine Verspargelung der Landschaft soll vermieden werden.