Winston hat sich mit dem Coronavirus infiziert, hieß es Ende April aus North Carolina. Der kleine Mops soll sich bei seinen positiv getesteten Herrchen angesteckt haben. Bei zwei Katzen aus verschiedenen Ecken des Bundesstaats New York sowie bei Tigerdame Nadia aus dem "Bronx Zoo" in New York City wurde das Virus ebenfalls nachgewiesen. Vergangene Woche mussten mehrere niederländische Nerzfarmen aufgrund infizierter Tiere geschlossen werden.

"Ich sollte jetzt vermutlich sagen, dass ich mir Sorgen mache, dass sich meine Katze infizieren könnte, aber ehrlich gesagt nein", erzählt eine Limbacher Katzenbesitzerin. "Meine Katze lebt Winter wie Sommer draußen, bleibt hauptsächlich bei uns auf dem Grundstück. Aber Sorgen, dass sie sich anstecken und das Virus an mich übertragen könnte, mache ich mir nicht."

Tierhalter im Landkreis Haßberge bleiben entspannt

Die Katze der 22-Jährigen wird trotz der Pandemie nicht zum Stubenkater: "Meine Katze ist schon recht alt und bewegt sich nicht wirklich weit weg. Aber in Limbach haben wir sowieso ein Katzenproblem, weil kaum einer seine Katze sterilisieren lässt und wir dann jedes Frühjahr jede Menge Katzen rumspringen haben. Also eine Übertragung hier auf dem Land wäre praktisch sowieso nicht einzuschränken."

Auch die Ebelsbacherin Katja Dittmann bleibt im Umgang mit ihrer Katze Mika ganz entspannt: "Ich gehe ganz normal mit meiner Katze um, wir kuscheln normal. Die schnuffelt auch Mal an meiner leeren Tasse herum."

Für die Veterinärmedizin seien Coronaviren nichts Neues, erzählt der Haßfurter Tierarzt Alfred Kramer. "Wir Tierärzte kennen Coronaviren sowohl in der Groß- als auch in der Kleintierpraxis schon seit mehr als 30 Jahren. In der Tierwelt ist eine Vielzahl dieser Viren bei verschiedensten Rassen mit den unterschiedlichsten Verlaufsformen bekannt."

Coronavirus in Tierwelt schon bekannt

Allerdings müssten diese Erreger von dem aktuell grassierenden und Menschen gefährdenden SARS-CoV-2 unterschieden werden. Denn das "eine" Coronavirus gibt es nicht.

In der Tierwelt können verschiedene Virenstämme der Coronafamilie sowohl Klein- als auch Nutztiere befallen. Die meisten dieser Viren sind wirtsspezifisch, das heißt, die Krankheit ist in der Regel nur innerhalb der Spezies übertragbar. Bei der Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) zum Beispiel handelt es sich um eine durch das Feline Coronavirus ausgelöste Erkrankung. Diese Infektionskrankheit befällt ausschließlich Katzen. Für das infizierte Tier verläuft FIP immer tödlich, für den Menschen ist der Virus hingegen ungefährlich.

Das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, berichtet allerdings auch von einer chinesischen Studie, die nahelegt, dass sich Katzen und Frettchen experimentell mit Corona infizieren ließen und das Virus auch an Artgenossen weitergeben könnten. Die Frage, ob eine solche Übertragung auch außerhalb eines Labores möglich ist, bleibt aber offen.

Katzen und Frettchen können sich infizieren

Hunde hingegen seien nach aktuellem Erkenntnisstand nur schwer mit dem Virus zu infizieren. Zwar soll sich Mops Winston bei Herrchen angesteckt haben, doch über etwaige Symptome des Tieres gibt es keine offiziellen Informationen.

Theoretisch könnten ausgehustete Viren mehrere Stunden auf dem Tier nachweisbar sein. Es ist also möglich, dass Winston durch engen Körperkontakt oder Abschlecken von seinem Herrchen Coronaviren aufgenommen hat, aber selbst nicht erkrankt ist. Denn eine mögliche Infektion von Haustieren bedeute nicht automatisch, "dass sich das Virus in den Tieren vermehren kann und von ihnen auch wieder ausgeschieden wird", so das Friedrich-Loeffler-Institut.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Menschen sich durch ihre Haustiere mit Corona infizieren können. Große Sorgen müsse man sich also nicht machen. "Ich empfehle einen ganz normalen Umgang mit den Haustieren, wie immer, mit gesundem Abstand und Verstand‘", rät Tierarzt Kramer.

Mindestabstand auch bei Haustieren?

Infizierte Personen sollten allerdings "beim Kontakt zu ihren Haustieren besonders auf Hygiene achten, engen Kontakt möglichst vermeiden, die Tiere nicht anhusten oder anniesen und sich von den Tieren nicht durchs Gesicht lecken lassen", so das Friedrich-Loeffler-Institut. Solche Hygienemaßnahmen im Umgang mit Tieren schützen nicht nur vor Corona, sondern auch vor anderen, übertragbaren Erkrankungen wie Zoonosen - Infektionskrankheiten, die die Speziesbarriere durchbrechen können.

"Bitte liebe Haustierbesitzer: Geht einfach ganz normal mit euren Lieblingen um, sie gehören zur Familie. Und bitte auf keinen Fall den Tieren irgendwelche Mundschutzmasken aufsetzen und damit die Atemwege verdecken. Dies ist im Zweifel nicht nur unangenehm, sondern könnte lebensgefährlich für unsere Freunde sein", bittet Yvonne Jung von der Tierschutzinitiative Haßberge.

Jung berichtet, dass die Haustierhalter trotz der Corona-Schlagzeilen aktuell nicht in Panik verfallen: "Wir freuen uns, dass aufgrund der aktuellen Lage nicht mehr Tiere abgegeben wurden als sonst. Ganz im Gegenteil: Die Menschen haben gerade mehr Zeit, um über ein neues Familienmitglied nachzudenken und wollen mehr adoptieren. Gerade in der jetzigen Situation kann die Eingewöhnungsphase einer Fellnase gut überbrückt werden. Der eintönige und triste Alltag wird bereichert - das Tier freut sich über ungeteilte Aufmerksamkeit", erzählt Jung, fügt aber hinzu:

"Nichtsdestotrotz sollte aber kein Familienzuwachs nur aufgrund von Corona entschieden werden. Die Anschaffung eines Haustieres - egal ob klein oder groß - ist eine Entscheidung für das ganze (Tier-) Leben und sollte wohl bedacht sein und nicht aus der momentanen Langeweile entschieden werden. Eine Versorgung muss schließlich auch ,danach‘ sichergestellt sein." Auch nach den Lockerungen der Ausgangbeschränkungen sollte das neuangeschaffte Fellknäuel also nicht vergessen werden.