CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter (MdL) Steffen Vogel hielt es an der Zeit, über eine Neuausrichtung nachzudenken und auch organisatorische Veränderungen anzugehen, um für die Wahlen 2017 bis 2020 gut vorbereitet zu sein. Eigentlich könne man unter den Mitgliedern eine hohe Zufriedenheit feststellen.
Nach den anstrengenden Wahlen gebe es an der Basis eine gewisse Sättigung. Aber nun habe man mit zahlreichen Veranstaltungen wieder Fahrt aufgenommen; in nächster Zeit soll es eine Reihe von Dialogveranstaltungen im Landkreis geben. "Mit 1891 Mitgliedern sind wir eine starke Gemeinschaft und bezogen auf die Einwohnerzahl der größte Kreisverband in Unterfranken. Über die Ortsverbände haben wir auch eine starke Verankerung in unseren Gemeinden.
Das führte zum Erfolg bei den Kommunalwahlen sowie der Wahl von Wilhelm Schneider zu unserem Landrat."

Die Funktionäre und Mitglieder der Partei nutzten die Anwesenheit des CSU-Generalsekretärs dazu, ihre Meinung zur Parteiorganisation und den derzeit wichtigsten politischen Fragen kundzutun. Der langjährige ehemalige Ortsvorsitzende des CSU-Ortsverbandes Augsfeld, Diethart Konrad, wartete erst vor kurzem etwas länger auf eine Beantwortung seiner Fragen aus der CSU-Landesleitung und deswegen interessierte ihn das neue Konzept von Generalsekretär Scheuer besonders. "Ich finde es sehr positiv, dass man den Parteiapparat modernisieren und ihn vor allem auch auf die neuen Medien einstellen will. Vor allem begrüße ich, dass man dabei sogar das einzelne Mitglied viel mehr und viel früher in die Entscheidungsprozesse einbeziehen möchte. ,Jedem Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann‘, ist eine alte Redewendung, und natürlich wird man nicht mit allen Beschlüssen einverstanden sein. Aber es ist richtig, dass man im Zeichen der neuen Informationsgesellschaft immer am Draht ist, auch schnell die Tagespolitik mitbekommt und umgekehrt Einfluss nehmen kann." Dabei hatte er noch einen Wunsch in Zusammenhang mit den jüngeren Mitgliedern. "Man muss auch an die Zukunft denken, und deswegen sollte man auch hier den Nachwuchs schulen und auf mögliche Übernahme von verantwortungsvollen Ämtern und Funktionen vorbereiten."

CSU-Vorsitzender Wolfgang Hömer, Haßfurt, sprach die stärkere Nutzung von "Social Media" an, mit denen natürlich manche Älteren nicht so viel anfangen könnten. Darüber spreche man aber eine andere Schicht an, was sehr vorteilhaft sei. Und auch ihn interessierten ganz einfache organisatorische Vorgänge und Fragen wie Beitragsstruktur, Service durch die Bundeswahlkreisgeschäftsstellen und vieles andere mehr angesprochen.

Bei den politischen Fragen sprach Bürgermeister Hermann Niedek aus Burgpreppach das Flüchtlingsproblem an, das die Bürger brennend interessiere. Obwohl eine große Bereitschaft zur Aufnahme von Asylbewerbern vorhanden wäre, seien aber wichtige Fragen überhaupt nicht geklärt. Etwa das Versicherungsproblem der Asylbewerber. Wer zahlt, wenn durch sie vor Ort ein Schaden entstanden ist? Er sah hier die Verpflichtung des Bundes und forderte die Anwesenden auf, hier auf eine rechtliche Regelung zu drängen.

Bisher läuft es ohne große Probleme

Landrat Wilhelm Schneider meinte, dass das Asylverfahren im Landkreis Haßberge bisher eigentlich ohne Probleme laufe. "Sie werden gut aufgenommen, und wir sollten in der Asylproblematik auch eine Chance für unseren Raum sehen. Schließlich haben wir Leerstände. Wir kennen unsere demographische Entwicklung und haben auch schon bei den Ausbildungsberufen Probleme. Vielleicht können wir manches erreichen, wenn wir sie bei uns integrieren und heimisch werden lassen. Darin sehe ich eine Chance. Und in einem Kurs der Berufsschule bekommen wir mit, dass auch viele von ihnen sehr willig sind."

Für den CSU-Generalsekretär schnürte er ebenfalls ein Paket von Wünschen: So soll es auch für den ländlichen Raum gleichwertige Lebensverhältnisse. "Aber der Nordbayern-Pakt der Staatsregierung sieht bisher nicht so danach aus, denn es sind nur Städte wie Würzburg, Schweinfurt Kitzingen oder Neustadt bedacht. Ich will eindringlich daran erinnern, dass es auch den Landkreis Haßberge gibt und dass wir jetzt erst recht bei der Behördenverlagerung unsere Hand weit nach oben erheben."

Der Landkreis Haßberge brauche etwas. Wo dies sei, wäre dabei sekundär. Man sei von Hochschulstandorten umgeben, habe selbst schon einmal einen Anlauf mit dem Einrichten einer Fachoberschule probiert. Aber jetzt sei es noch schwieriger, weil es in Schweinfurt durch die Konversion noch mehr Platz gebe. Trotzdem benötige auch ein ländlicher Landkreis ein angemessenes Angebot im Dienstleistungssektor und Arbeitsplätze für Frauen.


Humanitäre Verpflichtung - doch wo bleibt die EU?

"Wir haben eine humanitäre Verpflichtung und kommen dieser auch in allen Belangen nach. Ich bin aber enttäuscht von der Europäischen Ebene und Gemeinschaft, dass sie es nicht schafft, eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik hinzubringen." CSU-Generalsekretär Andres Scheuer sieht die EU bei der gegenwärtigen Asylpolitik in der Pflicht.

Jeden Tag fragten ihn Bürger, "wann reißt denn dieser gigantische Zustrom ab und warum gibt die Politik darauf keine klare Antwort". Der Bundesrepublik und Bayern könne man dabei den geringsten Vorwurf machen, denn sie kämen ihrer Verpflichtung nach. "Aber nur zehn Länder von den 28 europäischen Mitgliedsstaaten nehmen Asylbewerber auf. Deutschland nimmt dabei noch mehr als doppelt so viele Bewerber auf wie der nächste Zweitplatzierte. Aber das können wir auf Dauer nicht verkraften, und Deutschland darf auch nicht überfordert werden. Auch morgen steigen wieder 800 Asylbewerber aus dem Zug am Münchner Hauptbahnhof aus und sind einfach da. Das kann nicht sein, dass komplette Familien von Sizilien bis Rosenheim ohne Kontrollen durchkommen, und wir dann dieses Problem allein lösen sollen."

Hier versage die Solidarität in Europa völlig und Deutschland könne nicht alle Ankommenden aus Krisengebieten verkraften. Deswegen forderte der CSU-Generalsekretär ein europäisches Abkommen, Grenzkontrollen und Registrierungen.

Ausgiebig informierte Generalsekretär Andreas Scheuer die Mitglieder über die neue Ausrichtung und Weiterentwicklung der CSU und sprach dabei von dem Ziel "den Status der noch einzigen Volkspartei zu erhalten und eine digitalen Agenda anzugehen. Dabei müsse man die "social media" intensivieren, denn man gehe derzeit für 2014 in Bayern von einem Migrationsanteil von 28,3 Prozent aus. Auch das Flaggschiff "Bayern-Kurier" muss ihm zufolge neu gestaltet werden. Für die Mitglieder kündigte er neue Mitwirkungsplattformen an und verwies auf die traditionellen Sonntagsumfragen, die nur bei 1000 Bürgern gestartet und als repräsentativ bezeichnet werden. Die CSU habe mehr als 148 000 Mitglieder.

Natürlich sollen die CSU-Geschäftsstellen besser aufgestellt werden. CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel wies darauf hin, dass man einen Wahlkreis habe, der um 1/3 größer sei als manches Bundesland. In solchen ländlichen Regionen müsse man besser aufgestellt sein und deswegen wünsche er eine stärkere Unterstützung durch die Parteiorganisation.