82 Delegierte aus Unterfranken waren nach Altfeld bei Marktheidenfeld gekommen, um ihre Kandidatin für die Europawahl zu küren. Kerstin Westphal, die in Schweinfurt wohnt und Unterfranken seit 2009 in Straßburg und Brüssel vertritt, stellte sich erneut zur Wahl und erhielt das Vertrauen der Delegierten, darunter auch die aus den SPD-Ortsvereinen der Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge.

Mit 88 Prozent der Stimmen wurde sie als unterfränkische Kandidatin nominiert. Die endgültige Entscheidung fällt erst bei einem Europa-Bundesparteitag, da die SPD eine Bundesliste aufstellt.

Das "Haus Europa"

Westphal sprach von ihrer "Idee von Europa", wie die unterfränkische SPD mitteilt. Sie lehnte sich an das Bild von einem "Haus Europa" an, das einst Michael Gorbatschow prägte. In diesem Haus leben Menschen seit mehr als 60 Jahren in Frieden zusammen.
Das Haus sei nur ein wenig renovierungsbedürftig. An diese Arbeit wolle sie sich machen. Mit Sorge stellte sie europafeindliche Entwicklungen fest.

Vielleicht verständlich, denn Europa wirke auf viele Menschen bedrohlich. Da gingen die Menschen auf Distanz.
Dem will sie entgegentreten, wie sie deutlich machte, mit einer humanen, solidarischen Politik. An erster Stelle nannte sie sie Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa: "Für die Banken ist immer genug Geld da, aber für die Jugend nicht!"

Interessen der Industrie, nicht der Menschen

Für eine bessere Europapolitik bräuchte es andere Mehrheiten im Parlament, so Westphal. Derzeit stünden die Interessen der Industrie, nicht die der Menschen im Mittelpunkt.

Die europäischen Sozialisten sehen sich erstmals mit einem Spitzenkandidat präsent: Deutschland schlägt Martin Schulz, den Präsidenten des europäischen Parlaments vor. Westphal erwartet, dass damit die Sozialdemokraten in Europa wirklich Gewicht bekommen. Wenn es gelänge, die stärkste Fraktion zu werden, hätte diese ein Vorschlagsrecht für den Kommissionspräsidenten. Westphal sieht die Chance, als "wirklich großen Europäer", Martin Schulz, mit dieser Aufgabe zu betrauen.
Die Unterfranken-Vertreterin steht für das "Subsidiaritätsprinzip": Was zu Hause geregelt werden kann, sollte auch dort geregelt werden. Europa steht vor genug großen Herausforderungen.

Westphal forderte eine politischere Kommission: "Wenn wir regieren würden, gäbe es eine Jugendgarantie, die ihren Namen verdient und damit Arbeit, Ausbildung und eine Chance für die Zukunft! Es gäbe eine faire Asylpolitik und eine einheitliche Steuerpolitik bei der Steuerschlupflöcher dicht gemacht würden." Westphal forderte abschließend ein transparentes Europa , das nicht mit Hinterzimmer-Entscheidungen regiert wird.

Als Ersatzkandidatin wurde die 43-jährige Journalistin Iris Wrede aus Aschaffenburg nominiert. Wrede will die Politik vor Ort mit der Europapolitik verbinden und als "Huckepack-Kandidatin" Kerstin Westphal im Wahlkampf unterstützen. Iris Wrede wurde mit 86 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt. Lebhaft und leidenschaftlich wurde noch diskutiert über die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland.

Als Delegierte zur Europa-Bundeskonferenz wurden bestimmt: Kerstin Westphal, Volkmar Halbleib, Bernd Rützel; Ersatzdelegierte sind: Marietta Eder, Sabine Dittmar, Iris Wrede, Anna Stvrtecky, Barbara Lützelberger.