Radfahren ist in und wo viel geradelt wird, da sind auch Fachleute gefragt, die defekte Räder reparieren können. Zu denen gehören sieben Männer, die unter der Regie von Kim Mattern in Treinfeld werkeln. Ihre Fahrradwerkstatt befindet sich im Anwesen von Walter Pfeufer. Dort werden alte und defekte Zweiräder wieder auf Vordermann gebracht, von Freizeit-Monteuren, die sich alle dem christlichen Glauben verbunden fühlen. Seit dem Jahr 2014 treffen sich die Männer regelmäßig jeden zweiten Montag im Monat gegen 18 Uhr, um zu basteln und zu schrauben.

Gespräche über Gott und die Welt

"Die Grundidee war, eine Gemeinschaft mit Männern zu haben und beim Reparieren ins Gespräch zu kommen", erläutert Kim Mattern. Diskussionen über Gott und die Welt würden hierbei entstehen. Die Idee, Fahrräder zu reparieren, kam im Jahr 2016. Mit dabei sind Michael Brehm, Wolfgang Schleicher, Walter Pfeufer, Siegfried Dürr, Kim Mattern, Michael Körber und Dieter Lorber. "Ich denke, dass wir seitdem so um die 70 Fahrräder repariert und mit anderen Hilfslieferungen nach Siebenbürgen in Rumänien gebracht haben", sagt Mattern.

Siegfried Dürr aus Treinfeld ist 59 Jahre, hat Maurer gelernt und bis zu seiner Frühberentung in einer Fabrik gearbeitet. Er kam etwa ein Jahr, nachdem die Männerwerkstatt gegründet worden war, hinzu. "Ich habe das damals erfahren und es mir einmal angeschaut", sagt Dürr. Da mit den Rädern Gutes getan wird, war er schnell dabei. "Die gespendeten Fahrräder sind in meiner Scheune aufbewahrt, sie weisen in der Hauptsache Mängel an der Beleuchtung auf, haben Schaltprobleme bei Rädern mit Gangschaltung, Pedale sind defekt oder auch Bremsen", weiß Dürr.

Reden beim Werkeln ist wichtig

Auch ihn spricht die Geselligkeit in der Männerrunde an, deren Treffen vor der Arbeit meist mit einer Brotzeit beginnt. An Fahrrädern mangelt es der Männergruppe nicht. Die Bevölkerung zeige sich sehr spendierfreudig. "Zurzeit haben wir einen Anlieferstopp eingelegt, nicht nur wegen Corona, sondern eher aus dem Grund, weil wir erst einmal die noch vorrätigen Fahrräder reparieren wollen", erklärt Kim Mattern. Sonst würden zu viele Vehikel rumstehen und Platz beanspruchen.

Wolfgang Schleicher aus Treinfeld ist 51 Jahre alt und arbeitet in einer Firma als Konstrukteur. Er ist seit drei Jahren dabei. Warum? "Nur aus Spaß an der Freude. Wir sind eine lustige Runde und die Geselligkeit kommt bei der Arbeit für einen guten Zweck auch nicht zu kurz", sagt Schleicher. Er ist der einzige in der Gruppe, der selbst gerne in den Sattel steigt, um Touren zu unternehmen. "Ich fahre jeden Tag leidenschaftlich gerne", sagt er.

Käufer für Räder gesucht

"Wenn jemand ein Fahrrad spenden möchte, an dem keine Reparatur vorzunehmen ist, weil es intakt ist, wird das nach Absprache gerne angenommen", sagt Mattern. Er sagt aber auch, dass das mit den Fahrrädern der Gruppe "fast etwas über den Kopf wächst". Es wäre seiner Meinung nach nicht schlecht, wenn sich Käufer für die reparierten Drahtesel finden würden, um den Erlös der Rumänienhilfe zukommen zu lassen.

Walter Pfeufer, der in Treinfeld den Werkstattraum zur Verfügung stellt, ist Landwirt und 52 Jahre alt. "Ich bin seit Anfang an dabei und habe es nicht bereut", sagt er. Als Kim Mattern, der die Idee hatte, Räumlichkeiten suchte, sei er gerne bereit gewesen, einen geeigneten Raum seines landwirtschaftlichen Anwesens zur Verfügung zu stellen. "Der Raum ist beheizt und darüber ein Partyraum, den wir öfters für Brotzeiten nutzen", sagt Walter Pfeufer. Fahrräder, die er und seine Mitstreiter nach Karlsburg in Rumänien bringen, werden dort in einer diakonischen Einrichtung abgegeben und von dieser verkauft. Etwa 15 solcher Einrichtungen zählen zur Pfarrgemeinde Karlsburg. "Mit dem Erlös können die Verantwortlichen dann das Nötigste besorgen, was sie für ihre meist behinderten Schützlinge brauchen", so Pfeufer. Speziell als Landwirt haben ihm die krassen Gegensätze, die dort in der Landwirtschaft herrschen, nachdenklich gemacht.

Der Glaube vereint

Michael Körber aus Ebern ist von Anfang an dabei. Er ist 61 Jahre alt und von Beruf Druckoperator. Er schätzt es, dass alle in der Gruppe das Christsein leben, weshalb die Treffen oft mit biblischen Texten beginnen. "Danach geht's los." Vor allem Sättel der Fahrräder seien oft nicht mehr zu gebrauchen oder es müssten auch Lenker erneuert werden. Die Bereifung lasse ebenfalls oft zu wünschen übrig. "Eigentlich müssen die Fahrräder oft runderneuert werden", sagt Körber. Häufig würden auch Eigenmittel eingebracht. Eigenbedarf an Fahrrädern bestehe in christlichen Einrichtungen in Rumänien ebenfalls und Fahrräder hätten dort ohnehin einen hohen Stellenwert. Körber sagt: "Es macht Spaß, ist eine gute Sache und ich bleibe dabei."